Deutsche Telekom
Sihler kündigt harten Sparkurs an

Nach dem Rücktritt des umstrittenen Telekom-Vorstandschefs Ron Sommer hat der hochverschuldete Konzern einen harten Sparkurs angekündigt. Der am Dienstagabend zu Sommers Interims-Nachfolger bestimmte Aufsichtsrat Helmut Sihler sagte, er werde einen radikalen Konsolidierungskurs kraftvoll vorantreiben.

Reuters BONN/ BERLIN. Der als Favorit der Bundesregierung für die Sommer-Nachfolge gehandelte Technik-Vorstand Gerd Tenzer wurde vom Aufsichtsrat als stellvertretender Vorstandschef ernannt. Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) sagte, er begrüße den Wechsel. Die Opposition sprach indes von einer Katastrophe für die Regierung. Der Kurs der Telekom-Aktien reagierte zeitweise mit deutlichen Gewinnen.

Sommer hatte vor der Berufung Sihlers seinen Rücktritt erklärt und dies damit begründet, dass der Aufsichtsrat nicht mehr uneingeschränkt hinter ihm stehe.

Sihler will sich um endgültige Vorstands-Lösung bemühen

Der 72-jährige Sihler sagte, er werde sich in seiner längstens sechs Monate dauernden Zeit an der Spitze des größten europäischen Telekom-Unternehmens um eine endgültige Lösung für die Vorstandsstruktur bemühen. Zu seinen zentralen Aufgaben gehöre, den Kurs der Konsolidierung bei der Telekom zu unterstützen, sagte der frühere Telekom-Aufsichtsratschef und Firmenchef des Chemiekonzerns Henkel. Die Alternativen für das Engagement in den USA sollten nun geprüft werden.

Sihler schloss nicht aus, dass sein Stellvertreter Gerd Tenzer nach Ablauf der Interimslösung Vorstandsvorsitzender des Konzerns werden könnte. Finanzminister Eichel sagte, Sihler sei keine Verlegenheitslösung, sondern eine, mit der eine langfristige Lösung vorbereitet werde.

Aufsichtsratschef Hans-Dietrich Winkhaus kündigte ebenfalls "einen sehr radikalen Konsolidierungskurs" der Telekom in den nächsten Monaten an. Er bestritt, dass politischer Druck zum Führungswechsel geführt habe.

Strafanzeige gegen Sihler

In Zusammenhang mit der angeblichen Fehlbewertung des Telekom-Immobilienbesitzes bei der erstmaligen Bilanzierung wurde nach Reuters vorliegenden Dokumenten gegen Sihler und die übrigen Aufsichtsratsmitglieder mindestens eine Strafanzeige erstattet. Den Managern wird vorgeworfen, spätestens seit 1998 von einer angeblichen Überbewertung des Immobilienbesitzes in der Eröffnungsbilanz der Telekom 1995 und den Folgebilanzen unterrichtet gewesen zu sein. Die Zeitung "Die Welt" zitierte einen Sprecher der Staatsanwaltschaft mit den Worten, das Ende des Verfahrens sei völlig offen. Eichel sagte, die Ermittlungen seien nach Auffassung von Wirtschaftsprüfern ohne Grundlage.

Sommer kam dem Aufsichtsrat zuvor

Sommer hatte erklärt, er habe um die Entbindung von seinem Posten gebeten. "Wenn der Aufsichtsrat in schwierigen Zeiten nicht mehr hinter dem Unternehmenschef steht, ist der Rücktritt die einzige Möglichkeit, noch Verantwortung für das Unternehmen zu zeigen und Schaden abzuwenden." Er wolle dazu beitragen, dass wieder Ruhe bei der Telekom einkehre. Sommer war seit Mai 1995 an der Telekom-Spitze. Zuletzt hatte er die Unterstützung der Bundesregierung verloren, die mit 43 Prozent des Kapitals größter Anteilseigner der Telekom ist. Von Analysten, Fondsmanagern und Kleinaktionären war Sommer wegen des abgestürzten Aktienkurses und der hohen Unternehmensverschuldung von rund 67 Milliarden Euro kritisiert worden.

Eichel: Abfindung für Sommer nicht vereinbart

Eichel sagte, eine Abfindung für Sommer sei nicht vereinbart worden. Allerdings werde Sommers Vertrag voll erfüllt. Da der Vertrag bis Mitte Mai 2005 gilt, stehen Sommer damit Zahlungen vermutlich in Millionenhöhe zu. Eichel sagte weiter, der Wechsel in der Führung sei wegen des dramatischen Kursverfalls der Aktie und des verschlechterten Schuldenratings der Telekom nötig geworden. Zunächst werde nun die Konsolidierung der Telekom, die neue Konzepte benötige, im Vordergrund stehen.

Bei der Opposition hieß es, durch den Umgang mit der Krise sei Schaden entstanden, für den die Bundesregierung verantwortlich sei. Der CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer sagte, ein Weltunternehmen sei kaputt geredet worden. FDP-Chef Guido Westerwelle erklärte, die Bundesregierung sei für das größte Desaster der deutschen Wirtschaftsgeschichte verantwortlich. Eichel wies dies zurück. Es seien die selben Leute, die zunächst ein Eingreifen gefordert hätten und nun sich nun für ein Heraushalten aussprechen würden. Eichel bestritt, dass die Anregung zur Ablösung Sommers vom Bund kam."Das wollte nicht ich, sondern dass kam aus der Mitte des Aufsichtsrates. Dort lag auch die Initiative", sagte Eichel in der ARD. Allerdings habe sich der Bund dieser Initiative dann angeschlossen. Sie sei auch nicht von seinem Staatssekretär Manfred Overhaus ausgegangen.

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