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Deutsche und Schweizer Versicherer reagieren gelassen auf WTC-Urteil

Deutsche und Schweizer Versicherungsgesellschaften haben gelassen auf das jüngste Gerichtsurteil zu dem Anschlag auf das World Trade Center (WTC) am 11. September 2001 reagiert. Die Allianz rechnet mit einer zusätzlichen Belastung von maximal 80 Mill. Euro.

dpa-afx FRANKFURT. Deutsche und Schweizer Versicherungsgesellschaften haben gelassen auf das jüngste Gerichtsurteil zu dem Anschlag auf das World Trade Center (WTC) am 11. September 2001 reagiert. Die Allianz rechnet mit einer zusätzlichen Belastung von maximal 80 Mill. Euro. Die Münchener Rück sieht keinen Anlass, ihre Rückstellungen zu erhöhen. Die Aktien der beiden Versicherer notierten am Vormittag zunächst uneinheitlich. Ein New Yorker Gericht hatte am Montag entschieden, dass die Zerstörung der beiden Türme als zwei Schadensfälle und nicht nur als einer anzusehen ist.

Die Allianz wies am Dienstag darauf hin, dass sie die Gesamtschadenssumme für sich bereits im November 2001 auf 1,5 Mrd. Euro beziffert hatte. Dies gelte für die Annahme, dass es sich um einen Schadensfall handelt, hieß es in den bei der US-Wertpapieraufsicht SEC eingereichten Dokumenten. Sollten zwei Schadensfälle zu Grunde gelegt werden, würde sich die Summe um rund 80 Mill. Euro erhöhen.

Analysten: Kein Problem

Analysten der Hypovereinsbank sahen in der Gerichtsentscheidung kein Problem für die Allianz. Sie werde voraussichtlich im laufenden Quartal eine Rückstellung für diesen Betrag bilden. Nach Einschätzung der Helabatrust hat das Urteil kaum eine Bedeutung. Die zusätzliche Belastung für die Allianz sei "nicht dramatisch".

Die Münchener Rück muss ihre Rückstellung für den Anschlag auf das World Trade Center (WTC) im Jahr 2001 trotz des jüngsten US-Gerichtsurteils nicht erhöhen. Auch eine zusätzliche Belastung wäre durch die bereits gebildeten Reserven abgedeckt, erklärte eine Sprecherin. Die Münchener Rück hatte die Gesamtbelastung aus der Zerstörung der beiden Türme auf 2,6 Mrd. Dollar geschätzt. Diese Schadenssumme beruht indes auf der Annahme, dass es sich um ein Schadensereignis handelt und nicht um zwei.

ZFS: Belastung Gering

Die Schweizer Versicherungsgesellschaft Zurich Financial Services (ZFS) bezeichnete die Nettobelastung aus dem Urteil als gering. Ein Sprecher bezifferte den möglichen zusätzlichen Betrag, der auf die Versicherung zukommen könnte, auf maximal 45,7 Mill. Dollar.

Die Schweizer Rückversicherung Swiss Re geht nach eigenen Angaben weiter davon aus, dass es sich bei dem Anschlag auf das World Trade Center (WTC) um ein Schadensereignis handelt und nicht um zwei. Das jüngste Urteil aus der so genannten Phase II habe keinen Einfluss auf die Entscheidungen aus der Phase I, teilte die Versicherungsgesellschaft mit. In der Phase I sei der Vorfall als ein einzelnes Schadenereignis bewertet worden.

Ein US-Gericht war in der Phase I Anfang Mai 2004 noch zu dem Schluss gekommen, dass zwölf von 15 Versicherern des World Trade Centers das so genannte "Wilprop-Formular" verwendet hatten und für sie daher von einem und nicht von zwei Schadensereignissen auszugehen sei. Die zwölf Versicherungsgesellschaften repräsentierten 1,9 Mrd. Dollar der Gesamtdeckungssumme von 3,5 Mrd. Dollar.

Silverstein Begeistert

Der Pächter des World Trade Centers, Larry Silverstein, hatte sämtliche Versicherer auf die Zahlung der doppelten Gesamtsumme verklagt. Er argumentiert damit, dass die Zerstörung der beiden Türme durch zwei Flugzeuge zu zwei verschiedenen Zeitpunkten am 11. September 2001 zwei Schadensereignisse darstelle. Der New Yorker Immobilienmagnat reagierte hocherfreut auf das jüngste Gerichtsurteil: "Ich bin begeistert von dem heutigen Sieg", erklärte Silverstein. Diese Entscheidung bringe eine zusätzliche Milliarde Dollar für einen termingerechten und vollständigen Wiederaufbau des World Trade Centers, hieß es in einer Mitteilung Silversteins.

Die tatsächliche Schadenshöhe wird aber nach Darstellung der Versicherungen erst in den Verfahren der Phase III erfolgen. Darin gehe es um den eigentlichen Wert der Gebäude zum Zeitpunkt des Schadensfalles, erklärte die Zürich Financial.

Allianz Will Rechtsweg Ausschöpfen

Die Allianz erklärte, ihre US-Tochter werde sämtliche Rechtsmittel gegen das Urteil vom Montag ausschöpfen. Ihre französische Rückversicherung Scor sicherte ihr dabei die volle Unterstützung zu. Das jüngste Urteil widerspreche dem Wortlaut und den Bedingungen der gültigen Versicherungspolice sowie dem Wunsch der Parteien.

Am Frankfurter Aktienmarkt legten die Papiere der Münchener Rück bis zur Mittagszeit um rund ein Prozent zu. Allianz-Aktien notierten zunächst mit Verlusten, schafften jedoch die Rückkehr ins Plus in einem allgemein festen Markttrend. Swiss Re und Zurich Financial verzeichneten geringe Verluste. Scor brachen dagegen mit mehr als sechs Prozent ein.

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