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Deutsche Reisebranche steht erstmals vor Einbußen

Der deutsche Reisemarkt ist in diesem Jahr kaum noch gewachsen und wird Verbandsangaben zufolge in der aktuellen Wintersaison infolge der Anschläge in den USA erstmals starke Einbußen hinnehmen müssen.

rtr HANNOVER. Im touristischen Geschäftsjahr 2000/01 (November bis Oktober) hätten die wichtigsten 50 Veranstalter ihren Umsatz zwar um sechs Prozent auf 30,9 Mrd. DM gesteigert, hieß es in einer am Donnerstag vorgelegten Umfrage der Fachzeitschrift "FVW International". Die Zahl der Reisenden sei aber nur noch um 1,7 % auf 27,5 Mill. gewachsen. Für die Wintersaison erwartet der Deutsche Reisebüro- und Reiseveranstalterverband (DRV) erhebliche Einbußen bei allen Veranstaltern. Nach Angaben von DRV-Präsident Klaus Laepple liegt die Gesamtzahl der Buchungen noch immer Durchschnitt um gut zehn Prozent unter dem Niveau des Vorjahres.

Der drastische Rückgang der Buchungszahlen nach den Anschlägen vom 11. September sei bei weitem nicht ausgeglichen, sagte Laepple am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. "Davon sind mehr oder weniger alle Reiseveranstalter betroffen." Bei dem wichtigsten deutsche Buchungssystem Start Amadeus, das gut 90 % aller Reisen bucht, wurde der Negativtrend bestätigt. "Die Buchungen haben seit dem starken Rückgang um 15 % wieder angezogen, liegen aber noch deutlich unter Vorjahr", sagte eine Sprecherin.

Der Marktführer und wichtigste Veranstalter des Preussag-Konzerns, TUI, bestätigte am Donnerstag einen Buchungsrückgang von weiterhin zehn Prozent. Thomas Cook als zweitgrößter Anbieter liegt eigenen Angaben zufolge weiterhin zwölf Prozent unter dem Vorjahr.

Für die Sommersaison 2002, die mehr als zwei Drittel des Jahresgeschäftes ausmacht, ließen sich vorerst keine verlässlichen Aussagen treffen, sagte Laepple. "Wir hoffen natürlich alle auf positive Urlaubsentscheidungen unter dem Tannenbaum." Er rechne aber für 2002 nicht mit steigenden Teilnehmerzahlen. Aufgrund gestiegener Preise könnten die Umsätze der Reisebranche im kommenden Jahr allenfalls leicht steigen. Es gebe aber eine ganze Reihe an negativen Faktoren, die die Entscheidungen für den Urlaub beeinflussen könnten. Dazu gehörten die wirtschaftliche Unsicherheit und die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes ebenso wie etwa steigende Krankenkassenbeiträge, die das Einkommen verringern.

Für das abgelaufene Touristikjahr 2000/2001 hat die Umfrage der "FVW International" ergeben, dass der Umsatzzuwachs im wesentlichen auf höhere Preise zurückzuführen ist. Der Markt für Veranstalterreisen stoße damit erstmals entgegen bisherigen Branchenprognosen an Grenzen, urteilten die FVW-Experten. Der Einbruch nach dem 11. September hat sich dabei auf das am 31. Oktober endende Touristikjahr kaum ausgewirkt. Davon waren vor vor allem Reisen für die aktuelle Wintersaison betroffen.

Mit der alljährlichen Umfrage erreicht das Fachmagazin nach eigenen Angaben rund 80 % des größten europäischen Reisemarktes Deutschland. An der Reihenfolge der sechs größten deutschen Anbieter, die fast zwei Drittel des Gesamtmarktes unter sich aufteilen hat sich wenig geändert. Marktführer in Deutschland bleibt TUI mit einem Umsatzzuwachs von 7,2 % auf 8,9 Mrd. DM, vor Thomas Cook, der bislang keine offiziellen Zahlen veröffentlicht hat. Nach vorläufigen Schätzungen hat Thomas Cook aber den Umsatz um 8,0 % auf 7,1 Mrd. DM gesteigert und damit seinen Vorsprung vor der Rewe Touristik ausgebaut.

Die Rewe-Gruppe hat infolge der Einbußen ihrer von der LTU übernommenen Veranstalter Tjaereborg und Jahn Reisen ihren Umsatz nur um 2,1 % auf 5,3 Mrd. DM erhöht und damit Marktanteile verloren. An vierter Stelle liegt die Tochter der britischen Airtours FTI, die durch den Abbau unrentabler Kapazitäten knapp 20 % weniger umsetzte und mit 1,7 Mrd. DM nur noch knapp vor dem größten konzernunabhängigen Veranstalter Alltours liegt, der sich um 18,3 % steigerte. Türkei-Spezialist Öger-Tours auf Rang sechs profitierte besonders vom diesjährigen Türkei-Boom und legte um 36 % auf 1,1 Mrd. DM zu.

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