Deutsche Unternehmen führen internationale Bilanzregeln ein
Finanzieren ohne Beanspruchung des Eigenkapitals

In den letzten Jahren ist eine Entwicklung zu beobachten, nach der sich die Rechnungslegungsgrundsätze der US-GAAP (United States Generally Accepted Accounting Principles) sowie der IAS (International Accounting Standards) in den Jahresabschlüssen deutscher, international tätiger Unternehmen etablieren.

Diese Tendenz ist Folge des durch die Globalisierung der Märkte wachsenden Interesses der Unternehmen, ihren Finanzierungsbedarf über die Kapitalmärkte zu decken und gleichzeitig an ausländischen Börsen notiert zu sein.

Zugleich gewinnen Leasingtransaktionen im Immobiliensektor zunehmend an Bedeutung. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht stellt das Leasing vor allem ein vorteilhaftes Gestaltungsinstrument für die Finanzierung betrieblicher Investitionen dar. Bei herkömmlicher Objektfinanzierung durch einen Bankkredit hängt die Kredithöhe regelmäßig vom Objektwert ab, der Beleihungswert bleibt infolge des Verwertungsrisikos oft hinter den Anschaffungskosten zurück. Dagegen wird bei Leasingverträgen im Regelfall das Objekt in voller Höhe finanziert.

Die Vorteile des Leasings ergeben sich u.a. aus der Möglichkeit einer Investitionsfinanzierung ohne Inanspruchnahme von Eigenkapital. Ein weiterer wesentlicher Vorzug folgt daraus, dass der Leasingnehmer den Vermögensgegenstand bei entsprechender Ausgestaltung des Vertrages nicht zu bilanzieren hat (offbalance- sheet-financing) und auf diese Weise verschiedene Bilanzrelationen wie etwa Eigen- zu Fremdkapital oder Anlage- zu Umlaufvermögen optimaler dargestellt werden als bei herkömmlicher Kreditfinanzierung.

Eine präzise Definition des Begriffs Leasing und seine Abgrenzung von anderen Vertragsarten bereitet einige Schwierigkeiten. Mangels Legaldefinition und angesichts der Vielfalt differenziert ausgestalteter Vertragsgestaltungen reicht in der Praxis die Einordnung der Leasingverhältnisse vom Mietvertrag bis zum Ratenkaufvertrag. Kennzeichnend für ein Leasingverhältnis ist die zeitlich begrenzte Überlassung von Vermögensgegenständen zur Nutzung und zum Gebrauch gegen Entgelt mit fest definierten Endschaftsregelungen. Dabei verbleibt das zivilrechtliche Eigentum am Vermögensgegenstand regelmäßig beim Leasinggeber.

Im Gegensatz zum deutschen Recht weisen die Vorschriften der US-GAAP sowie der IAS eine Legaldefinition des Leasings auf, die sich allerdings nur unwesentlich von dem in Deutschland vorzufindenden Begriffsverständnis unterscheidet. Auch hier wird Leasing als Vertrag beschrieben, bei dem der Leasinggeber dem-nehmer das Recht zur Nutzung eines "asset" für einen vereinbarten Zeitraum gegen Zahlung von Leasingraten einräumt.

Wesentliches Kriterium jeder Leasingtransaktion ist die Problematik der Zurechnung respektive Bilanzierung des Leasingobjektes. Diese kann nach den Vorschriften des HGB sowie nach jenen der US- GAAP und IAS sowohl beim Leasingeber als auch beim Nehmer erfolgen. Die Zurechnung ist abhängig vom Einzelfall, wobei freilich in den unterschiedlichen Rechtskreisen abweichende Ergebnisse auftreten können.

Erfolgt die Zurechung beim Leasinggeber, so hat dieser das Leasingobjekt mit den Anschaffungs- und Herstellungskosten zu aktivieren und planmäßig über die Nutzungsdauer abzuschreiben. Die mit dem Nehmer vereinbarten Leasingraten werden periodisch erfolgswirksam erfasst. Eine Aktivierung noch nicht fälliger Raten ist im Hinblick auf das Verbot der Bilanzierung schwebender Geschäfte grundsätzlich unzulässig. Auf Seiten des Leasingnehmers stellen die Leasingraten Aufwand dar.

Wird das Objekt dem Leasingnehmer zugerechnet, hat dieser den Vermögensgegenstand zu aktivieren und planmäßig abzuschreiben. Korrespondierend ist auf der Passivseite eine Leasingverbindlichkeit in entsprechender Höhe anzusetzen. Der Geber muss statt des Leasingobjekts eine Forderung gegen den Leasingnehmer aktivieren. Sollen Leasingtransaktionen gemäß den geltenden Rechnungslegungsvorschriften nach US-GAAP oder IAS optimal gestaltet werden, sind die Vertragsmodelle weiterzuentwickeln.

