Deutsche Small- und Midcaps: Viel Masse, wenig Klasse: Nebenwertefonds setzen auf das Ausland

Deutsche Small- und Midcaps: Viel Masse, wenig Klasse
Nebenwertefonds setzen auf das Ausland

Schleppende Konjunktur, hohe Arbeitslosigkeit - an der deutschen Börse sinkt die Stimmung langsam, aber stetig auf den Nullpunkt. Immer mehr Fondsmanager halten deshalb an Nachbarbörsen Ausschau nach lukrativen Kandidaten. Bei Nebenwerten werden sie dabei vor allem in Frankreich und Griechenland fündig.

FRANKFURT/M. Schlusslicht in Europa, das ist nicht nur Deutschlands Wirtschaft, auch die deutschen Nebenwerte stehen im Börsenvergleich seit geraumer Zeit ganz hinten. Bereits seit über zwei Jahren entwickeln sich hiesige Small- und Midcaps schlechter als in allen anderen europäischen Finanzmärkten. Kein Wunder also, dass selbst deutsche Fondsmanager mit Spezialgebiet europäische Nebenwerte lieber ihren Blick ins Ausland richten als auf den deutschen Kurszettel. Deutsche Titel nehmen in ihren Depots nur noch einen Mittelplatz ein. Ganz weit oben in der Gunst der Anlageprofis rangieren dagegen im Moment französische Vertreter.

Der Grund dafür ist einfach: Frankreich ist neben Deutschland die größte Volkswirtschaft im Euro-Raum und aufgrund der räumlichen Nähe schaffen es deutschen Fondsmanager, sich verhältnismäßig schnell zuverlässige Informationen zu beschaffen. Das spielt insofern eine Rolle, da es zu vielen ausländischen Nebenwerten hier zu Lande wenig aussagekräftiges Material gibt. Eine Reise vor Ort ist daher oft die einzige Möglichkeit, diesen Nachteil auszugleichen.

Das gehört bei den beiden hier zu Lande bekanntesten Namen im Nebenwertebereich, den Fondsgesellschaften Invesco und Lupus Alpha zum Tagesgeschäft. Beide haben sich auf so genanntes Stockpicking spezialisiert, also die gezielte Suche nach chancenreichen Einzelwerten. Die gegenwärtig schlechte Börsensituation hindert die Fondsmanager beider Häuser nicht an ihrem Ansatz. "Die Psychologie spielt im Moment die Hauptrolle, Fundamentaldaten treten fast schon in den Hintergrund" sagt Jochen Mathée von Invesco.

Dabei bringt es für die Geldverwalter auch nichts, wegen der ständig bröckelnden Kurse viel Kasse zu halten. "Wir sind voll investiert. Alles andere wäre gefährlich, da wir bei einem plötzlichen Aufschwung erst zukaufen müssten", beschreibt Josef Schopf das Dilemma, in dem er steckt. Er wählt bei seinen Anlageentscheidungen einen zweigleisigen Ansatz. Zum einen sucht er nach Titeln mit hoher Dividendenrendite - als "sicherer Hafen", wie er es nennt. Zum anderen pickt er sich europaweit gesunde Werte heraus, die unterbewertet sind. Das französische Meinungsforschungsinstitut Ipsos ist seiner Meinung nach so ein Wert. Einen Gewinn von 3,14 Euro je Aktie für 2003 erwarten im Schnitt die insgesamt 18 Analysten, die den Wert beobachten - eine Steigerung von über 22 % gegenüber dem Vorjahr.

Jochen Mathée bevorzugt auf dem französischen Markt Neopost SA, den europäischen Marktführer für Frankiermaschinen. Das Unternehmen zeichnet sich durch einen in den letzten Jahren stetig steigenden Gewinn aus. 2,70 Euro je Aktie sollen es nach den Durchschnittsschätzungen 2003 sein - auch hier ein Plus von über 20 % gegenüber 2002.

Neben den französischen Werten setzen Fondsmanager derzeit auf Aktien aus den Niederlanden, Portugal und Skandinavien. In Europas Norden bevorzugt Mathée Getinge "B", einen schwedischen Gesundheitsdienstleister, der bei Experten als wenig konjunkturresistent und deshalb kursstabil gilt. Schopf dagegen hat es der finnische Papiermaschinen-Hersteller Metso angetan. Der litt 2001 unter der gesunkenen Nachfrage nach Papiererzeugnissen. Inzwischen stehen die Zeichen aber wieder auf Wachstum.

Im Fokus steht bei Mathée und Schopf seit neuestem auch Griechenland, das im vergangenen Jahr zu den Top-Verlierern in Europa zählte. "Griechenland ist in der Gewichtung von MSCI nach oben gerutscht" begründet Jochen Mathée sein Umdenken. Der Favorit von Josef Schopf am Peloponnes heißt Folli Follie, eine Juwelierkette mit erschwinglichen Preisen. Bei ihr rechnen die Analysten im laufenden Jahr mit einer Gewinnsteigerung je Aktie im Schnitt um 35 % auf 0,99 Euro.

Trotz gegenwärtiger Underperformance rät Mathée aber auch, die deutschen Nebenwerte nicht völlig aus den Augen zu verlieren. Schließlich resultiere das schlechte internationale Abschneiden im Moment eher aus den Problemen, die aus der schleppenden Konjunkturentwicklung und der hohen Arbeitslosigkeit resultieren. Mathée wie auch Schopf bevorzugen die Puma-Aktie - aber das ist im Moment wahrlich kein Geheimtipp mehr.

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