Deutsche Standardwerte etwas fester
SAP und Siemens-Familie ziehen Dax in den grünen Bereich

Kaum verzeichnen die US-Technologiewerte wieder Aufschläge, schlägt auch die Stimmung im Dax ins Positive um. Die deutschen Standardwerte profitierten von ihren Zugpferden, allen voran SAP und die Siemens-Familie. Die T-Aktie setzte ihre Talfahrt fort. Auch Karstadt verloren.

FRANKFURT/M. Mit manchen Aktienkursen verhält es sich wie beim Bungee-Jumping. Stürzen sie schnell in die Tiefe, rechnen Marktbeobachter in Kürze mit einer technischen Gegenreaktion. Anleger der Deutschen Telekom haben auf solch eine Gegenbewegung gestern lange vergeblich gewartet. Die T-Aktie fiel zunächst weiter, doch als sich das Bungee-Seil zu spannen schien, reichte es für einen kleiner Hopser ins Plus. Zum Handelsschluss lag das Papier mit einem Kurs von 28,45 aber wieder 1 % im Minus.

Das könnte auch daran liegen, dass die Stimmung für Telekommunikationstitel seit dem schwachen Start von Orange, der Mobilfunktochter der France Télécom, stark angeschlagen ist. Auch den hohen Kosten für den Mobilfunkstandard UMTS stehen die Anleger zunehmend skeptischer gegenüber. Zudem sei die T-Aktie durch wichtigen charttechnischen Unterstützungslinien gefallen, bemerkten Frankfurter Händler. Vereinzelt kursieren schon Kursziele von 15 oder gar 10 für das Papier, das noch vor einem Jahr für mehr als 100 den Besitzer wechselte. Viele Teilnehmer halten einen derartigen Absturz dann aber für derzeit doch eher unwahrscheinlich. Alfred Kaiser vom Research bei Fritz Nols glaubt, dass die Telekom bei einem Niveau um 27,50 - das entsprach dem Tagestief - möglicherweise zu einer Gegenbewegung ansetzt.

Zur Begründung für die aktuellen Abschläge verwiesen Marktbeobachter auf die schlechten Unternehmenszahlen des US-Unternehmens Voicestream, das die Telekom übernehmen will. "Damit binden sich die Bonner vielleicht ein weiteres Problem ans Bein", so ein Händler.

Die Talfahrt der Telekom konnte dem Deutschen Aktienindex (Dax) dank der Technologietitel jedoch nicht allzuviel anhaben: er stieg bis zum Handelsschluss um 1,3 % auf 6 563,06 Punkte. Weit vorn auf der Gewinnerliste standen die High-Tech-Aktien, allen voran SAP, die satte 9,6 % zulegten. Ihnen folgten die Papiere der Siemens-Familie, denen der Stimmungsumschwung an der US-Technologiebörse Nasdaq zu gute kam. Infineon beispielsweise wiesen ein Plus von 7,0 % aus. "An diesem Donnerstag muss man nur Tech heißen, um auf starkes Käuferinteresse zu stoßen", witzelte ein Händler. Die Nasdaq hatte sich bereits im Vortagshandel schon wieder in die Pluszone vorgearbeitet und konnte gestern ihre Gewinne ausbauen. Der Dow-Jones-Index notierte ebenfalls im grünen Bereich.

Auch Adidas machten Boden gut, nachdem der Arbeitskreis Indizes der Deutschen Börse entschieden hat, dass der Sportartikelhersteller seinen Dax-Platz behalten darf. Obwohl Karstadt Mitte März der Deutschen Post weichen muss, legte das Papier ebenfalls kräftig zu.

Dass sich die "Aktie gelb" trotz ihres bevorstehenden Dax-Aufstiegs kaum bewegte, führten Händler auf zwei Faktoren zurück. Zum einen sei die Entscheidung der Börse für die Post erwartet worden. Zum zweiten passten Indexfonds, die den Dax nachbilden und daher nun als Käufer auftreten dürften, ihre Zusammensetzung erst am Tag der Umstellung an.

Größter Gewinner im MDax-Segment für die mittelgroßen Werte waren Bilfinger+Berger, die schon seit einigen Tagen gut laufen. Der Pharma- und Chemiekonzern Merck konnte von der Vorlage von Geschäftszahlen profitieren. Das Schlusslicht bildeten Tecis.

An den Regionalbörsen ließ sich zur Kasse keine klare Tendenz feststellen. Die Kurse in Bremen, Hamburg, Berlin, Stuttgart, Düsseldorf und München zeigten sich uneinheitlich. Erneut leichter präsentierten sich die Regionalwerte in Hannover.

Quelle: Heike Herbertz
Petra Hoffknecht
Handelsblatt / Redakteurin
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