Konkrete Bilanzierungsmerkmale für Leasingtransaktionen

In den Bilanzierungsvorschriften nach US-GAAP finden sich namentlich in SFAS (Statement of Financial Accounting Standards) 13, als die grundlegende Rechnungslegungsvorschrift von Leasingtransaktionen der US-GAAP, konkretisierende Merkmale für die Bilanzierung von Leasingtransaktionen. Gleichermaßen explizit weisen die internationalen Rechnungslegungsnormen gem. IAS 17 (rev 1997) umfangreiche und detaillierte Regelungen hinsichtlich der Bilanzierung von Leasingtransaktionen auf.

Den beiden Regelwerken liegt dabei originär die Auffassung zugrunde, dass das ökonomische Eigentum am Leasingobjekt eine zwingende Voraussetzung für dessen Aktivierung darstellt. Diese Betrachtungsweise ist ein Ausfluss des Grundsatzes "substance over form". Dieser will vorrangig das betriebswirtschaftliche Leistungspotenzial der Leasingtransaktion abbilden.

Hierbei hat die Bilanzierung des Leasingobjektes beim Leasingnehmer zu erfolgen, wenn die überwiegenden Risiken und Chancen, die sich aus dem Eigentum am Leasingobjekt ergeben, auf ihn übertragen werden. Die Leasingverhältnisse, die diese Anforderungen erfüllen, werden als capital (US- GAAP) bzw. finance (IAS) lease qualifiziert, alle anderen als operating lease.

Sowohl SFAS 13 als auch IAS 17 (rev 1997) enthalten eine Reihe von Kriterien, die das Vorliegen eines capital/finance lease näher spezifizieren. Danach muss entsprechend einer jeweilig durchzuführenden Einzelfallprüfung eine Leasingtransaktion regelmäßig beim Leasingnehmer als capital/finance lease klassifiziert und bilanziert werden, wenn eines der folgenden Kriterien erfüllt ist:

Transfer of Ownership: Das Leasingobjekt wird dem Nehmer zugerechnet, wenn am Ende der Vertragslaufzeit das rechtliche Eigentum am Leasingobjekt auf den Leasingnehmer übertragen wird.

Bargain Purchase Option: Das gleiche Ergebnis greift, wenn dem Leasingnehmer eine Kaufoption zu einem Preis eingeräumt wird, von dem angenommen wird, dass er erheblich unter dem bei Fälligkeit der Option geltenden Marktpreis liegt. Dadurch ist zum Zeitpunkt des Vertragsbeginns als hinreichend sicher anzunehmen, dass der Leasingnehmer die Option ausüben wird.

Economic Life: Ferner wird auf das Verhältnis von Vertragslaufzeit und Nutzungsdauer des Leasingobjekts abgestellt. Umfasst die Vertragslaufzeit gemäß SFAS 13 mindestens 75 % bzw. gemäß IAS 17 (rev 1997) den wesentlichen Teil, das heißt 90 % der wirtschaftlichen (Rest-) Nutzungsdauer des Leasingobjektes, wird der Leasingnehmer als dessen wirtschaftlicher Eigentümer qualifiziert.

Recovery of Investment: Schließlich hat der Leasingnehmer das Objekt in seiner Bilanz auszuweisen, wenn der Barwert der Mindestleasingzahlungen zu Beginn des Leasingverhältnisses gemäß SFAS 13 mindestens 90 % des Marktwertes des Leasingobjektes beträgt bzw. im wesentlichen - nach wohl überwiegender Ansicht liegt diese Grenze bei 95% - dem Marktwert des Leasingobjekts entspricht, IAS 17 (rev 1997). Dabei setzt sich der Betrag der Mindestleasingraten vor allem aus den Leasingraten während der zu erwartenden Vertragslaufzeit, dem Betrag eines etwaig garantierten Restwertes und dem Preis bei einer vereinbarten günstigen Kaufoption zusammen.

Sowohl nach der Rechnungslegungsvorschrift des SFAS 13 als auch nach der der IAS 17 (rev 1997) orientiert sich die Differenzierung nach capital/finance lease sowie operating lease und somit zugleich die bilanzielle Zuordnung eines Leasingobjektes danach, in welchem Maße Risiken und Chancen der Transaktion beim Leasinggeber oder beim Leasingnehmer liegen. Qualitative Unterschiede bestehen im wesentlichen in der quantitativen Konkretisierung des Economic Life sowie des Recovery of Investment. Hier eröffnet IAS 17 (rev 1997) im Gegensatz zu SFAS 13 dem Rechtsanwender einen Ermessens- und Interpretationsspielraum.

_______________

Dr. Andreas Pougin, Hannover HL Leasing GmbH, München.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%