Deutsche Verbindungsoffiziere vor Ort
Angeblich 58 Tote nach US-Angriffen in Afghanistan

Bei US-Luftangriffen auf die Gebirgsregion Tora Bora im Osten Afghanistans sind einem Agenturbericht zufolge seit Sonntag 58 Menschen getötet worden. Die Nachrichtenagentur AIP meldete am Montag, außerdem sei eine rund 20 Mann starke US-Spezialeinheit in der Gegend gelandet, wo sich ein unterirdisches Versteck des Extremistenführers Osama bin Laden befinden soll.

Reuters KABUL. Auch Ziele um die Taliban-Hochburg Kandahar wurden Zeugen zufolge am Montag weiter bombardiert, während paschtunische Kämpfer am Boden ihren Angriff auf den Flughafen der Stadt fortsetzten. Der ehemalige stellvertretende Taliban-Innenminister Hadschi Mullah Chaksar sagte in einem Interview, Taliban-Anführer Mullah Mohammad Omar werde bis zum Tod kämpfen.

Die US-Spezialeinheit sei am frühen Sonntagmorgen von zwei Hubschraubern in der Provinzhauptstadt Dschalalabad abgesetzt worden, meldete AIP unter Berufung auf Quellen in der Gegend. Die Soldaten sollten mit den dortigen Behörden eine mögliche Operation in dem Gebiet Tora Bora diskutieren, hieß es in dem Bericht.

Heftiges Bombardement von Tora Bora

Unter Berufung auf den Polizeichef der Provinz berichtete AIP, US-Flugzeuge hätten Tora Bora und die umliegenden Gegend seit Sonntagabend heftig bombardiert. Dabei seien schätzungsweise 58 Menschen getötet worden. Ein Behördenvertreter in Dschalalabad sagte, in der Nacht zuvor seien bei Angriffen 20 Zivilisten getötet worden. Das US-Oberkommando teilte mit, es seien nur militärische Ziele der Taliban und der El Kaida getroffen worden. Tora Bora liegt rund 45 Kilometer südlich von Dschalalabad im Osten Afghanistans. US-Außenminister Colin Powell sagte, es sei nur eine Frage der Zeit, bis die Taliban besiegt und Bin Laden gefunden seien.

Ein aus der Gegend um Kandahar geflüchteter Zeuge berichtete von sehr schweren Luftangriffen. Der Agentur AIP zufolge wurden bei den Bombardements auch zwei Zivilisten getötet. Es gab keine unabhängige Bestätigung dafür. Zuvor hatte ein Sprecher der paschtunischen Kämpfer gesagt, die dort verschanzten mehreren hundert Kämpfer Bin Ladens hätten heftige Gegenwehr geleistet. Die Schlacht um Kandahar steht nach Einschätzung der US-Armee nunmehr vor einem Wendepunkt.

"Taliban werden eher sterben als sich zu ergeben"

Der ehemalige stellvertretende Taliban-Innenminister Chaksar sagte, die Taliban würden eher sterben als sich zu ergeben. Die blutige Niederschlagung der Gefangenenrevolte im Gefängnis Kala Jangi bei Masar-i-Scharif habe sie darin bestärkt. Taliban-Anführer Omar wisse, dass die Amerikaner ihn auf jeden Fall töten würden, sagte Chaksar in einem Interview. "Warum sollte er dann nicht im Krieg sterben?" Alle 600 Gefängnisinsassen, darunter zahlreiche Taliban-Kämpfer, waren nach der Niederschlagung der Revolte zunächst für tot gehalten worden. Es haben jedoch 80 Männer überlebt.

Die USA hatten am 7. Oktober mit ihrem Krieg gegen die Taliban begonnen. Sie halten Bin Laden und seine Gruppe El Kaida für die Urheber verschiedener Attentate auf US-Einrichtungen, zuletzt die Anschläge vom 11. September auf das World Trade Center in New York und das Pentagon bei Washington.

Zu Angaben des US-Militärs, ein deutscher Verbindungsoffizier arbeite mit US-Soldaten auf einem Feldflugplatz im Süden Afghanistans zusammen, sagte ein Sprecher des deutschen Verteidigungsministeriums am Montag, das Ministerium gebe grundsätzlich zu Einsatzorten und Operationen keinen Kommentar. Deutschland habe "natürlich Erkundungskommandos benannt", sagte der Sprecher. "Zu deren Einsatzorten und angedachten Operationen geben wir aus wohl erwogenen Gründen keine Auskunft."

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