Deutsche Skijäger haben sich in die Wälder Kanadas zurückgezogen: Biathleten testen Schnee und tanken Nervenkraft

Deutsche Skijäger haben sich in die Wälder Kanadas zurückgezogen
Biathleten testen Schnee und tanken Nervenkraft

Trainingsquartiere in den Rocky Mountains sind begehrt wie nie. Fast alle für die Olympischen Winterspiele qualifizierten Skispringer und-läufer sowie Biathleten holen sich in Höhenlagen von knapp 2000 Meter ihren letzten Schliff.

dpa SALT LAKE CITY. In Steamboat Springs haben sich Kombinierer und Spezialspringer aus aller Herren Länder eingemietet. So viele, dass Bundestrainer Reinhard Heß kurzfristig absagte. Im Yellowstone-Nationalpark treten sich Langläufer und Biathleten aus zahlreichen Nationen gegenseitig auf die Ski-Enden. In den Olympia-Loipen in Soldier Hollow wird der Betrieb auch von Tag zu Tag größer. Dagegen können die deutschen Skijäger im kanadischen Silver Star völlig ungestört trainieren. "Die Mannschaft hat ideale Bedingungen. Das Wetter ist prima. Wir sind das einzige Biathlon-Team am Ort. Mit uns bereiten sich nur noch die schwedischen Langläufer um Weltmeister Per Elofsson auf Olympia vor", berichtete Norbert Baier, der technische Leiter Biathlon im Deutschen Skiverband (DSV).

Neben dem normalen Training testen die Biathleten auch den extrem trockenen Schnee. Vor vier Jahren in Nagano liefen die deutschen Männer auf beiden Einzelstrecken deutlich an den Podestplätzen vorbei, weil die Ski nicht optimal für die Schnee-Bedingungen präpariert waren. "Unsere Techniker haben bereits im Vorjahr ganz intensiv gearbeitet. So etwas darf uns nicht wieder passieren", fordert Bundestrainer Frank Ullrich. Der Schnee unterscheidet sich vor allem in der Feuchtigkeit von der in Europa gewohnten Konsistenz. "Wenn du einen Schneeball machen willst, geht das kaum", beschreibt Henry Glaß den "Puder-Schnee". Auch deshalb testete der Co-Trainer von Springer-Chef Reinhard Heß bereits im Dezember Sprungski mit veränderten Laufsohlen und Schliffen auf der Olympia- Schanze. "Darauf müssen sich die Ski-Techniker einstellen. Da ist Können gefragt - und man muss auch ein glückliches Händchen haben", sagt Glaß.

Während die Höhe bei den Skispringern kaum Auswirkungen haben dürfte, werden alle Ausdauer-Athleten einer zusätzlichen Belastungsprobe unterzogen. "Wenn man sich rechtzeitig auf die Höhenlage einstellt, sollte sie kein so großes Problem sein.

Schwieriger wird die Erholungsphase zwischen den Rennen", betont Frank Ullrich. Auch deshalb haben fast alle Teams in den vergangenen Monaten den Anteil des Höhentrainings erweitert und damit die Grundlagen für eine ordentliche Olympia-Form gelegt.

"Wer jetzt noch etwas draufpacken will, liegt verkehrt. In der direkten Vorbereitung kann es wirklich nur noch um den Feinschliff gehen. Die Form muss vorher stimmen. Man kann sie nur noch halten", meint der zweimalige Staffel-Olympiasieger Sven Fischer. Der Oberhofer ist ein Athlet, der gerade bei der Höhenanpassung immer wieder Probleme hat. Deshalb ist er bereits einige Tage früher als das restliche Team nach Kanada geflogen.

Neben der physischen Komponente spielen in der unmittelbaren Vorbereitung auch die Gesundheits-Vorsorge und das "Nerven-Training" eine große Rolle. "Um den Kopf frei zu bekommen, ist es wichtig, dass man vor großen Wettkämpfen seine Ruhe hat, nicht durch andere Termine abgelenkt wird. In der Ruhe kann man die nötige innere Kraft tanken, sich vom Kopf her auf Olympia einstellen und im Training die mentale Sicherheit fürs Schießen holen", beschreibt Routinier Frank Luck den Wert der Einöde von Silver Star.

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