Deutsche Tochter der US-Firma schreibt schwarze Zahlen
Flextronics profitiert vom Ausstieg der Konzerne aus der Handy-Produktion

Das neueste Beispiel ist Alcatel. Die Franzosen haben vergangenen Donnerstag angekündigt, aus der Handyfertigung auszusteigen und die Produktion einschließlich des Werkes in Laval (Frankreich) an Spezialisten zu übertragen. Davor hatte Ericsson verkündet, die eigene Fertigung von Mobiltelefonen abzugeben. Von diesem so genannten Outsourcing profitieren Unternehmen wie Flextronics, die sich auf die Fertigung für andere spezialisiert haben.

PADERBORN. Der Auftrag von Ericsson ist sicher einer der größten Verträge für Flextronics, aber bei weitem nicht der einzige. "Unsere größten Kunden sind Cisco, Microsoft, Ericsson und Philips", erläutert Geschäftsführer Edgar Schrader. Weltweit verfügt der US-Konzern, der aus steuerlichen Gründen in Singapur residiert, über rund 100 Produktionsstätten, beschäftigt 80 000 Personen in 27 Ländern und erzielte im Ende März abgeschlossenen Geschäftsjahr 2000/01 einen Umsatz von 12 Mrd. $. Damit ist Flextronics zum zweitgrößten Auftragsfertiger nach Solectron aufgestiegen.

Seit Anfang des vergangenen Jahres hat das US-Unternehmen auch einen Stützpunkt in Deutschland: In Paderborn hat der Konzern wesentliche Teile des früheren Nixdorf-Geländes übernommen und fertigt dort für Fujitsu-Siemens die komplette Server-Palette. Von hier aus steuert Schrader die Aktivitäten von Flextronics in Deutschland, Italien und der Schweiz. Inzwischen beschäftigt der Konzern in Paderborn 800 Personen und erzielt einen Umsatz von 650 Mill. DM.

Geschäftsführer Schrader und Vertriebschef Armin Koch sehen die Stärken für Fertigungsspezialisten wie Flextronics vor allem in der günstigeren Beschaffung. "Hier liegt unser Hauptvorteil", betont Koch. "Zudem werden die Kapazitäten besser ausgelastet." Er sieht Flextronics nicht als verlängerte Werkbank der Auftraggeber. So hat das 1969 gegründete Unternehmen angefangen, als es kleine Serien und Auftragsspitzen für andere Hersteller fertigte. "Heute geben die Unternehmen mehr und mehr Wertschöpfung an uns ab", betont Schrader. So übernimmt Flextronics inzwischen auch Entwicklungsdienstleistungen, testet die Systeme und übernimmt über die eigene Transportfirma Irish Express Cargo auch die Auslieferung und Installation. Für 3Com war Flextronics führend an der Entwicklung der Palm-Computer beteiligt, für Microsoft wird der Konzern ausschließlicher Lieferant der Videospielkonsole X-Box sein und die Geräte in Ungarn und Mexiko fertigen.

Eine höhere Wertschöpfung ist auch nötig. Denn Schrader beschreibt die Margen als "gering aber relativ stabil." Im gerade abgeschlossenen Geschäftsjahr 2000/01 ist das Unternehmen in die Verlustzone gerutscht. Für das vierte Quartal weist Flextronics einen Verlust von 193 Mill. $ aus nach einem Quartalsgewinn von 53 Mill. $ vor einem Jahr. Schrader begründet dies vor allem mit Abschreibungen auf übernommene Firmen und auf Rückstellungen für den angekündigten Stellenabbau von rund 10 %. Dieser betrifft laut Schrader zum weit überwiegenden Teil die USA.

Die Börse glaubt offensichtlich an Flextronics. Die weit überwiegende Mehrzahl der Analysten empfiehlt die Aktie zum Kauf. Der Kurs, der seit einer Spitze von 40 $ Ende Januar auf 13 $ Anfang April gefallen war, ist wieder auf 23 $ geklettert.

Für Deutschland sieht Geschäftsführer Schrader solche Ertragsprobleme nicht. "Wir schreiben keine Verluste", betont er. Die Auftragslage sei positiv, ein Stellenabbau stehe nicht an. Im Gegenteil, das Unternehmen sucht noch 50 neue Mitarbeiter.

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