Deutsche Tochter halbiert operative Verluste
Inlandsgeschäft belastet MMO2

Der britische Mobilfunker MMO2 müht sich in seiner Heimat vergeblich ab: Umsatz und Kundenwachstum stagnieren. Die deutsche Tochter hat dagegen bei beidem zulegen können.

slo LONDON. Der britische Mobilfunknetzbetreiber MMO2 Plc. schwächelt in seiner Heimat, seinem wichtigsten Markt. Wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte, stagnieren Umsatz und Kundenwachstum in Großbritannien. Gute Nachrichten von den MMO2-Töchtern in Deutschland und den Niederlanden konnten dies nicht ausgleichen. Der Aktienkurs fiel im Tagesverlauf um 14 % auf ein Allzeittief von 40 Pence. MMO2 ist im November 2001 von der British Telecom abgespalten worden.

In Großbritannien stieg der Umsatz von MMO2 im abgelaufenen Geschäftsjahr, das im März endete, um nur 50 Mill. £ auf 2,76 Mrd. £. Insgesamt setzte der Konzern 4,28 Mrd. £ (umgerechnet 6,7 Mrd. Euro) und damit 11 % mehr als im Vorjahr um. MMO2 verringerte seine Vorsteuerverluste und legte beim Ergebnis vor Zinsen, Abschreibungen (Ebitda) und vor Sonderposten stärker als erwartet zu. Das Ebitda lag bei 433 Mill. £ - nach einem Minus von 39 Mill. £ im Jahr zuvor.

In Deutschland und in den Niederlanden haben die Briten ihre Verluste beim Ebitda halbiert. Damit könnte der Druck der Investoren sinken, die MMO2 vor allem zu einem Verkauf der deutschen Tochter drängen.

MMO2 ist mit 17,5 Millionen Kunden die Nummer fünf auf dem europäischen Mobilfunkmarkt. Allein dies ist nach Ansicht von Analysten ein großer Nachteil im Wettbewerb mit dem Mobilfunkriesen Vodafone und mit Orange, der Mobilfunktochter der France Telecom, gegen die sich MMO2 in Großbritannien behaupten muss. Vor allem bei der im Mobilfunk wichtigen Kennziffer Durchschnittsumsatz pro Kunde und bei der Ebitda-Marge schneidet das Unternehmen schlechter ab als die Konkurrenz. Um Geld zu sparen, baut der Konzern etwa 2000 Stellen ab, davon 500 in Deutschland.

Der Ausblick der Briten für das laufende Jahr fällt sehr verhalten aus: "Unser Marktumfeld bleibt schwierig, da sich das Kundenwachstum verlangsamt und der Markt für mobile Datenübertragung in einer frühen Entwicklungsphase steckt", sagt Chairman David Varney. UMTS will MMO2 - ebenso wie die Konkurrenz - erst Mitte 2003 einführen.

Schon am vergangenen Dienstag hatte der weltweit größte Mobilfunker Vodafone die Zweifel der Analysten an den Wachstumsaussichten der Branche nicht ausräumen können. Vodafone geht von einen Kundenwachstum von weniger als 10 % aus - ein Bruchteil früherer Wachstumsraten - und von einer moderaten Verbesserung der Durchschnittserträge pro Kunde.

Die deutsche MMO2-Tochter (ehemals Viag Interkom, jetzt O2) hat das Geschäftsjahr mit mehr als 4 Millionen Kunden abgeschlossen. Vor allem am Ende des Geschäftsjahres habe sich das Unternehmen besser als der Markt entwickelt, da zwischen Januar und März die Gesamtzahl der Mobilfunkkunden in Deutschland zurückgegangen sei, sagte O2-Chef Rudolf Gröger. Das führte er vor allem auf das Produkt Genion zurück, für das sich viele Neukunden entschieden hätten. Damit können Handy-Nutzer in einem bestimmten Bereich zu Festnetztarifen telefonieren.

O2 bleibt zwar der kleinste Mobilfunknetzbetreiber in Deutschland, hat aber beim Marktanteil leicht dazugewonnen. Der liegt jetzt bei 7 %. Der Jahresumsatz stieg um 30 % auf 1,4 Mrd. Euro. Pro Jahr will O2 einen weiteren Prozentpunkt beim Marktanteil zulegen. Im vierten Quartal des laufenden Geschäftsjahres will der Anbieter erstmalig ein positives Ebitda erwirtschaften.

Quelle: Handelsblatt

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