Deutsche Unternehmen meiden Gang an US-Kapitalmarkt
Eine Börsennotiz in USA wird unattraktiver

Lange Zeit war der US-Kapitalmarkt für ausländische Unternehmen attraktiv. Doch nun sind die Emissionen so genannter ADRs (American Depositary Receipts) dramatisch zurückgegangen.

bba/wsj NEW YORK. Ein Großteil ausländischer Firmen nutzt für das Listing an einer US-Börse ADRs. Im vergangenen Jahr brachen diese ADRs um 70 % auf 8,4 Mrd. $ ein; in den ersten zehn Monaten 2002 fielen die Emissionen nochmals um rund die Hälfte auf 4,4 Mrd. $. Das geht aus einer Statistik der US-Investmentbank Citigroup Inc. hervor. Damit hat auch die Emission von ADR-Zertifikaten im Jahr 2000 ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht. In diesem Boomjahr brachten ausländische Firmen durch Börsengänge in den USA Gelder über 30 Mrd. $ auf.

ADRs sind übertragbare Wertpapiere, die von Treuhänderbanken wie der Bank of New York ausgegeben werden. Sie verbriefen einen Herausgabeanspruch auf die Original- Papiere; die zu Grunde liegenden Aktien werden bei der Bank hinterlegt. Dafür zahlt der Emittent Ausgabe- und Rücknahmegebühren. ADRs bieten Firmen die Möglichkeit, Inhaberaktien in Namensaktien umzuwandeln. Dies ist Voraussetzung für den Börsengang in den USA. Und ADR-Zertifikate waren bislang ein beliebtes Zahlungsmittel für Firmenübernahmen.

Doch neuerdings scheinen ausländische Firmen um ADRs einen großen Bogen zu machen. Selbst wenn sich die Wirtschaft wieder erholt, so glauben Experten, werde die Emission von ADRs nicht so schnell das alte Niveau erreichen. Nach Ansicht einiger Analysten lässt sich der starke Rückgang nicht ausschließlich durch die allgemeine Krise am Finanzmarkt oder eine generelle Müdigkeit bei Börsengängen (IPO) erklären. Der Grund liege viel mehr im weltweiten Rückgang der Mergeraktivitäten und in der Verdrossenheit der Firmen, die bereits in den USA gelistet sind.

Denn die neue Corporate-Governance Gesetzgebung, besonders das Börsengesetz gegen Bilanzfälschung (Sarbanes-Oxley Act) gilt für "Ausländer" als harter Brocken. Das Kernstück des US-Gesetzes sieht einen persönlichen Bilanzeid der Vorstände und Finanzchefs vor. Dagegen wird in Europa im Rahmen der Reform des EU-Gesellschaftsrechts derzeit diskutiert, dass Vorstand und Aufsichtsrat börsennotierter Gesellschaften gesamtschuldnerisch für falsche Finanzinformationen haften sollen.

Abgeschreckt von der verschärften Regelung in den USA wurde beispielsweise die Porsche AG. Sie hat im Oktober ihr Listing an der New Yorker Börse (Nyse) aufgeschoben. Das Stuttgarter Unternehmen fragt sich inzwischen sogar, ob die New Yorker Notierung - bislang galt diese aus Imagegründen als fast unabdingbar - überhaupt notwendig ist. Auch das Brokerhaus Daiwa Securities hat den Börsengang am "Big Board" verschoben. Bisher stehe noch nicht fest, inwieweit Sarbanes-Oxley vom Börsenrecht in Japan abweiche, hieß es bei Daiwa. Andere Firmen, die bereits in den USA gelistet sind, zeigen sich derweil unzufrieden mit dem Handelsvolumen. So der Luxusgüterkonzern LVMH, der kürzlich vom Nasdaq Stock Market delistet wurde.

Einige Börsenexperten halten den Rückgang der ADR-Emissionen hingegen für eine klare Reaktion auf die rauen Marktbedingungen. Kurt Schneiber, Global Managing Director für ADRs bei der Citibank in New York, glaubt, dass die Nachfrage wieder anzieht, sobald die Talsohle durchschritten ist.

Quelle: Handelsblatt

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