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Deutsche und Schweizer Börse vor Gesprächen über neue KooperationDPA-Datum: 2004-07-19 14:06:41

(dpa-AFX) Zürich/Frankfurt - Die Deutsche < DB1.ETR > und die Schweizer Börse wollen über den Ausbau ihrer bisherigen Zusammenarbeit beraten. Offen ist noch, ob überhaupt konkrete Gespräche geführt werden und welchen Umfang die Kooperation annehmen könnte, verlautete am Montag aus beiden Häusern. In Finanzkreisen werden Alternativen bis hin zu einem Zusammenschluss für denkbar gehalten. Analysten würden eine engere Zusammenarbeit der Deutschen Börse und der SWX begrüßen, sehen jedoch zumindest kurzfristig keine Fusion der beiden Börsenbetreiber.

(dpa-AFX) Zürich/Frankfurt - Die Deutsche < DB1.ETR > und die Schweizer Börse wollen über den Ausbau ihrer bisherigen Zusammenarbeit beraten. Offen ist noch, ob überhaupt konkrete Gespräche geführt werden und welchen Umfang die Kooperation annehmen könnte, verlautete am Montag aus beiden Häusern. In Finanzkreisen werden Alternativen bis hin zu einem Zusammenschluss für denkbar gehalten. Analysten würden eine engere Zusammenarbeit der Deutschen Börse und der SWX begrüßen, sehen jedoch zumindest kurzfristig keine Fusion der beiden Börsenbetreiber.

Nach Einschätzung von LRP-Analyst Olaf Kayser dürfte eine Fusion der beiden Börsenbetreiber kurzfristig nur schwer zu realisieren sein. "Trotz gemeinsamer Interessen könnte die Eigentümerstruktur der Schweizer Börse, bestehend aus 60 Schweizer Banken, die teilweise an einem eigenständigen Handelsplatz festhalten könnten, einen solchen Prozess erschweren", schreibt der Experte in einer Studie. Ein mögliches Zusammenrücken der beiden Unternehmen beurteilt er positiv, leitet jedoch kein größeres Kurspotenzial für die Aktie daraus ab. Er stuft das Papier unverändert mit Marketperformer ein.

LRP: Übernahmepreis Wohl Kein Problem - Eher Psychologisches Problem

Ähnlich sieht dies die Bankgesellschaft Berlin, die das Kursziel für die Deutsche Börse-Aktie unverändert bei 50 Euro lässt. Da das Gerücht nicht neu sei, wirke es sich weder positiv noch negativ aus. Für die Bankgesellschaft Berlin wäre nach der Zusammenarbeit in vielen Feldern eine Fusion der nächste logische Schritt. "Das würde Kostensynergien ermöglichen und die notwendige europäische Sektorkonsolidierung vorantreiben", heißt es in einer Studie.

"Die nicht börsennotierte SWX erreichte 2003 einen Gewinn von 42 Millionen Schweizer Franken; bei einem Multiplikator von 15 und dem aktuellen Frankenkurs von 1,5 ergibt sich ein Transaktionspreis von rund 400 Millionen Euro, der für die Deutsche Börse kein Problem wäre." Merck Finck & Co-Experte Konrad Becker taxierte einen möglichen Kaufpreis auf 400 bis 500 Millionen Euro. Becker schließt in diesem Fall eine Kapitalmaßnahme der Deutschen Börse nicht aus.

Einer möglichen Übernahme steht nach Einsschätzung von Bankgesellschaft Berlin-Analyst Alexander Plenk zudem ein psychologisches Problem: "Die Gefahr ist eher ein weicher Faktor. Die schweizerische Quelle sprach von einer Fusion, obwohl die Größenverhältnisse eher auf eine Übernahme schließen lassen. Die Deutsche Börse muss sorgsam mit diesem schweizer Gefühl umgehen. SWX-Chef Francioni, ehemaliger Vorstand der Deutschen Börse, dürfte hier vermittelnd helfen."

Deutsche Börse Bestätigt Lediglich Einladung ZU Gesprächen

Die Schweizer Börse SWX habe aus Deutschland eine Einladung zu Gesprächen erhalten, bestätigte ein Sprecher SWX Group in Zürich. Der Eigentümer der SWX Group, ein aus 55 Banken zusammengeschlossener Verein, prüfe zur Zeit die von der Deutschen Börse unterbreiteten Vorschläge. "Es ist noch nicht klar, ob man auf dieses Angebot eingehen will."

"Die Einladung ist ausgesprochen, mehr nicht", sagte ein Sprecher der Deutschen Börse AG. Ein Termin für die Entscheidung der SWX- Eigentümer über die Annahme des Gesprächsangebots stehe noch nicht fest, hieß es aus Zürich. Die beiden Börsen betreiben als Joint Venture die weltgrößte Terminbörse Eurex und sind gemeinsam mit dem amerikanischen Finanzdienstleister Dow Jones ("Wall Street Journal") an dem europäischen Index-Anbieter Stoxx beteiligt. "Wir haben permanent Kontakt", betonte der Sprecher der Deutschen Börse. Spekulationen über eine vertiefte Zusammenarbeit waren bereits bei der Bilanzvorlage der Deutschen Börse im März ein Thema gewesen.

SWX Will Aktiv AN Konsolidierungsprozess Mitarbeiten

Die SWX Group teilte in einer schriftlichen Erklärung mit, sie wolle "aktiv beim Konsolidierungsprozess der europäischen Börsen mitarbeiten". Neue Vereinbarungen sollten über niedrigere Kosten und bessere Effizienz den Schweizer Finanzplatz stärken. Der Vorstandschef der Deutschen Börse, Werner Seifert, hatte zuletzt auf der Hauptversammlung im Mai bestätigt, dass sich das Unternehmen an einer weiteren Konsolidierung in der Branche beteiligen könnte.

Eine spektakuläre Fusion der Deutschen Börse mit der London Stock Exchange (LSE) unter dem Namen "iX" war 2000 gescheitert. Inzwischen schlossen sich die Handelsplätze in Paris, Amsterdam und Brüssel zu Euronext zusammen. Seit 2002 gehören auch die portugiesische Börse und die Terminbörse Liffe dazu. Die Deutsche Börse übernahm bereits den weltweit tätigen Transaktions- und Wertpapierdienstleister Clearstream mit Sitz in Luxemburg.

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