Deutsche Unternehmen planen zu ungenau
Planung mit Weitsicht

Eine aktuelle Studie zeigt, dass die Unternehmensplanung in deutschen Unternehmen teilweise noch unzulänglich ist: Zu starr, zu ungenau. Dabei beweisen einige Firmen, dass auch flexible, Vorausplanung mit wechselndem Zeithorizont möglich ist.

DÜSSELDORF. Wie plant man das Zahlenwerk für einen Konzern, dessen Produktpalette vom Mobiltelefon bis zum Kernkraftwerk reicht? Roland Lochner, Chief Information Officer bei Siemens Industrial Solutions and Services (I&S) in Erlangen, schlägt sich seit einiger Zeit mit diesem Problem herum: "Beim Anlagenbau geht es um die Angebotskalkulation, die Bauplanung unter Einbeziehung der Zulieferer und die Abrechnung. Das ist etwas ganz anderes als die verbraucherorientierte Vertriebsplanung von Massenprodukten, die unter dem Motto steht: ,Wie viel kann ich davon absetzen??"

Um den Weg eines Konzern ins nächste Jahr planen zu können, müssen aber auch solch unterschiedliche Zahlenwerke zusammengefahren werden: "Da gibt es schon mal Probleme mit der Datenqualität", sagt Lochner und erläutert: "Je detaillierter eine Planung ist, desto mehr beruht sie natürlich auf Annahmen, die sich später als unzutreffend erweisen können." Hinzu kommt, dass Lochner bisher auf die Arbeit mit drei Software-Lösungen angewiesen war: "Mit drei Tools kommt man auf die Dauer nicht weiter."

Vor einer ähnlichen Aufgabenstellung sehen sich die meisten Planer großer Unternehmen. Um einmal zu erfahren, was in Deutschland Stand der Planungstechnik ist, schickte die Unternehmensberatung Accenture Ende letzten Jahres den Dax-100- sowie weiteren 80 Unternehmen einen umfangreichen Fragebogen zu. Die Ergebnisse der Studie, deren Rücklaufquote mit 35 Prozent ungewöhnlich hoch ausgefallen ist, liegen Karriere jetzt vor.

Erwartungen der Investoren erfüllen

Accenture-Partner Andreas H. Schuler, der das Projekt betreut, wertet die Angaben der Unternehmen vor dem Hintergrund dessen, was er für eine optimale Planung ansieht: "Die traditionelle Finanz- und Budgetplanung ist nicht mehr aktuell und zuverlässig genug, um den Geschäftsführungen die Daten zu liefern, die sie für ihre Entscheidungen brauchen." Nicht nur auf vielen Märkten hätten sich die Produktlebenszyklen verkürzt, sondern auch die Finanzmärkte forderten von den Unternehmen, die Planzahlen zu erreichen und damit die Erwartungen der Investoren zu erfüllen.

Als Konsequenz, so Schuler, bräuchten die Unternehmen eine Steuerung nach relativen Zielen, die ständig aktualisiert werden, auf einer breiten Datenbasis beruhen und in einer Plattform zusammenfließen. Wie sieht demgegenüber die Praxis aus?

Nur 36 Prozent der Unternehmen orientieren sich bei ihrer Planung an externen Messgrößen wie etwa Marktindizes. Sie verzichten also darauf, sich Ziele zu setzen, die aus einem Vergleich mit ihrem Umfeld entstehen, sondern orientieren sich an absolut gesetzten Vorgaben. Die aber können die Planer in falscher Sicherheit wiegen: Auch wenn eine Firma gute Wachstumsraten erzielt, kann es sein, dass sie relativ gesehen zurückfällt, weil sich der Markt besser entwickelt. Viele Firmen haben die Gefahr erkannt: In drei Jahren wollen zusätzliche 15 Prozent der Unternehmen externe Messgrößen heranziehen.

Deutsche Unternehmen hinken nach

"Bei der Aktualisierung ihrer Planung sind die deutschen Unternehmen vom internationalen ,Best Practice? weit entfernt", stellt Andreas Schuler fest: Nur 37 Prozent schreiben ihre operative Planung auch unterjährig fort; einen ,Rolling Forecast?, bei dem die Planzahlen monatlich für vier bis fünf Quartale im Voraus aktualisiert werden, setzen sogar nur elf Prozent der Antwortgeber ein. Nach eigenem Bekunden wollen allerdings in drei Jahren bereits nahezu dreimal so viele Firmen, nämlich 29 Prozent, einen rollierenden Forecast erstellen, während bis dahin über die Hälfte, 53 Prozent, ihre operative Planung häufiger als einmal im Jahr aktualisieren wollen.

