Deutsche Unternehmen lassen sich mit Quartalsberichten Zeit – Cisco braucht nur eine Woche
Daimler zieht am schnellsten Bilanz

Der Juli könnte die Zeit der Quartalsberichte sein - wenn sich deutsche Unternehmen nur nicht so viel Zeit mit der Berichterstattung ließen. Die Konkurrenz an der Wall Street zeigt, dass es schneller geht.

WASHINGTON. Wäre die Lufthansa AG an der Wall Street notiert, müsste das Unternehmen mit dem Rausschmiss rechnen. Denn wer an der New Yorker Börse (NYSE) gehandelt wird, der muss spätestens sechs Wochen nach Quartalsende seinen Bericht veröffentlichen. Andernfalls droht das Delisting. Lufthansa braucht für seinen Quartalsbericht zwei Monate - und liegt damit im deutschen Trend. Hier zu Lande lässt man sich Zeit, um Anleger und Analysten zu informieren.

Verglichen mit den USA sind die deutschen Anforderungen an die Informationspflicht börsennotierter Unternehmen ziemlich locker. Von den Gesellschaften, die an der Deutschen Börse gelistet sind, müssen nicht einmal alle einen Quartalsbericht vorlegen. Eine Zweimonatsfrist setzt der Neue Markt und der Kleinwerte-Index Smax, seit diesem Jahr gilt diese Anforderung zudem für die Firmen, die neu in die Indices Dax und M-Dax aufgenommen worden sind.

Meist schöpfen die Firmen die Frist sodann auch aus. Beispiel Medigene: Der Neue-Markt-Wert gibt seinen Bericht für das gerade abgelaufene Halbjahr erst Ende August ab. Die Consors AG ist eine Woche früher dran. In den USA hingegen nutzen die wenigsten Firmen die erlaubten sechs Wochen für ihren Quartalsbericht. So wird der Netzausrüster Cisco seine Halbjahreszahlen bereits eine Woche nach Quartalsschluss veröffentlichen. Zehn Tage genehmigen sich der Internetdienstleister Yahoo und der Technologiekonzern General Electric. Wal Mart kommt Mitte Juli, zwei Wochen nach Quartalsende.

"Die amerikanischen Analysten wollen nicht so lange warten. Die Unternehmen versuchen daher, ihree Zahlen möglichst schnell zu veröffentlichen", sagt Michael Scholz von Arthur Anderson, New York. Bei Jahresabschlüsen sei die Schnelligkeit noch wichtiger. Um den Bericht schnell fertig zu machen, würden die Bücher bereits Ende November geschlossen. Bei diesem so genannten "Fast Close" (schneller Schluss) beruhten die Zahlen für Dezember auf Erfahrungswerten. "Die schnelle Berichterstattung hat in den USA Tradition. Daher sind die Schätzungen sehr genau", ergänzt Ralf Brammer, Präsident des Deutschen Investor Relation Kreises (DIRK). Das Prinzip schneller Berichterstattung werde auch auf die Quartalsberichte übertragen.

Das führt dazu, dass kleinere Posten wie Urlaubsrückstellungen auch für die Quartalsergebnisse geschätzt werden. Dennoch gelingt es den an der Wall Street notierten Unternehmen einen Quartalsbericht vorzulegen, der, obgleich ohne Testat, in seiner Ausführlichkeit an einen Jahresabschluss erinnert.

Verglichen mit den ausführlichen amerikanischen erinnern die deutschen Quartalsberichte manchmal an Pressemitteilungen. Die laschen Anforderungen hinterlassen ihre Spuren: So nennt ein Kritiker die früheren Quartalsberichte von Philip Holzmann "vierseitige Flyer" - ohne Bilanz oder gar Anhang. Andere Unternehmen wie etwa die Deutsche Telekom, schlagen einen Zwischenweg ein und veröffentlichen vorläufige Quartalsberichte. Insider halten diese für gefährlich, da man die vorläufigen Zahlen immer etwas tiefer als die tatsächlichen ansetze, um später in besserem Licht zu erscheinen.

Dennoch scheint sich die Informationspolitik der Konzerne auch hier zu Lande zu bessern: "Viele Unternehmen veröffentlichen inzwischen ihre Abschlüsse freiwillig schneller", sagt Ursula-Brita Schneider von der Deutschen Börse AG. Auch Gerhart Förschle, Mitglied der Geschäftsleitung bei PWC Deutsche Revision AG sieht eine Tendenz zu kürzeren Fristen. Bei Quartalsabschlüssen würden die Unternehmen verstärkt versuchen, ähnlich dem Fast Close an die Öffentlichkeit zu gehen. "Das Rechnungswesen muss darauf vorbereitet sein, um rechtzeitig abzuschließen". Außerdem müsse auch der Prüfer mit im Boot sein.

Dennoch fährt die Porsche AG in die andere Richtung. Porsche-Chef Wendelin Wiedeking weigert sich überhaupt, einen Quartalsbericht vorzulegen. Deshalb wird der Sportwagenhersteller wohl am 7. August aus dem M-Dax ausgeschlossen.

Dass solche Zurückhaltung inzwischen nicht mehr die Regel ist, beweist die Konkurrenz. Joachim Milberg und Ferdinand Piëch, die Chefs von BMW und VW, präsentieren ihre Zahlen am 1. August, einen Monat nach Quartalsende. Sieger des deutschen Wettstreits aber ist Konkurrent Jürgen Schrempp: Drei Wochen nach Quartalsende wird die Daimler-Chrysler AG ihre Halbjahreszahlen veröffentlichen - Geschwindigkeitsrekord in Stuttgarter. Daimler-Manager Michael Pfister: "Seit wir an der NYSE notiert sind, müssen wir schneller sein".

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