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Deutsche Trainer in Not - Favoriten patzen

Einige Favoriten patzten gewaltig, doch in der Qualifikation zur Fußball-WM 2006 sind vor allem die deutschen Trainer in große Not geraten. „Schotte“ Vogts droht nach der 0:1-Heimpleite gegen Norwegen bei einer weiteren Niederlage in Moldawien sogar das Ende seiner Ära als Nationalcoach.

dpa HAMBURG. Einige Favoriten patzten gewaltig, doch in der Qualifikation zur Fußball-WM 2006 sind vor allem die deutschen Trainer in große Not geraten. "Schotte" Vogts droht nach der 0:1-Heimpleite gegen Norwegen bei einer weiteren Niederlage in Moldawien sogar das Ende seiner Ära als Nationalcoach.

Lothar Matthäus ist mit Ungarn nach dem 0:3 in Schweden fast schon aus dem WM-Rennen und Otto Rehhagel wahrte nur dank Wassilios Tsiartas' Tor mit Europameister Griechenland beim 1:1 in der Ukraine seine WM-Chance, hat nach drei Runden aber erst magere zwei Punkte auf dem Konto.

Nur drei Siege in 20 Spielen: Berti Vogts' Bilanz bei den "Bravehearts" ist ernüchternd - und Schottlands Presse geizt nicht mit Forderungen nach seiner Ablösung. Das Thema WM-Teilnahme gilt eh' schon als abgehakt. "Die Chancen sind von dunkelgrau zu pechschwarz geworden", urteilte "The Observer" nach dem "miserablen Abend". Vogts dagegen übt sich in Durchhalteparolen. "Ich bin stolz auf meine Mannschaft, sie hat alles gegeben. Der Teamgeist hat gestimmt, nur das Ergebnis nicht. Es gibt noch acht weitere Spiele. Nun müssen drei Punkte in Moldawien her." Für etwaige Konsequenzen sei Verbandschef John Mcbeth zuständig.

Vogts, der von Kapitän Barry Ferguson ("Das Team steht hinter ihm") Rückendeckung erhielt, sagt dazu: "Mein einziges Ziel ist die WM 2006, und ich gehe nicht davon aus, entlassen zu werden." Slowenien, das in Gruppe sechs Favorit Italien 1:0 besiegte und mit sieben Punkten die Tabelle vor Italien (6) anführt, ist für die Schotten (1) jedenfalls schon weit entrückt. Gleiches gilt für Matthäus' Ungarn (3), die in Gruppe acht weit hinter Kroatien (7) und Schweden (6) zurückliegen. Ljungberg (26.), Larsson (50.) und Svensson (67.) machten den Sieg des Drei-Kronen-Teams perfekt. "Es war klar, dass die Qualifikation schwierig werden würde, aber noch ist nichts entschieden", glaubt Matthäus.

Ein 30-m-Freistoß in den Winkel von Kunstschütze Tsiartas rettete den Griechen ihre WM-Chance. "Das göttliche linke Bein von Tsiartas hat uns in der 82. Minute am Leben gehalten", kommentierte am Sonntag "Sportime". Ausgerechnet Tsiartas: Nach seiner Trennung von AEK Athen ist er ohne Club und trainiert alleine. "Ich habe auf ihn gesetzt, und er hat mich nicht im Stich gelassen", lobte Rehhagel den Spielmacher. Und atmete erleichtert auf: "Wir haben alles riskiert und sind noch im Rennen. Hätten wir verloren, würde alles vorbei sein."

Allerdings wächst im Land des Europameisters auch der Druck auf den Erfolgscoach. Die Presse nennt die Spielweise des EM-Siegers "anarchisch". Das "Rezept Portugal" sei aber nicht mehr erfolgreich, urteilte "Derby". Und "Sporttime" fordert neue Leute und neue Ideen. "Rehhagel muss eingesehen haben, dass er das Team auffrischen muss. Spieler holen, die der Mannschaft neuen Atem geben können."

Einige Favoriten lagen total daneben. Vor allem Portugal blamierte sich nach 2:0-Führung beim 2:2 in Liechtenstein. "Eine Demütigung für Portugal: Die Nationalelf spielte Remis, wo alle anderen gewinnen", befand "O Jogo". "Eine monumentale Schande!", titelte das "Jornal de Notícias" und prangerte die miserable Einstellung einiger Akteure an. Verbandschef Gilberto Madail drohte den Assen schon mit Konsequenzen.

Auch die Niederlande (2:2 in Mazedonien) und Frankreich blieben hinter den Erwartungen und weisen in ihren Gruppen Rückstände auf. "Wieder sind zwei Punkte verloren gegangen, was auf dem Weg zur WM teuer zu stehen kommen kann", glaubt "Aujourd'hui Dimanche" nach dem mageren 0:0 des Ex-Europameisters gegen Irland. Dagegen stellte Jan Koller mit seinem Foulelfmeter-Tor das 1:0 über Rumänien sicher und machte das Rennen in der Gruppe 1 "wieder offen", wie Coach Karel Brückner befand. Koller: "Endlich haben wir wieder drei Punkte geholt".

Auch Spanien sicherte sich mit dem 2:0 gegen am Ende nur noch neun Belgier einen Dreier. "Das war die Hauptsache", meinte "As". In Griechlands Gruppe zwei übernahm ausgerechnet Nachbar Türkei (4:0 über Kasachstan) die Führung vor der Ukraine (je 5). "Nach diesem Sieg ist die Moral der Truppe gestiegen", freute sich Trainer Ersun Yanal vor dem Duell bei Verfolger Dänemark (4) am Mittwoch. England besiegte den Nachbarn Wales 2:0. Nach Lampards 1:0 sorgte Star-Kicker David Beckham per Traumtor in den Winkel für die Entscheidung, ehe er mit einem Haarriss an der Rippe ausgewechselt wurde. Wie lange er ausfällt, bleibt vorerst unklar. Am Mittwoch in Aserbaidschan müsste er wegen einer Gelbsperre ohnehin zuschauen.

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