Deutsche Tochter fühlt sich stark genug
Negativtrend lässt Ford bisher unbehelligt

Ford verlässt sich auf dem deutschen und europäischen Markt auf seine wieder gewonnene Stärke. Das Unternehmen hält deshalb nichts von einer staatlichen Verschrottungsprämie - zuletzt ins Gespräch gebracht von VW-Konzernchef Ferdinand Piëch, um die Pkw-Nachfrage in die Höhe zu treiben.

KÖLN. Die Ablehnung fällt allzu deutlich aus. "Wir sind gegen eine Verschrottungsprämie", sagt Rolf Zimmermann, Vorstandsvorsitzender der Kölner Ford-Werke im Handelsblatt-Gespräch. Staatliche Hilfen für die Verschrottung von Altfahrzeugen ohne Katalysator würden nicht für eine dauerhafte Belebung des Pkw-Absatzes sorgen. Eine solche Prämie hätte lediglich zur Folge, dass die Nachfrage vorgezogen würde. Zimmermann setzt sich damit nachdrücklich vom Wolfsburger VW-Vorstandsvorsitzenden Ferdinand Piëch ab, der die Einführung einer staatlichen Verschrottungsprämie vorgeschlagen hatte.

Ford steht der aktuellen Abwärtsentwicklung auf dem deutschen Automarkt (in diesem Jahr bislang minus 2 %) und in Europa (minus 0,5 %) verhältnismäßig gelassen gegenüber. "Unser Prozess der Restrukturierung geht weiter", betont Vorstandschef Zimmermann. Auf der Ertragsseite sorgten neue Modelle für Wachstum, Sparprogramme brächten auf der Kostenseite die nötige Entlastung.

Die jüngsten Zahlen geben Zimmermann Recht. In Deutschland hat Ford seinen Absatz nach Angaben des Kraftfahrtbundesamtes in den ersten neun Monaten - gemessen am Vorjahreszeitraum - um 12,8 % auf knapp 213 000 Pkw steigern können. Positiv fällt auch die Bilanz für Westeuropa aus. Der Herstellerverband Acea meldet für Ford einen Zuwachs von 3,7 % auf 1,05 Millionen Fahrzeuge.

Trotz Eintrübung der Konjunktur sieht Zimmermann immer noch gute Chancen, das zu Jahresbeginn gesteckte Ziel, in diesem Jahr beim operativen Ergebnis wieder die Gewinnschwelle zu erreichen (2000: minus 335 Mill. DM). "Wir haben konservativ gerechnet", begründet er seinen Optimismus. Ertrags- und Kostenseite hätten sich bei Ford so verbessert, dass auch größere Störungen im Markt aufgefangen werden könnten. Die Terroranschläge in den USA hätten nicht zu einem dauerhaften Rückgang bei den Bestellungen geführt. Die Ordereingänge bewegten sich inzwischen wieder auf einem "normalen" Niveau.

Neue Produkte sind der wichtigste Trumpf

Vorsichtig äußert sich Zimmermann zum längerfristigen Ausblick. "Es ist im Moment sehr schwierig, etwas über das Jahr 2002 zu sagen", räumt der Kölner Ford-Chef ein. Der Automobilabsatz in Deutschland und Europa hänge sehr stark von der weiteren gesamtwirtschaftlichen Entwicklung ab. Für 2002 rechnet Zimmermann auf dem gesamten deutschen Automarkt mit einem Zulassungsergebnis von 3,1 bis 3,2 Millionen neuen Pkw - ähnlich wie in diesem Jahr. Auch für 2002 gelte bei Ford der Grundsatz, dass das Unternehmen konservativ bei der Aufstellung seiner Absatzpläne vorgegangen sei. Zimmermann erwartet deshalb im nächsten Jahr einen Zuwachs auf der Ertragsseite - und damit ordentliche schwarze Zahlen.

"Wir haben neue Produkte", nennt Zimmermann den aus seiner Sicht wichtigsten Trumpf. Nach Focus und Mondeo kommt im Frühjahr der neue Kleinwagen Fiesta auf den Markt, von dem sich Ford noch einmal ein kräftiges Plus bei den Zulassungszahlen verspricht. Auch die wachsende Nachfrage nach verbrauchsgünstigen Dieselmotoren glaubt Ford im nächsten Jahr problemlos mit TDCI-Aggregaten befriedigen zu können. Laut Zimmermann könnte das Unternehmen die Hälfte aller produzierten Fahrzeuge mit einem Dieselaggregat bestücken.

Zimmermann rechnet nicht damit, dass die aktuellen Probleme bei der US-Mutter zu Schwierigkeiten bei der europäischen Konzerntochter führen werden. Jede regionale Ford-Organisation sei für sich selbst verantwortlich, für die aktuelle Neuausrichtung des Europageschäfts seien keine Zahlungen aus der Konzernzentrale nach Köln geflossen. Der deutsche Vorstandschef sieht auch nicht die Gefahr, dass die US-Mutter zusätzliche Erträge vom europäischen Konzernteil einfordern könnte. "Das glaube ich nicht", so Zimmermann. Die Ford Motor Company hatte im zweiten und dritten Quartal jeweils dreistellige Millionenverluste verbucht.

Ford-Kunden werden noch länger auf eine neue Variante des Minis Ka warten müssen. Wie Zimmermann berichtet, kommt erst die neue Version des Golf-Konkurrenten Focus auf den Markt - dessen Produktionsstart ist für Ende 2004 geplant. Im wachsenden Segment der Minivans wird Ford in Zukunft wahrscheinlich mit drei Varianten vertreten sein.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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