Deutsche setzen auf die Lebensversicherung
Pensionsfonds gewinnen an Bedeutung

Immer mehr Europäer betrachten Pensionsfonds als wichtigste Sparform. Deutschland ist in der Entwicklung staatlicher geförderter Sparformen eher Nachzügler, wenn man von der normalen Lebensversicherung absieht. Experten warnen auch, der Fördereffekt von Steueranreizen werde überschätzt.

wjse/HB LONDON. Langsam aber sicher freunden sich die Europäer mit privaten Rentenplänen für ihre Altersvorsorge an. Die Deutschen sind hierbei aber etwas langsamer. Dies ist das Ergebnis des Investment Barometers, das das Forschungsunternehmen GfK Worldwide halbjährlich im Auftrag des Wall Street Journal erstellt.

Unter knapp 10 000 Befragten in zwölf europäischen Ländern stieg der Anteil der Privatanleger, die einen Pensionsplan als bevorzugtes Anlageinstrument nennen, gegenüber dem Vorjahr von 15 auf 20 %. Besonders deutlich ist der Trend zum Pensions-Plan in Großbritannien, Schweden und Österreich. In Großbritannien geben 47 % der Befragten an, ein Renten-Sparprogramm zu besitzen; 23 % nennen diese als wichtigste Sparform. In Deutschland und Frankreich dagegen ist der Trend zum Rentensparen noch nicht erkennbar. Gerade einmal 2 % der Befragten geben an, eine solche Rente zu haben. Doch auch europaweit sind Pensionspläne noch lange nicht das Zukunftsvorsorgeinstrument Nummer Eins: Auf die Frage, wie sie eine Summe von 50 000 Euros anlegen würden, nannten die meisten Europäer als erstes Aktien und Aktienfonds, Anleihen oder kurzfristige Anlagen.

Die nur langsam wachsende Akzeptanz der privaten Altersvorsorge müsste die Regierungen europaweit alarmieren. Längst ist klar, dass europaweit die staatlichen Rentensysteme keine ausreichende Altersvorsorge mehr bieten. Nach Einschätzung der Beratung Oliver, Wyman & Co. müssten zum Beispiel die Briten jährlich 1 400 Pfund pro Haushalt mehr als jetzt sparen, um ihre Altersvorsorge abzusichern. Das ergibt allein für Großbritannien rechnerisch ein Spar-Defizit von 27 Mrd. Pfund.

Doch trotz steuerlicher Anreize wächst das Interesse an Pensions-Programmen nur langsam. In Deutschland wird die Riester-Rente nach wenigen Monaten als Flop bezeichnet, auch wenn andere vor einem vorschnellen Urteil warnen, da die Anleger bis Jahresende Zeit haben, einen derartigen Vertrag abzuschließen. Auch in Großbritannien enttäuschte die vergleichbare "Stakeholder Pension" ihre Initiatoren bei der Regierung in London. Trotz steuerlicher Vergünstigungen für Anleger mit einem Jahreseinkommen bis 30 000 Pfund wird diese Rente gerade von dieser Zielgruppe nur enttäuschend genutzt. Insgesamt aber ist das Interesse der Briten an privater Altersvorsorge gestiegen. Hier sind Renten-Programme laut GfK-Umfrage inzwischen die "favorisierte" Sparform und haben Bareinlagen, Aktien und Aktienfonds überholt. 23 % der befragten Briten nannten Pensions-Pläne als ihre wichtigste Sparform. Noch vor sechs Monaten lag diese Quote erst bei 14 %.

Steueranreize bewirken keine Wunder

Um das Interesse an privater Altersvorsorge zu wecken, werden weitere Steueranreize keine Wunder wirken, schätzt David Lindeman, Altersvorsorge-Experte der OECD: "In Ländern mit hohen Haushaltsersparnissen sind neue Vorsorgemaßnahmen in der Regel nur Ersatz für andere Sparformen." Weitere Steuererleichterungen werden demnach verpuffen. "Man kann Sparen nur bis zu einem gewissen Punkt fördern", meint Lindeman. Dies zeigt umgekehrt auch das Beispiel Österreich: Hier gewinnt die Altersvorsorge durch Pensions-Sparprogramme an Bedeutung, obwohl die Steueranreize sogar zurückgefahren wurden: Seit dem letztem Jahr kann nicht mehr die Hälfte, sondern nur noch ein Viertel des angelegten Kapitals abgesetzt werden. Trotzdem stieg der Anteil der Österreicher, die diese Form der Altersvorsorge präferieren, von 19 auf 23 %.

Spürbar beliebter werden Pensions-Programme auch in Schweden. Hier flossen im ersten Quartal 2002 rund 837 Mill. Kronen in Pensions-Sparfonds. Dies sind 6,1 % mehr als im Vorjahreszeitraum. In diesem Fall ist das gestiegene Interesse - anders als in Österreich - auf Steueranreize zurück zu führen.

In Deutschland bleibt das Lieblings-Vorsorgeinstrument die Lebensversicherung. 45 % der im GfK-Barometer befragten Deutschen gaben an, eine Lebensversicherung zu besitzen, deutlich über dem europäischen Durchschnitt (28 %).

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