Deutsche Seite sucht schnelle Lösung
Botschaft verhandelt über Nordkoreaner

Die deutschen Diplomaten suchen eine Lösung für die 15 Flüchtlinge, die sich in die deutsche Botschaft in Peking geflüchtet hatten.

dpa PEKING. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hofft auf eine für alle Seiten positive Lösung des Flüchtlingsdramas in der deutschen Botschaftsschule in Peking. Das Auswärtige Amt arbeite "intensiv" an einer Regelung für die 15 Nordkoreaner, sagte Schröder am Mittwoch vor Journalisten in Berlin.

Das weitere Schicksal der 15 Nordkoreaner, die am Dienstag Zuflucht in der deutschen Botschaftsschule in Peking gesucht haben, ist noch unklar. Die deutsche Botschaft stand am Mittwoch in Kontakt mit den chinesischen Behörden und suchte eine angemessene Regelung. Die Männer und Frauen verbrachten die Nacht in der Schule, die vorläufig geschlossen wurde.

Bei früheren Botschaftsfluchten hatten die chinesischen Behörden den Nordkoreanern oft erst nach längerem Tauziehen erlaubt, das Land zu verlassen. Bereits im April war ein Nordkoreaner in die deutsche Botschaft geflüchtet. Diplomaten konnten schon nach zwei Tagen seine Ausreise über die Philippinen nach Südkorea erwirken.

Bei der neuen Aktion am Dienstagnachmittag waren die Nordkoreaner über eine zwei Meter hohe Mauer auf das Botschaftsgelände geklettert, auf dem ein Wohnhaus mit deutschen Diplomatenwohnungen sowie die Botschaftsschule untergebracht sind. Die Polizei sicherte das Gelände ab. China erkennt die Nordkoreaner, die vor Hunger und Verfolgung ihr Land verlassen, nicht als Flüchtlinge an. Bei einer Ergreifung werden sie nach Nordkorea abgeschoben, wo ihnen Folter und Haft drohen.

Nach Informationen des deutschen Nordkorea-Aktivisten Norbert Vollertsen, der in Kontakt zu Fluchthelfern steht, hat die Gruppe vor der Aktion zwei Tage ohne Geld und Essen auf der Straße in Peking verbracht. Eigentlich hätten sie sich mit elf anderen Nordkoreanern treffen wollen, die aber am Samstag in der nordostchinesischen Stadt Changchun mit dem bekannten südkoreanischen Fluchthelfer Kim Hee Tae festgenommen worden waren.

So seien die Männer und Frauen zunächst ohne Unterstützung gewesen. Erst in letzter Minute habe ihnen geholfen werden können. Das deutsche Botschaftsgelände mit der Schule und den Appartments sei bereits im März als mögliches Fluchtziel ausgewählt worden, als 25 Nordkoreaner in die spanische Botschaft geflüchtet waren, berichtete Vollertsen. Mit der Aktion hatte die anhaltende Welle der Botschaftsfluchten begonnen.

Der deutsche Arzt Vollertsen, der selbst bis zu seiner Ausweisung eineinhalb Jahre in Nordkorea tätig war, hatte damals auch berichtet, Flüchtlinge seien ermutig worden, deutsche Einrichtungen zu wählen. Er erinnerte an die besondere geschichtliche Verantwortung Deutschlands und die Flucht der DDR-Bürger 1989 in die deutsche Botschaft in Prag, die das Ende des DDR-Regimes einläutete. Nach seinen Angaben sollen noch mehr Botschaftsfluchten folgen.

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