Deutsche Telekom
Analyse: Rickes Mühen der Ebene

"Ein Politiker hat 100 Tage Zeit, um sich zu profilieren. So lange werde ich nicht brauchen", versprach Kai-Uwe Ricke bei seinem Amtsantritt als Telekom-Chef Mitte November.

Jetzt sind 100 Tage um - und seinen Vorsatz hat Ricke nicht gehalten. Keine Frage, der neue Mann an der Spitze des größten Telekom-Konzerns Europas hat seitdem einiges bewegt. Aber profilieren konnte sich Ricke bislang nicht.

In seinen ersten drei Monaten als Nach-Nachfolger des begnadeten PR-Profis Ron Sommer hat sich Ricke damit zufrieden gegeben, den von Interimschef Helmut Sihler erdachten Sanierungsplan auszuführen. Eine neue Vision, eine Zukunftsstrategie? Darauf müssen Investoren und Gläubiger bis heute vergeblich warten.

Statt dessen beschwört Ricke immer wieder die einfache Formel: 6 + 6 = 12. Soll heißen: Um mindestens zwölf Milliarden Euro will er bis Ende des Jahres den Schuldenberg des Konzerns reduzieren. Sechs Milliarden soll der Verkauf von Unternehmensteilen bringen, sechs Milliarden will er - irgendwie - aus dem operativen Geschäft quetschen.

Zugegeben: Allein schon der Schuldenabbau ist eine Herkulesaufgabe - und überlebenswichtig für die Telekom. Und keine Frage: In seinen ersten 100 Tagen hat Ricke weit größere Fortschritte in Sachen Sanierung gemacht als Sommer in zwei Jahren. Das unterscheidet Ricke von Sommer: Der gute Wille ist da. Fast die Hälfte des Weges zu den zwölf Milliarden hat Ricke schon heute zurückgelegt. Und das trotz einiger Rückschläge, wie zuletzt beim Verkauf der TV-Kabel, der weniger einspülte als gedacht. Aber es ist einfach nicht die Zeit, um gute Preise zu machen.

Erstaunlicherweise schienen das sogar die Börsianer zu verstehen: Mit jeder Million, die in die Telekom-Kasse floss, erholte sich der Aktienkurs. Kurzfristig lag die T-Aktie sogar wieder über 14,32 Euro, dem Aktienkurs bei der Erstausgabe im Jahre 1996. Und im Unternehmen selbst herrscht nach sieben Jahren Sommer-Kommando endlich ein entspannteres Klima. Das hört man immer wieder von engen Mitarbeitern: "Der Kai, der kann zuhören!"

Aber nett allein genügt nicht. Noch drückt sich Ricke vor den wirklich schmerzlichen Entscheidungen. Beispiel T-Systems: Wann ringt er sich endlich zu einem Teilabriss des IT-Dienstleisters durch? Heute ist die Sparte zum Sterben zu groß, zum Leben zu klein. Eine Expansion kommt mangels Bargeld nicht in Frage - Partnerschaften in einzelnen Ländern, die Ricke derzeit propagiert, vertagen nur den Tag der Entscheidung. Früher oder später wird Ricke nicht darum herumkommen, die Konsequenzen aus der Einsicht zu ziehen, bei IT-Services nie ein Global Player werden zu können.

Beispiel T-Com: Die Cash-Cow des Konzerns steht derzeit vor einer ähnlichen Herausforderung wie 1998, als bei Ferngesprächen der Wettbewerb begann und Billig-Konkurrenten dem verwöhnten Monopolisten die Margen kaputtmachten. Jetzt kommt die Konkurrenz im Ortsnetz. Der Telekom droht der gleiche Fehler wie vor fünf Jahren - sollte sie versuchen, die Kampfpreise ihrer Konkurrenten zu unterbieten. Was Ricke braucht, sind kreative Programme, um die Festnetz-Kunden dauerhaft an sein Unternehmen zu binden. Wahrlich keine leichte Aufgabe.

"Ich bin einer, der lernfähig ist und zuhören kann", sagt Ricke über Ricke. Das Versprechen kann er auf jeden Fall noch erfüllen.

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