Deutsche Titel leiden unter der abflauenden Konjunktur im Inland
Bauaktien überzeugen die Analysten nicht

Anleger hatten mit Bauaktien bislang wenig Freude. Fallende Kurse, dividendenlose Jahre und schlechte Ergbnisse haben die Aktionäre in der Vergangenheit zunehmend verdrossen.

DÜSSELDORF. Die Ankündigung der Insolvenz des Frankfurter Bauriesen Philipp Holzmann im März diesen Jahres kam nicht überraschend. Im Gegenteil: Die Branche hätte das endgültige Aus lieber schon im 1999 besiegelt: Damals hatte Bundeskanzler Gerhard Schröder gut ein Jahr nach seinem Amtsantritt zu einer einzigartigen PR-Aktion zur Rettung des vormals größten deutschen Baukonzerns mobil gemacht. Missmanagement, riskante Geschäfte, aber auch die einbrechende Baukonjunktur hatten den Frankfurter Traditionskonzern ins Wanken gebracht.

Nun werden die Überreste versilbert: Die Interessenten stehen Schlange - zumindest für die Rosinen. Die Schlacht um lukrative Unternehmensanteile wie die Dienstleistungstochter HSG oder die US-Tochter J.A. Jones beflügeln den Kurs des Holzmann-Titels, der mittlerweile zu den Pennystocks gehört. Anleger, die dem Baukonzern schon lange die Treue halten, haben das Nachsehen: Sie stehen ganz unten auf der Gläubigerliste.

Zur Nummer eins unter den deutschen Bautiteln ist längst Hochtief aufgestiegen. Die Essener haben sich früh auf die schwierige Marktsituation eingestellt und ihr Engagement im Ausland verstärkt. Heute erwirtschaftet Hochtief mehr als 82 % seiner Bauleistung außerhalb Deutschlands und hat sich zu einem Full-Service-Dienstleister rund ums Bauen entwickelt. Dazu gehört neben dem schlüsselfertigen Bau vor allem der Betrieb aufwendiger Infrastrukturprojekte - sei es ein Staudamm, eine Brücke oder ein Flughafen.

Damit ist die Aktie auch bei den Analysten überaus beliebt. So bescheinigt Darren Shaw, Analyst bei Dresdner Kleinwort Wasserstein in London dem Baukonzern, dass er sich in einem schwierigen Umfeld überaus gut behaupten konnte. Helaba-Analyst Erhard Schmitt stuft die Hochtief-Aktie auf "neutral" ein. Für 2002 rechnet er mit einer Gewinnprognose von 1,15 (0,38) Euro je Aktie und sieht den fairen Wert auf zwölf Monate bei 25 Euro.

Ungewiss: Hochtief und Walter-Bau

Doch das Schicksal der RWE-Tochter Hochtief ist ungewiss. Der Grund: RWE möchte sich auf sein Kerngeschäft konzentrieren und würde gern seinen Hochtief-Anteil von etwa 56 % verkaufen. Doch ein Käufer scheint derzeit noch nicht in Sicht. Nach Ansicht von Schmitt stecken die wenigen in Frage kommenden europäischen Baukonzerne, wie Skanska, selbst in Ertragsschwierigkeiten.

Ungewiss ist auch die Zukunft des Walter-Bau-Konzerns, auf den Dywidag (2001) und Heilit & Woerner (2000) verschmolzen wurden. Zwar besetzt der Konzern lukrative Nischen, doch ist der Bauriese durch den hohen Inlandsanteil von mehr als 80 % stark von der inländischen Baukonjunktur abhängig. Bei Walter Bau haben sich die Analysten zurückgezogen. Der Grund: Nach der Fusion mit Dywidag liegen die Aktien nur zu 17 % im Streubesitz. Zudem musste die Liquidität im Konzern erst vor kurzem durch einen 100 Mill-Euro-Bankenkredit bis Ende 2003 gesichert werden.

Ein weiterer Lichtblick im kleinen Reigen der großen deutschen Baukonzerne ist die Bilfinger Berger AG. Der Baukonzern konnte das Ergebnis je Aktie im vergangenen Jahr von 1,20 auf 1,44 Euro deutlich steigern. Zwar beruht dieser Erfolg zum Teil auf der attraktiven Finanzbeteiligung am Wetzlarer Heizungsbauer Buderus, der mit 27 Mill. Euro kräftig zum Beteiligungsergebnis von Bilfinger beitrug. Doch auch im operativen Geschäft stehen die Mannheimer recht gut da.

Dennoch bleiben Investoren und Analysten zurückhaltend. "Ich glaube, dass die Wachstumskurve mittelfristig abflachen wird", bekennt Schmitt, der das Bilfinger-Papier mit "neutral" beurteilt. Viele Beobachter raten nach der eindrucksvollen Kursrally im zurückliegenden Jahr, die ein Plus von immerhin 100% brachte, zunächst einmal abzuwarten. Dabei notiert das Papier mit 25 Euro immer noch unter Buchwert, nach dem das Papier etwa 31 Euro kosten müsste.

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