Deutsche Telekom will nach Analystenangaben SES-Anteil verkaufen
US-Satellitenbetreiber wetteifern um Eutelsat

In der Satellitenbranche bahnt sich offenbar eine Übernahmeschlacht an: Die US-Konzerne Intelsat und Panamsat wollen laut Branchenkreisen für die europäische Eutelsat bieten. Intelsat habe ein feindliches Angebot vorgelegt, Panamsat Gespräche über eine freundliche Übernahme eingeleitet.

HB PARIS. Bei den privaten Satelliten-Betreibern bahnt sich eine weitere Konsolidierung an: In aller Stille hat der drittgrößte Konzern der Branche, Intelsat, ein Angebot für den Konkurrenten Eutelsat SA vorgelegt. Und auch die Nummer zwei auf dem Markt, der US-Konzern Panamsat Corp., habe Interesse angemeldet, heißt es in Branchenkreisen.

Intelsat habe ein feindliches Übernahmeangebot für den größten Satelliten-Dienstleister Europas im Gesamtwert von 3,5 bis 4 Mrd. $ gemacht, heißt es weiter. Der Preis soll etwa zur Hälfte bar gezahlt werden, der Rest in Firmenanteilen. Eine Bewertung dieser Anteile ist schwierig, da weder Eutelsat noch Intelsat an der Börse notiert sind.

Gesamte Branche könnte umgekrempelt werden

Wenn einer der Bieter Erfolg hat, entsteht ein internationaler Konzern mit mindestens 38 Satelliten im All und mehr als 1,5 Mrd. $ Umsatz. Mit seiner Größe und seiner geographischen Reichweite würde das Unternehmen die gesamte Branche umkrempeln. Der neue Konzern wäre auch eine ernst zu nehmende Bedrohung für den derzeitigen Marktführer, die Luxemburger SES Global SA. Das Unternehmen betreibt allein 29 Satelliten und ist an 13 weiteren beteiligt. SES hatte die Konsolidierungswelle durch die Übernahme der Satelliten-Servicesparte der General Electric (GE) Co. im Jahr 2000 eingeleitet.

Schwache Nachfrage zog Preiskämpfe nach sich

Durch die Übernahmen versuchen die Unternehmen, den Konkurrenzkampf einzudämmen. Ihre Börsenpläne hatten sowohl Eutelsat wie auch Intelsat angesichts des Zusammenbruchs der Telekomindustrie und der schwachen Aktienmärkte zunächst aufgegeben. Intelsat hat jetzt mit seinem überraschenden Gebot die Manager von Eutelsat kalt erwischt, heißt es in Branchenkreisen. Experten rechnen deshalb damit, dass der Schritt der Beginn einer Übernahmeschlacht sein könnte. Möglich sei auch, dass Beteiligungsgesellschaften, die seit Monaten auf eine Chance in der Branche warten, für Teile von Eutelsat bieten könnten. Die drei bisher beteiligten Konzerne wollten die Gerüchte nicht kommentieren.

Aus Branchenkreisen hieß es allerdings, Eutelsat-Chef Giuliano Berretta sei ärgerlich gewesen, weil die Nachricht vom Anfang September eingegangenen Übernahmeangebot bereits zu einigen der großen Anteilseigner gedrungen waren. Berretta favorisiert weiter einen Börsengang - seine Pläne, mit Eutelsat auch außereuropäische Märkte zu erobern, sind auf Widerstand der Anteilseigner gestoßen. Die Großaktionäre würden jetzt eine Auktion vorziehen, um möglichst viel für ihre Anteile zu erhalten.

Panamsat ist an freundlicher Übernahme interessiert

Im Gegensatz zu Intelsat sei Panamsat an einer freundlichen Übernahme interessiert, heißt es weiter. Drei der größten Anteilseigner von Eutelsat - die British Telecom, France Telecom SA und eine Investmentgruppe unter Führung von Lehman Brothers - hätten Panamsat dazu gedrängt. Die beiden Telekomkonzerne und die Deutsche Telekom AG, die zusammen mehr als 41 % an dem Satelliten-Dienstleister halten, hätten in den vergangenen Monaten unabhängig voneinander versucht, ihre Pakete abzustoßen. Die Deutsche Telekom will nach Aussage von Analysten jetzt auch ihren Anteil an SES verkaufen.

Aus geschäftlicher Sicht halten Experten eine Kombination Panamsat/Eutelsat sinnvoller. Die Amerikaner sind Marktführer bei der Videoübertragung in den USA, Eutelsat überträgt 1 200 Fernseh- und 600 Radioprogramme zu 98 Mill. Haushalten in Europa und anderen Regionen. Zusammen hätten sie eine starke Präsenz auf beiden Kontinenten. Wenn Eutelsat übernommen wird, wächst der Druck auf die Konkurrenten, sich neue Partner zu suchen.

Unklar ist allerdings, ob Panamsat tatsächlich tätig werden kann. Denn bei dem Unternehmen steht Ende des Jahres ein Eigentümerwechsel an: Die 81 %, die derzeit der Hughes Electronics Corp. gehören, sollen an den US-Anbieter von Satellitenfernsehen, Echostar Communications Corp., gehen. Branchenexperten bezweifeln, dass Panamsat für Eutelsat bietet, so lange die Wettbewerbshüter in Washington einem geplanten größeren Zusammenschluss von Hughes und Echostar nicht zugestimmt haben.

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