Erstaunlich: "51 Prozent der Unternehmen beziehen ihre dezentralen Funktionsbereiche und 33 Prozent ihre dezentralen Geschäftseinheiten in ihre Vorausplanung nicht ein!", stellt Schuler fest und wundert sich: "In Unternehmen, die sich in stark dynamischen Märkten bewegen, ist doch das aktuelle und relevante Datailwissen vor allem dezentral vorhanden."

Wer dezentrales Wissen mit hoher Qualität und unter Vermeidung von Doppelarbeit zusammenführen will, sollte es vermeiden, dass die Daten mehrfach erfasst werden müssen. Dennoch verwenden erst 32 Prozent der Unternehmen eine Datenbasis, die von den dezentralen Planungseinheiten und der Unternehmensführung gemeinsam genutzt werden kann. "Und nur 41 Prozent nutzen heute ein System zur Datenverarbeitung, in dem Planungsdaten und Ist-Berichterstattung direkt gegenübergestellt und analysiert werden können", sagt Schuler.

Risikomanagement ist kaum machbar

Bestätigt wird diese Einschätzung von Prof. Rainer Thomé, einem Wirtschaftsinformatiker in Würzburg, in dessen Business Application Research Center regelmäßig Betriebssoftware auf ihre Eignung für die Planung geprüft wird: "Nach unserer Erfahrung planen 95 Prozent der Unternehmen nur mit type="organisation" value="US5949181045">Microsoft Excel." Hier sei die Zusammenführung von Daten aus verschiedenen Bereichen sehr schwierig und müsse zum großen Teil mit der Hand vorgenommen werden. Ein Risikomanagement, wie es gesetzlich vorgeschrieben ist, sei auf dieser Basis kaum zu betreiben. Und der Professor nickt mit dem Kopf, als sein Assistent Carsten Bange feststellt: "Wir sind häufig erschrocken, dass die Planung auch bei bekannten Firmennamen in Handarbeit läuft. Man kann sich nicht vorstellen, wie dilettantisch Unternehmen oft geführt werden."Ein DV-Programm, das seine Anforderungen weitgehend erfüllt, sei die Software Risk Management von MIS, die eben nicht nur das Risikomanagement abdeckt, sondern auch "einen integrierten Ansatz der Unternehmensplanung": Die Daten werden automatisch zusammengeführt und können in unterschiedlichen Szenarien zur Simulation eingesetzt werden, hat Thomé festgestellt.

Auch Roland Lochner glaubt, dass er sein Problem für Siemens I&S gelöst hat: "Wir haben jetzt eine Planungsplattform, die alle unsere heterogenen Geschäftsfelder abdecken kann." Als Prototyp setzt er das SAP-Modul BPS (Business Planning and Simulation) ein, das auf dem SAP Business Information Warehouse Programm von SAP aufsetzt.

Oft fehlt "Komponente der Ehrlichkeit"

Wie bei jedem Managementthema gilt aber auch hier: Die Menschen müssen mitspielen. Wenn die Unternehmen von der starren Planung in Jahresbudgets wegkommen wollen, um schneller und genauer zu werden, dann, so sieht es Andreas Schuler, muss ins Anreizsystem für Führungskräfte eine "Komponente der Ehrlichkeit" aufgenommen werden: Abweichungen von der Planung dürften nicht mehr gleich bestraft werden - und sei es auch nur durch straffere Führung. Dies habe nur zur Folge, dass Führungskräfte verschweigen, wenn ihre Zahlen sich anders entwickeln - in der Hoffnung, dass sich im Laufe des Jahres oder des Projekts noch alles hinbiegen lässt. Neben einer Planerreichung sollten deshalb diejenigen, die frühzeitig Änderungen feststellen und melden, belohnt werden.

Leidtragende einer solchen Entwicklung wären laut Schuler dann solche Vorstände, die das starre Jahresbudget und seine Manipulationsmöglichkeiten nutzen, um ihre variablen Gehaltsanteile hochzuschrauben. "Da heißt es dann: Wie viel ist am Jahresende übrig? Wie hoch ist die Ausschüttung? Wie hoch fällt demnach die Tantieme aus?" Vom geschäftlichen Standpunkt her, so Schuler, habe dies nichts mit Planung zu tun, sondern sei "reine Willkür".

Die Zusammenfassung der Broschüre "Effiziente Planung" kann kostenlos bestellt werden bei Accenture, 089/93081-68544.

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