Deutsche Start-Ups
Chance 2.0

Der Schock war groß, als 2001 die Internet-Blase platzte – und mit ihr die Träume von unzähligen ambitionierten Unternehmensgründern und Anlegern. Doch inzwischen hat die Internet-Branche einen neuen Anlauf genommen.

Kaum einer weiß noch, wie es früher war: Ohne Email. Ohne Surfen. Ohne Chatten. Dabei gibt es das World Wide Web für alle erst seit Mitte der 90er Jahre. Damals entdecken Computernutzer die virtuelle Kommunikation, und Unternehmen beginnen, digitale Netzwerke für ihre Geschäfte zu nutzen. AOL, Yahoo, Ebay und Amazon poppen auf den PC-Bildschirmen auf, die ersten Communities entstehen. Und Studien prophezeien der Branche eine Umsatzexplosion.

Auch in Deutschland greift der Internethype um sich, selbst kleine Player rüsten sich für eine große Zukunft: Noch im Jahr 2000 startet das Portal snacker.de, das die Angebote von Lieferdiensten auf einer Internetseite bündeln will. Das „Webradio“ schickt sich an, rund um die Uhr Radio per Internet zu senden und plant auch gleich den Börsengang – ebenso wie letsbuyit.com, eine niederländische Shoppingplattform, die auch in Deutschland mit Mengenrabatten wirbt.

Alle drei Konzepte: Rohrkrepierer. Wie etliche andere auch. „Die Erwartungen an die Internet-Unternehmen waren extrem hoch, aber die Technik war noch nicht so weit“, sagt Alexander Hüsing. Der Chefredakteur von www.deutsche-startups.de beobachtet die Branche seit Jahren. Breitband sei noch zum Jahrtausendwechsel viel zu teuer gewesen, kaum ein Nutzer hatte eine schnelle Internetverbindung. „Die Gründer haben mit einer schnellen Verbreitung des Webs gerechnet. Das hat aber länger gedauert als erwartet“, so Hüsing. Viele Gründerideen seien damals „noch nicht marktreif“ gewesen, weil es noch nicht ausreichend Interessenten für die Angebote gab. Und viele Gründer, oft junge Leute, hätten in ihrer Euphorie die geliehenen Millionen mit Marketing verbrannt, anstatt in Inhalte zu investieren.

So kam es, wie es kommen musste: Schon Ende 2000 platzt die virtuelle Blase, Investoren ziehen ihr Geld ab, es hagelt Insolvenzen. Seit der Jahrtausendwende hätten allein in den USA über 550 Dotcom-Firmen die Flinte ins Korn geworden, berichtet der Branchendienst heise online im Juni 2001. In Deutschland meldet der Telekommunikationsdienstleister Gigabell als erstes Unternehmen, das am Neuen Markt notiert ist, Insolvenz an. Die Internetfirma Surf1 gibt im Herbst 2000 ebenso auf wie die Kölner Portal AG, Anbieterin von Internetportalen. Der Hamburger Internet-Tickethändler gaudia.com erklärt sich im September desselben Jahres für zahlungsunfähig. Wie viele Pleiten es in Deutschland insgesamt gab, darüber haben selbst Brancheninsider keinen Überblick.

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