Deutsche Telekom, Vodafone und Orange verlieren
Telekomaktien ziehen Dax abwärts

Was tun nervöse Investoren nach einem guten Börsentag am liebsten? Klar, sie nehmen erst mal Gewinne mit. Diese alte Regel, die nur während des High-Tech-Booms ausgesetzt schien, griff heute an den europäischen Aktienmärkten.

tmo/Reuters FRANKFURT/M. "So richtig weiß derzeit niemand, wo es lang geht, da liegen Gewinnmitnahmen nahe", sagte Oliver Opgen-Rhein von der Privatbank HSBC Trinkaus. Am Morgen hatte das noch anders ausgesehen: "Nach dem kräftigen Anstieg vom Vortag waren die meisten Marktteilnehmer optimistisch in den Handel gegangen", sagte Analyst Alfred Kaiser vom Makler Fritz Nols.

Der Optimismus verpuffte spätestens, als am Nachmittag schlechte Nachrichten aus den USA über den Atlantik drangen. General Electric gab einen Gewinnrückgang und enttäuschende Umsatzzahlen für das erste Quartal bekannt, gegen IBM soll Medienberichten zu Folge die US-Börsenaufsicht ermitteln. Beides belastete die Wall Street und damit auch Europa. Der Deutsche Aktienindex (Dax) sank um 1,9 % auf 5163 Zähler, der Euro-Stoxx 50 für die Euro-Zone büßte 1,8% ein.

Telekomaktien mussten europaweit besonders hohe Kursabschläge hinnehmen. So zählte die Deutsche Telekom mit einem Minus von über 3% zu den Tagesverlierern im Dax. Die T-Aktie rutschte deutlich unter 16 Euro. "Das ist eine wichtige psychologische Marke", sagte Trinkaus-Händler Opgen-Rhein. Als Grund für den Kursverlust galt die Meldung, die Deutsche Bank sei nur an Teilen des Telekom-Fernsehkabelnetzes interessiert. Hinzu kamen Gerüchte über eine neue Telekom-Anleihe, die wegen der gesunkenen Kreditwürdigkeit teuer würde. Ein teilweiser Kabelverkauf wäre laut Händlern für die Telekom ungünstig. Der Preis dürfte zurückbleiben hinter den 5,5 Mrd. Euro, die der US-Konzern Liberty für das Kabelnetz bot. Die Transaktion scheiterte am Veto des Bundeskartellamts.

Besser als der Markt schlugen sich Allianz mit nur moderaten Einbußen. Der zweite Versicherer im Dax, Münchener Rück, verbuchte etwas größere Verluste. Offenbar spekulierten einige Investoren auf steigende Kurse bei Allianz und gleichzeitig auf fallende Notierungen beim Münchner Lokalkonkurrenten, sagte Analyst Kaiser.

Die Aktien der Hypo-Vereinsbank zählten mit einem Verlust von nur 0,2 % zu den stabilsten Titeln im Dax. Händler sagten, der jüngste Kursverfall scheine übertrieben. Deutliche Verluste erlitten dagegen Lufthansa. Die Fluglinie habe enttäuschende Passagierzahlen vorgelegt, hieß es zur Begründung. Auch die Tech-Werte Siemens und Infineon gaben spürbar nach.

An den anderen europäischen Märkten büßten besonders Telekomwerte kräftig ein. Die Aktien des Mobilfunkriesen Vodafone verloren in London mehr als 7 %. Analysten von Schroder Salomon Smith Barney senkten ihr Kursziel für den Weltmarktführer. Der Kurs der abgespaltenen British-Telecom-Mobilsparte, MMO2, fiel um über 11 % auf ein Allzeittief.

In Paris sanken die Aktien des Mobilfunkers Orange um mehr als 7 %. Tief im Minus standen auch Vivendi Universal. Der Medienkonzern leide unter dem Zusammenbruch des bankrotten Münchner Medienzars Leo Kirch, sagten Händler. "Eines Tages könnte auch Messier die Kontrolle über sein Imperium verlieren", sagte ein Analyst mit Bezug auf den umstrittenen Vivendi-Chef Jean-Marie Messier.

Schweizer Aktien konnten sich in Zürich dem europaweiten Abwärtstrend nicht entziehen. Titel des weltgrößten Nahrungsmittelkonzerns Nestlé litten unter unerwartet schlechten Umsatzdaten.

In Stockholm verloren Aktien des Mobilfunkkonzerns Ericsson. Titel des finnischen Konkurrenten Nokia gaben in Helsinki ebenfalls nach. In Amsterdam konnten die Finanztitel ING und Dexia die Verluste bei Tech-Aktien nicht ganz ausgleichen. Auch in Madrid und Mailand gaben die Kurse deutlich nach.

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%