Deutsche Regionalbörsen setzen Gegengewicht zu Nasdaq
Börsenfusion soll Berlin und Bremen stärken

Es klingt, als müssten sich die neuen Partner aus Bremen und Berlin einander Mut machen. "Einmalig" sei die Fusion der Regionalbörsen und ein "wichtiger Markstein" in der deutschen Börsengeschichte. Ein völlig neues Konzept, mit dem man es Kritikern zeigen werde, die regionalen Handelsplätzen kaum eine Chance geben. Bewegung kommt durchaus in den zersplitterten und umkämpften Markt.

HB/dpa BERLIN. Denn im schärfer werdenden Wettbewerb der Regionalbörsen gehen Berlin und Bremen einen neuen Weg. Nach ihrer Fusion wollen sie mit Banken und dem Europa-Ableger der US-Technologiebörse Nasdaq einen neuen Aktienmarkt starten und dem Branchenprimus Frankfurt Marktanteile abknöpfen. Ob diese Rechnung aufgeht, ist genauso offen, wie der Erfolg der Überlebensstrategien der anderen Regionalbörsen. Außer Frankfurt/Main als unangefochtener Nummer 1 in Deutschland buhlen bisher noch sieben Regionalbörsen um die Gunst der weniger werdenden Anleger: Stuttgart, Berlin, Düsseldorf, München, Hamburg, Hannover und Bremen. Während die "Großen" eine Zeit lang ihr Heil in Allianzen suchten, setzten die "Kleinen" schon früh auf Nischen oder auf ein breites Angebot für die oft vernachlässigten Kleinanleger.

In der Vergangenheit wurde das dezentrale Börsensystem häufig damit begründet, dass auch der Mittelstand Risikokapital erhalten müsse. Hinzu kam, dass die Bundesländer die traditionsreichen Handelsplätze unabhängig von deren Erfolg aus Prestigegründen halten wollen. Bis auf die Zusammenlegung der Börsenträgergesellschaften von Hamburg und Hannover blieb daher die immer wieder geforderte Konsolidierung aus. So kämpft jeder für sich - Experten sprechen von Kannibalisierung.

"Provinzbörsen" als Vorreiter

Zwar waren die "Provinzbörsen" häufig Vorreiter, wenn es um mehr Service für Kleinanleger ging. Ob längere Handelszeiten, günstige Orderstückelung oder Preisgarantien - häufig musste Frankfurt nachziehen. Dennoch ist Frankfurt mit seinem alles dominierenden elektronischen Handelssystem "Xetra" immer stärker geworden. Etwa 90 Prozent des Aktienhandels werden dort abgewickelt. Ein Problem ist auch, dass die unter Kostendruck stehenden Banken Kundenaufträge immer häufiger an den Börsen vorbei intern gegeneinander ausführen. Selbst hier mischt Frankfurt zum Verdruss der Kleinen kräftig mit. Nach dem Motto "Wider der Börsen-Monokultur und für mehr Anlegerfreundlichkeit" kämpfen die Regionalbörsen mit neuen Modellen dagegen an, nicht ganz ins Abseits gedrängt zu werden. Die Bayerische Börse etwa startet Anfang Mai die elektronische Handelsplattform "Max one", mit der München Liquidität und "faire Kurse" auch bei marktengeren Titeln garantieren will.

Die Düsseldorfer Börse, die in der Vergangenheit auch als Marktplatz für "Business-Angel-Kapital" warb, hat schon mit "Quotrix" ein neues Handelssystem in Betrieb genommen. Das richtet sich an besonders aktive Anleger, die auch spät noch handeln wollen und an "schneller Orderausführung zu fairen Preisen" interessiert sind. Stuttgart stellt gern seine Marktanteile bei Parkettorders heraus und reklamiert für sich, die zweitgrößte deutsche Börse zu sein. Erfolg haben die Schwaben durchaus mit ihrer Nischenpolitik und der Konzentration auf den Handel mit Optionsscheinen und Zertifikaten. Dank des Derivatesegments "Euwax" haben sie es hier zum Marktführer gebracht. Im Januar startete zudem das Rentenhandelssegment "Bond-X", das Privatanlegern Vorteile bei Anleihen-Orders bieten soll.

Welches Modell sich am Ende durchsetzt, bleibt abzuwarten. Die regionalen Börsenmanager wollen den Wettbewerb entscheiden lassen. Aus Sicht der Münchner werden sich am Ende drei durchsetzen. Auch Stuttgart sieht sich auf der Seite der Sieger und gibt nach einem langsamen Börsensterben maximal zwei bis drei Handelsplätzen neben Frankfurt eine Chance. Mit Nasdaq Deutschland und der Fusion Berlin/Bremen sinkt zumindest die Zahl der Regionalbörsen.

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