Deutsche Standardwerte drehen mittags ins Plus
T-Aktie und Versicherungswerte sorgen für Erholung im Dax

Die Enttäuschung der Marktteilnehmer über die nur moderate Zinssenkung der US-Notenbank währte nur kurz. Auch wenn einige Investoren sich einen größeren Schritt um 50 Basispunkte erhofft hatten, war die Lockerung um 25 Basispunkte im Grunde genommen erwartet worden.

FRANKFURT/M. Bedeutet sie doch, dass die US-Währungshüter die Lage der US-Wirtschaft gar nicht so negativ beurteilen, sich aber möglichen weiteren Zinssenkungen nicht verschließen. Damit bleiben die Zinsphantasien weiterhin als Stütze im Markt.

Zum Handelsauftakt stand der Deutsche Aktienindex (Dax) noch im Minus. Grund waren vor allem die hohen Abschläge bei den zinssensiblen Technologiewerten um die Siemens-Familie. Zur Mittagszeit drehte das Börsenbarometer dann ins Plus. Angeführt wurde die Erholung durch größere Kursaufschläge bei der Deutschen Telekom und den Versicherern Allianz und Münchener Rück. Im Zuge steigender Kurse auch an der Wall Street baute der Dax bis zum späten Nachmittag seine Gewinne um 1,46 % auf 5 918,12 Punkte aus.

"Wenn der Gesamtmarkt anzieht, decken sich die Anleger mit den Schwergewichten wie der Telekom ein, um dabei zu sein", bemerkte Alfred Kaiser vom Research bei Fritz Nols. Edgar Wilczek von Concord Effekten sah die Erholung des Dax unter charttechnischen Gesichtspunkten. "Der Markt ist auf einige Unterstützungslinien getroffen. Diese haben gehalten und uns nach oben geholfen", erklärte er. Mit Blick auf die Fed-Zinsentscheidung sagte Wilczek, bislang hätten Zinssenkungen immer erst verdaut werden müssen, ehe sie sich in einer positiven Marktentwicklung niedergeschlagen hätten. "Deshalb werden die US-Kurse auch erst heute richtig reagieren", fügte er hinzu.

Nach vielen schlechten Nachrichten von Chemie bis Hightech müsse es schließlich wieder mal einen positiven Handelstag geben, äußerte sich ein weiterer Händler. "Wenn der Dax mit einem Stand über der Marke von 5 800 Punkten diese Woche beschließt, können wir ganz zufrieden sein", ergänzte er.

Unter den Einzelwerten setzten sich die Aktien der Deutschen Telekom mit einem Plus von mehr als 6 % an die Spitze der Kursgewinner. Händlern zufolge nehmen Bedenken über einen massiven Aktienrückfluss aus den USA nach der Voicestream-Übernahme ab. Nachrichten, dass Spaniens größte Bank BSCH ihren Anteil an dem britischen Telekomkonzern Vodafone nicht verkaufen will, wurden im Handel dahingehend gedeutet, dass Telekom-Aktionäre zunächst ebenfalls an ihren Titeln festhalten würden. Auch von Umschichtungen aus anderen europäischen Telekomwerten in die T-Aktie war die Rede.

Die Aufschläge bei Allianz und Münchener Rück wurden mit positiven Geschäftszahlen des Mitbewerbers Zurich Group begründet. Dieser hatte mitgeteilt, vor allem im Nordamerika-Geschäft Zuwächse verbucht zu haben. Dort seien auch die beiden deutschen Versicherungen engagiert, erklärten Händler. Zur Allianz hatten sich auch die Analysten von Morgan Stanley geäußert. Sie sehen in den kommenden zwei Jahren bis zu 30 % Gewinnwachstum durch die Fusion mit der Dresdner Bank und erhöhten das Allianz-Kursziel. Auch Bayer konnten sich nach den Abschlägen der vergangenen Tage erholen.

Auf der Verliererseite reduzierten die Techwerte mit US-Kursgewinnen im Rücken ihre Verluste. Siemens und Infineon drehten sogar ins Plus. Deutsche Bank spürten dagegen die Nachwehen der schlechten Merrill-Lynch-Geschäftszahlen.

Der MDax verbesserte sich um 0,4 % auf 4 764,78 Punkte. Tagesgewinner waren lange Zeit Bewag, die von einer möglichen Kaufofferte der Großaktionäre für die 10 % im Streubesitz notierenden Aktien profitierten.

Quelle: Heike Herbertz
Petra Hoffknecht
Handelsblatt / Redakteurin
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