Deutsche Truppen kommen wahrscheinlich nicht zum Einsatz
Senat und Repräsentantenhaus machen Weg für Feldzug frei

Nach dem Senat hat auch das amerikanische Repräsentantenhaus Präsident George W. Bush ermächtigt, gegen die Verantwortlichen für die Anschläge vom Dienstag militärische Gewalt anzuwenden. US- Verteidigungsminister Donald Rumsfeld ordnete seinem Ministerium zufolge die Mobilmachung von 35 000 Reservisten an. Abfangjäger wurden in Alarmbereitschaft versetzt.

ap/rtr/vwd WASHINGTON. Die Entscheidung im Repräsentantenhaus fiel am Freitagabend mit 420 Stimmen bei nur einer Gegenstimme nach knapp fünfstündiger Debatte. Bei der Vergeltung hat Bush nun freie Hand, "die angemessene und notwendige Gewalt anzuwenden". Zugleich bewilligte das Abgeordnetenhaus Bush ebenso wie zuvor der Senat 40 Mrd. Dollar für die Terrorismusbekämpfung, dem Wiederaufbau und der Unterstützung von Opfern, doppelt so viel wie Bush ursprünglich beantragt hatte. Diese Entscheidung fiel einstimmig. Mit der ungewöhnlich raschen Entscheidung wollte der Kongress ein Zeichen für die Entschlossenheit des Landes setzen.

Bei einem möglichen Gegenschlag nach den Terrorangriffen erwarten die USA nicht unbedingt die Beteiligung deutscher Truppen. "Ich glaube nicht, dass es gegenwärtig eine solche Erwartung gibt", sagte der US-Botschafter Daniel Coats am Freitag in Berlin der ARD. Es müsse zunächst definiert werden, was getan werde solle und wer sich daran beteiligen müsse. Coats verwies auf den Golfkrieg, an dem sich einige Länder direkt in Kampfeinsätzen, andere dagegen nur logistisch beteiligt hätten.

"Es ist nicht so wichtig, wer was macht, sondern dass wir die richtigen Leute am richtigen Platz haben", sagte er weiter. "Wo die Deutschen da reinpassen", müsse noch verhandelt werden. Coats betonte, dass die USA "die Speerspitze" bilden würden.

Indien sagte den USA im Falle eines Militärschlages Hilfe zu, während Pakistan seine Bereitschaft zur Zusammenarbeit nicht konkretisierte. Die afghanische Taliban-Regierung bekräftigte, der von den USA verdächtigte Osama bin Laden habe mit den Anschlägen nichts zu tun. Sie drohte im Falle eines US-Angriffes mit Rache.



Ermächtigung für Einzug von 50 000 Reservisten

Bush habe Rumsfeld ermächtigt, insgesamt 50 000 Reservisten einzuberufen, teilte das Verteidigungsministerium mit. Die Reservisten sollten unter anderem in Häfen, in der medizinischen Versorgung sowie in der Heimatverteidigung eingesetzt werden. Zunächst würden 13 000 Reservisten der Luftwaffe, 10 000 des Heeres und 3000 der Marine sowie 7500 Elitesoldaten und 2000 Reservisten der Küstenwache einberufen.

Rumsfeld sagte, landesweit seien Abfangjäger startbereit und von 26 Militärbasen aus innerhalb von 15 Minuten in der Luft. Vize-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz sagte, die USA würden nicht mit einem einzigen Militärschlag Vergeltung üben. "Es wird ein Feldzug, keine einmalige Aktion", sagte er. "Das tut man auch nicht mit Militärkraft alleine. Da setzt man alle Kräfte der US-Regierung dafür ein."

Zwei Ölktanker gebucht

Die US-Marine buchte nach Angaben von Maklern vom Freitag zwei Öltanker und einen weiteren Tanker. Diese sollten Treibstoff für die Marine von Kuwait zum Marinestützpunkt Diego Garcia im Indischen Ozean und von Südkorea nach Japan bringen.

Der Sprecher der radikal-islamischen Taliban, Abdul Hai Mutamaen, warnte die USA von einem Angriff: "Wir werden mit anderen Mitteln Rache nehmen, wenn Amerika angreifen sollte." Aus der Hauptstadt flohen zahlreiche Afghanen aus Furcht vor Angriffen. Der in Saudi-Arabien geborene Bin Laden soll sich als Gast der Taliban in Afghanistan aufhalten.

Indien kündigte an, den USA bei einem Vergeltungsschlag gegen Bin Laden die Nutzung seiner Militäreinrichtungen zu erlauben. Dies verlautete aus dem Verteidigungsministerium in Neu-Delhi. Auch Pakistan sagte seine Zusammenarbeit zu, ob dies die gewünschte Überflugerlaubnis für US-Militärmaschinen beinhaltete, war zunächst unklar. Nach der NATO, Russland und China boten Malaysia, Japan und Australien und Argentinien ihre Hilfe im Kampf gegen den Terrorismus an.

Kritik an deutschen Behörden aus Ägypten

Das US-Justizministerium teilte mit, nach neuesten Erkenntnissen habe es sich um 19 Entführer gehandelt. Sieben von ihnen waren nach FBI-Angaben ausgebildete Piloten. Aus US-Regierungskreisen verlautete, es seien womöglich mehrere extremistische Organisationen an den Anschlägen beteiligt gewesen. Einen am Donnerstag in Hamburg im Zusammenhang mit den Anschlägen Festgenommenen ließ die Polizei wieder frei. In Belgien und den Niederlanden wurden sechs mutmaßliche Islamisten festgenommen. Sie seien verdächtig, Anschläge auf US-Einrichtungen in Europa geplant zu haben.

Ägypten, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate haben den US-Ermittlern ihre Unterstützung bei der Suche nach den Drahtziehern der Terroranschläge zugesagt. Politiker äußerten gleichzeitig Kritik am Umgang der europäischen Staaten mit mutmaßlichen Extremisten. "Wir wissen genau, wie sie heißen, wo sie wohnen und was sie tun, aber Staaten wie Deutschland sind nicht bereit, sie auszuliefern", sagte der Vorsitzende des Komitees für internationale Beziehungen des ägyptischen Parlaments, Mohammed Maher Abaza, am Donnerstagabend in Kairo. "Von den deutschen Behörden hören wir immer, sie hätten diese Leute im Blick und unter Kontrolle, doch die Durchsuchungen in Hamburg zeigen ja, dass dies nicht stimmt." In Ägypten sind in den vergangenen Jahren zahlreiche mutmaßliche islamische Extremisten hingerichtet worden.

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