Deutsche TV-Sender einigen sich auf Standard
Durchbruch für digitales Fernsehen

ARD, ZDF und die Privatsender haben sich nach langem Ringen auf die Multimedia Home Platform (MHP) geeinigt. Mit dem weltweiten Standard gibt es erstmals eine gemeinsame Grundlage, um künftig mit einheitlichen Endgeräten Pay-TV, Free-TV und Multimedia-Dienste zu nutzen. Die Kirch-Gruppe verabschiedet sich damit von ihrer D-Box.

HB MÜNCHEN. Die Zeiten, in denen man nur mit der D-Box den Bezahlkanal Premiere empfangen konnte, gehen zu Ende. Wenn die ersten MHP-fähigen Geräte auf den Markt kommen, können die Zuschauer mit demselben Empfänger die digitalen Programme und Dienste aller Sender nutzen. Bislang waren verschiedene der so genannten Set-Top-Boxen nötig, um die digitalen Programme von ARD oder RTL und Premiere zu empfangen.

Die Einigung bedeute für das digitale Fernsehen in Deutschland "den entscheidenden Durchbruch", freute sich der ARD-Vorsitzende Fritz Pleitgen. RTL-Chef Gerhard Zeiler erhofft sich sogar, dass das "deutsche Fernsehen nun zu einem Vorreiter der digitalen Entwicklung in Europa" werden kann. Kirch-Geschäftsführer Peter Mihatsch sprach vom "Ende einer leidigen Technologiestreitigkeit".

Die Münchener Kirch-Gruppe als Besitzer des Pay-TV-Kanals Premiere World hatte jahrelang versucht, seine D-Box als deutschen Digitalstandard durchzusetzen. Andere Anbieter weigerten sich darauf einzusteigen, da sie bei der Senderplatzverteilung eine Diskriminierung gegenüber den Kirch-Sendern fürchteten. Kirch wiederum erlaubte nicht, Premiere-Verschlüsselungstechnologie in andere Boxen zu integrieren. Kirchs Alleingang scheiterte erst, als klar wurde, dass die Abonnentenzahlen von Premiere weit hinter allen Planungen zurückblieben.Gleichzeitig steigen aber die Lizenzzahlungen für die in Hollywood eingekauften Pay-TV-Filmrechte immer weiter.

Zudem habe sich zwei deutsche Kabelnetzbetreiber gegen die D-Box entschieden, die US-Firma Callahan und die niederländische UPC. Callahan, der die TV-Kabelnetze in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg betreibt, verhandelt noch mit vier Anbietern von Set-Top-Boxen, die MHP berücksichtigen. Der Start des Digital-Fernsehens in Nordrhein-Westfalen wird daher erst für Mitte 2002 erwartet, sagte eine Sprecherin der Callahan-Tochter Kabel NRW.

Für Kirch wurde immer klarer, dass er Gefahr läuft, aus dem Geschäft gedrängt zu werden. Denn die Bereitschaft der Kunden, neben einer vom Betreiber gelieferten Box für TV und für interaktive Dienste wie E-Mail oder Online-Shopping noch eine zweite Box für Premiere zu kaufen, ist gering. Premiere muss also den Weg in die Boxen der großen Kabelbetreiber finden.

Auf der Funkausstellung im August haben einige Produzenten bereits MHP-Geräte gezeigt. Philips und Panasonic stellten Empfänger als separate Set-Top-Boxen vor, Sony baut das Geräte in den Fernseher direkt ein.

Kirch verspricht, dass die bislang ausgelieferten 2,4 Millionen D-Boxen auch künftig benutzt werden können. Kirch-Manager Mihatsch erwartet, dass sich ein lebhafter Wettbewerb zwischen den Herstellern entwickelt. Das Münchener Medienhaus will sich langfristig aus dem Hardwaregeschäft zurück ziehen. Stattdessen soll die Firma Beta Research, die bislang die D-Box entwickelt hat, künftig neue Anwendungen für Digital-TV entwickeln.

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