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Deutsche schuften 201 Tage für Abgaben

Es sind 201 Tage und knapp ein halber: Deutlich mehr als die Hälfte des Jahres haben die Deutschen 2001 nur für Steuern und Sozialabgaben gearbeitet.

dpa BERLIN. Durchatmen kann der Steuerzahler erst von diesem Freitag an - und zwar exakt um 11.31 Uhr und zwölf Sekunden, wie der Steuerzahlerbund berechnet hat. Erst ab der 13. Sekunde fließt das verdiente Geld rein rechnerisch in den eigenen Geldbeutel. Dem Steuerzahler stehen damit in diesem Jahr von jeder verdienten Mark im Schnitt knapp 45 Pfennig zur Verfügung.

Karl-Heinz Däke, Präsident des Steuerzahlerbundes, genehmigte sich am Donnerstag zur Feier des "Steuerzahlergedenktages" ein Bierchen aus einem ebenso denkwürdigen Glas. Säulen in rot-gelb, schwarz-gelb, rot-grün - je nach Regierungskoalition - spiegeln rund ums Glas die Entwicklung des Tages wieder, an dem der Deutsche aufhört, nur für Steuern zu arbeiten.

So fiel der vom Steuerzahlerbund nach einer neuen Methode berechnete Gedenktag 1965 noch auf den 5. Juni und 1998 auf den 19. Juli. Ob das Glas halb voll oder halb leer ist, ist Ansichtssache. Jedenfalls gehört in diesem Jahr etwas mehr als die Hälfte des Inhalts, egal ob Bier oder Saft, Vater Staat. Jede Sekunde nimmt der Staat in diesem Jahr 28 257 DM an Steuern ein. Am Ende des Jahres summieren sich die Steuereinnahmen auf 891 Mrd. DM.

Dass der Gedenktag vergangenes Jahr auf den 3. Juni fiel, in diesem Jahr aber auf den 20. Juli, liegt daran, dass der Bund der Steuerzahler erstmals eine neue Berechnungsart - die so genannte volkswirtschaftliche Einkommensbelastungsquote - angewandt hat. Diese Quote setzt die Summe der Steuern und der von den privaten Haushalten und Unternehmen gezahlten Sozialbeiträge ins Verhältnis zum Volkseinkommen. Herausgerechnet wurden im Gegensatz zu der früheren Belastungsquote Abschreibungen, die ein Normalbürger in der Regel ohnehin nicht nutzen könne. Nach Ansicht Däkes entspricht die neue Quote stärker dem "Belastungsempfinden" des Bürgers.

Danach ergibt sich für den Steuerzahler in diesem Jahr 2001 eine Belastungsquote von 55,2 %. Davon entfallen rund 32 % auf Steuern, der Rest auf Soziallasten. Vor 30 Jahren lag die Belastungsquote bei 41,5 %. Im vergangenen Jahr erreichte sie den Rekordwert von 57,1 %.

Eine durchgreifende Erleichterung infolge der von der Regierung beschlossenen Steuersenkung erwartet Däke dabei nicht. Nach seinen Schätzungen werden im Jahr 2005 immer noch 54,7 % des Einkommens der Deutschen ins Staatssäckel fließen. Grund sei, dass den Entlastungen Steuererhöhungen gegenüber stünden, etwa aus der Ökosteuer.

Die Forderung des Steuerzahlerbundes im Verein mit Union und FDP lautet: Die dritte Stufe der Steuerreform muss auf das Jahr 2003 vorgezogen werden. Dies hat Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) bereits entschieden abgelehnt. Däke hält dagegen: "Nur drastische Steuersenkungen entfalten die gewünschten Entlastungswirkungen auch auf die Konjunktur." Sparen zu Gunsten von Steuersenkungen sollte Finanzminister Hans Eichel (SPD) besser bei Subventionen, etwa bei der staatlichen Förderung des Wohnens.

Einigen Deutschen kann der Steuerzahlergedenktag indes gleichgültig sein. Etwa den Formel-1-Brüdern Michael und Ralf Schumacher. Sie haben ihre Wohnsitze in die Schweiz beziehungsweise nach Österreich verlagert und sich damit den Vorwurf eingehandelt, sich vor Steuern in Deutschland zu drücken. "Das ist Steuerflucht, nicht Steuerhinterziehung", sagte Däke. Die Verlagerung des Wohnsitzes in ein anderes Land sei legitim. "Aber das löst Wut bei denen aus, die diese Möglichkeit nicht haben."

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