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Deutsche Telekom in Schweiz ohne UMTS-Geschäft

Nach dem Rückzug der Tochter T-Mobile als Bieter bei der Auktion der UMTS-Lizenzen gelang der Telekom am Wochenende auch die nach Angaben aus Branchenkreisen geplante Übernahme des Mobilfunk- und Festnetzanbieters diAx nicht.

rtr FRANKFURT. Der Deutschen Telekom ist der Einstieg in das zukunftsträchtige UMTS-Mobilfunkgeschäft in der Schweiz zunächst misslungen. Nach dem Rückzug der Tochter T-Mobile als Bieter bei der Auktion der UMTS-Lizenzen gelang der Telekom am Wochenende auch die nach Angaben aus Branchenkreisen geplante Übernahme des Mobilfunk- und Festnetzanbieters diAx nicht. diAx soll nun vielmehr mit dem Telekom-Anbieter Sunrise fusionieren - und da dadurch im Prinzip nur vier Bieter für die UMTS-Lizenzen in der Schweiz übrig blieben, verschoben die Behörden am Montag kurzerhand die ganze Auktion. Der Telekom-Konzern hat nach Meinung von Analysten nun nur noch beschränkte Möglichkeiten, an dem als lukrativ eingeschätzten UMTS-Geschäft in der Schweiz teilhaben zu können.

Die Deutsche Telekom sieht die Schweiz neben Deutschland und Österreich als Kerngeschäftsraum an und hatte nach Angaben aus Branchenkreisen bis Ende vergangener Woche mit dem Anbieter diAx über einen Einstieg verhandelt. In den seit Wochen mit Nachdruck geführten Gesprächen sei es - wie von der Telekom favorisiert - um die Übernahme der Mehrheit gegangen. Über die Gründe für das Scheitern der Gespräche wurde zunächst nichts bekannt.

Statt mit der Deutschen Telekom einigte sich diAx einer Mitteilung vom Montag zufolge mit Tele Danmark über eine Zusammenlegung mit dem schweizerischen Konkurrenten Sunrise, an dem der dänische Telekom-Konzern künftig 89 % halten will. Der Anteil von Tele Danmark an diAX soll künftig 70 % betragen. Unklar blieb zunächst, von wem Tele Danmark die diAx-Gesellschaftsanteile erwirbt. Neben Elektrizitätswerken halten die Versicherer Swiss Re und Winterthur Anteile an der diAx-Holding, die 60 % an der operativen diAx besitzt. Die restlichen 40 % des operativen Geschäfts hält der US-Telekomkonzern SBC Communications Inc, der wiederum 42 % an Tele Danmark besitzt.

Die Telekom hatte wegen ihrer Expansionsbemühungen in der Schweiz zunächst auch Sondierungsgespräche mit dem ehemaligen Monopolisten Swisscom geführt, sich zuletzt aber auf diAX konzentriert, da bei der Swisscom-Mobilfunktochter nach Einschätzung von Branchenkennern keine Mehrheit zu erreichen gewesen war. Mit Swisscom einig wurde dagegen der britische Mobilfunkkonzern Vodafone, der 25 % der Anteile an der noch nicht börsennotierten Swisscom Mobile erwerben will. DiAx wäre für die Telekom interessant gewesen, da sie neben Swisscom der einzige Anbieter in der Schweiz ist, der neben dem Festnetz- auch ein GSM-Mobilfunk-Geschäft betreibt und eine UMTS-Lizenz erwerben wollte. Die Telekom ist dort bisher nur mit der Festnetzgesellschaft Multilink vertreten. Der Online-Markt in der Schweiz wiederum soll von der Telekom-Tochter T-Online mit einem eigenen Portal erobert werden.

Die Geschäftsstrategie der Deutschen Telekom zielt unter ab, in allen deutschsprachigen Ländern aufzutreten. In Österreich ist Bonner Konzern auf dem Wachstumsmarkt Mobilfunk mit der Tochter max.mobil aktiv. Die in der Schweiz bislang noch nicht auf dem Markt vertretene Mobilfunk-Tochter T-Mobile hatte sich am Freitag aus der dortigen UMTS-Auktion "definitiv" zurückgezogen, ohne einen Grund dafür zu nennen.

Durch die neue Allianz zwischen diAx und Sunrise kam die gesamte Auktion der UMTS-Lizenzen in der Schweiz ins Wanken, die ursprünglich am Montag beginnen sollte. Sunrise und diAx wollten beide eine UMTS-Lizenz ersteigern. Nach mehreren Absagen gab es damit durch das Fusionsvorhaben im Prinzip nur noch so viele Bieter wie auch Lizenzen angeboten waren, nämlich vier.

Für die Telekom dürften die weiteren UMTS-Konkurrenten Swisscom, die spanische Telefonica und die zu France Telecom gehörende britische Orange als Übernahmeobjekt nach Einschätzung von Analysten nicht in Frage kommen. Für einen späteren Einstieg in den Mobilfunk der nächsten Generation in der Schweiz bleibe der Telekom daher nur die Möglichkeit der Übernahme von Tele Danmark. Alternativ könne die Telekom auch als "virtueller Netzbetreiber" Mobilfunkdienstleistungen anbieten und vermarkten, hieß es bei Analysten.

Der schweizerische Markt sei zwar mit gut sieben Mill. Menschen klein, "aber wegen des hohen Durchschnittseinkommens sehr interessant", sagte Analyst Ralf Hallmann von der Bankgesellschaft Berlin. Wie die UMTS-Branche in Italien sei auch in der Schweiz der Markt noch nicht endgültig verteilt. Auf ein UMTS-Engagement in Italien hatte die Telekom zu Gunsten der geplanten Expansion in Frankreich verzichtet.

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