Deutsche Telekom, Vodafone und KPN sind die Favoriten der Analysten
Telekom-Werte haben das Ärgste hinter sich

Die wirtschaftliche Lage bei Telekom - und Mobilfunkunternehmen ist weiter angespannt. Verantwortlich sind vor allem die immer noch hohen Schuldenberge. Dennoch empfehlen Analysten vermehrt ausgesuchte Telekom-Werte zum Kauf. Sie argumentieren, das Schlimmste liege bereits hinter einigen der Konzerne.

FRANKFURT/M. Anfang März kam es Schlag auf Schlag: Innerhalb weniger Tage präsentierten die Telekommunikationsunternehmen KPN, France Télécom und Deutsche Telekom die bisher höchsten Jahresverluste der niederländischen, französischen und deutschen Wirtschaftsgeschichte. Passend zum betriebswirtschaftlichen Bild haben sich auch - stellvertretend für die gesamte Branche - die Aktienkurse der drei Konzerne entwickelt: 92, 90 und 90 Prozent Verlust seit den Höchstkursen. Dennoch blasen Analysten vermehrt zum Einstieg bei Telekom - und Mobilfunktiteln.

"Die Talsohle haben die Telekom - unternehmen schon Mitte vergangenen Jahres durchschritten", erklärt Telekomanalyst Andreas Heinold von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) den steigenden Optimismus. Oliver Pfluger, Telekomexperte der WGZ-Bank ergänzt: "Die enormen Verluste sind nicht im operativen Geschäft aufgelaufen, sondern größtenteils durch nicht Cash wirksame Abschreibungen auf Beteiligungen und Lizenzen. Das Damoklesschwert der Wertberichtigungen ist damit weitgehend gebannt." Mittelfristig rechnen Analysten damit, dass sich Telekomaktien besser entwickeln als der Markt. Konkrete Prognosen wagt jedoch kaum jemand.

Im vergangenen Jahr malten sich die meisten Marktteilnehmer die Zukunft der Branche offenbar zu düster aus. "Bei den integrierten Telekomkonzernen zweifelte man am Abbau der Schulden", sagt Heinold. "Bei den Mobilfunkern fürchtete man, die Zeiten stetigen Wachstums seien vorbei." Doch so schlimm kam es nicht. Die Deutsche Telekom hat ihre Verbindlichkeiten auf gut 58 Mrd. Euro reduziert; Ende des Jahres könnten sie auf rund 51 Mrd. Euro sinken. "Noch weiter im Restrukturierungsprozess ist KPN", sagt Pfluger von der WGZ-Bank, die die Aktie der Niederländer zum Kauf empfiehlt. Und für den Mobilfunkkonzern Vodafone wird angeführt, dass er auch 2002 Umsatz und Kundenzahl deutlich gesteigert habe. Die europäischen Branchenführer Deutsche Telekom und im Mobilfunkbereich Vodafone nennen Analysten besonders häufig als Kaufempfehlung. "Die Vorsicht der Anleger nach den Kursverlusten der vergangenen Jahre ist verständlich", sagt Holger Bosse, Telekomexperte bei Helaba Trust. Doch Kurs bestimmend sei die Zukunft. "Und hier sind wir recht optimistisch."

WGZ-Experte Pfluger argumentiert: "Für die Deutsche Telekom spricht eine viel versprechende Kombination aus Restrukturierung und Wachstum." Im Festnetzbereich wachsen die Beteiligungen in Osteuropa überdurchschnittlich. T-Mobile profitiert nach einer Analyse der LBBW vor allem vom starken Wachstum der US-Tochter. Allerdings warnen Analysten, die Investitionen dürften nicht zu stark heruntergefahren werden. "Weitere Kürzungen könnten das Wachstum erschweren", sagt Heinold von der LBBW.

Vodafone ist im Mobilfunkbereich einsamer Favorit der Experten. "Die Halbjahreszahlen lagen um rund 50 % über den Erwartungen", sagt Pfluger. Für das weitere Wachstum sind die Branchenkenner optimistisch. "Ich rechne auch für 2003 wieder mit Umsatzwachstum von über 10 %", sagt Holger Bosse von Helaba Trust. Erst 2005 werde das Wachstum in den einstelligen Bereich sinken.

Weniger optimistisch sind die Experten für den ehemals staatlichen Monopolisten France Télécom. "Die Lage bei France Télécom ähnelt der der Deutschen Telekom nur auf den ersten Blick", sagt Pfluger. Kursverlauf, Schuldenstand und Umsätze seien zwar vergleichbar. Doch: "Während die Deutsche Telekom ihre Schulden aus dem operativen Geschäft reduzieren kann, ist dies bei den Franzosen nicht der Fall", sagt Pfluger. Auf der Hauptversammlung hat sich der Konzern vielmehr eine Kapitalerhöhung genehmigen lassen, die Heinold auf 15 Mrd. Euro schätzt. "Wenn es dazu kommt, hat dies eine Verwässerung zur Folge, die die Aktionäre sicher nicht begrüßen werden", sagt Pfluger. Nicht nur er hält die Kursanstiege von knapp 180 % im letzten halben Jahr für zu hoch. Auch Bosse sagt: "Aufgrund der unsicheren Zukunft kann ich Anlegern guten Gewissens nicht raten, France Télécom zu kaufen."

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