Deutsche Schwimmer
Epizentrum der schlechten Laune

Wer wissen will, wie sich schlechte Laune anfühlt, der muss nur die deutschen Schwimmer im Olympischen Dorf besuchen. Während sich die Konkurrenten in fast jedem Rennen gegenseitig übertrumpfen, sind die Deutschen nicht mal in der Lage, ihre eigenen Jahresbestzeiten zu erreichen. Eine Ausnahme jedoch gibt es.
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PEKING. Wer wissen will, wie sich schlechte Laune anfühlt, der müsse nur die deutschen Schwimmer im Olympischen Dorf besuchen. Das will selbst die Fechterin Imke Duplitzer mitbekommen haben. Dabei war sie am Montag in der olympischen Fechthalle, als Örjan Madsen, Sportdirektor des Deutschen Schwimmverbandes (DSV), seinen Kader um Punkt 13 Uhr zum Rapport bestellt hatte. Tacheles habe er mit seinen Athleten reden wollen, die schon nach zwei Wettkampftagen ihre Ambitionen allesamt im olympischen Pool versenkt haben.

Während sich die Konkurrenten in fast jedem Rennen gegenseitig übertrumpfen, sind die Deutschen nicht mal in der Lage, ihre eigenen Jahresbestzeiten auch nur annähernd zu erreichen. Reihenweise verfehlten sie die Zeiten, die sie noch bei den Deutschen Meisterschaften im April in Berlin geschwommen sind. Selbst Helge Meeuw, der in Berlin über 100 Meter Rücken Europarekord geschwommen war, verfehlte diesen in Peking um über eine Sekunde. Und Montag war Annika Lurz, die im vergangenen Jahr WM-Silber gewann, über 200 Meter Freistil gar um 4,3 Sekunden langsamer als damals in Melbourne. "Das ist so traurig anzusehen", sagte Madsen. Verzweifelt versuchte er mit seiner Ansprache die Wende. "Sie sollen endlich rausgehen und zeigen, was sie können."

Madsen hat seine Mannschaft erstmals öffentlich kritisiert. Schon vor den Spielen hatte er sich beim DSV nicht nur Freunde gemacht, vor allem Bundestrainer Manfred Thiesmann gilt spätestens nach seiner Degradierung als Erzfeind Madsens, der seinen nach Olympia auslaufenden Vertrag nicht verlängert hat. Am Montag knöpfte er sich auch die Heimtrainer der Athleten vor: "Zu wenige sind meinen Vorstellungen gefolgt", sagte er.

Die Konzentration auf Höhentrainingslager und harte Wettkämpfe sei nicht konsequent befolgt worden, sagte der 62 Jahre alte Norweger, der sogar zugab, deshalb vor den Spielen an Rücktritt gedacht zu haben. Hauptgrund für die desolaten Leistungen, so Madsen, sei vor allem die mangelnde Wettkampfhärte seiner Athleten. So haben nur neun deutsche Schwimmer bei der Europameisterschaft Ende März in Eindhoven teilgenommen, bei der über die kurzen Distanzen ebenfalls schon vier Weltrekorde aufgestellt wurden.

Einer von ihnen war Paul Biedermann, der als Fünftschnellster das olympische Finale über 200 Meter Freistil erreicht hat. "Man muss sich immer mit den Besten messen", sagt er. Und er habe auch keine Angst, gegen Michael Phelps zu schwimmen. Ihm mache das sogar richtig Spaß. Paul Biedermann scheint der einzige in der deutschen Mannschaft zu sein, der richtig gute Laune hat.

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