Deutsche Versicherer schweigen zu Engagements
Freddie Mac lässt Großanleger zittern

Führende deutsche Versicherer halten sich über ihr mögliches Engagement bei dem zweitgrößten US-Immobilienfinanzierer Freddie Mac bedeckt oder sind eigenen Angaben zufolge nicht involviert. Freddie Mac hatte am Montag seine Führungsspitze wegen unzureichender Zusammenarbeit mit den Bilanzprüfern entlassen. Die US-Börsenaufsicht will einem Zeitungsbericht zufolge den Konzern überprüfen.

hus/HB DÜSSELDORF. Bei dem weltweit größten Rückversicherer Münchener Rück wie auch bei der Allianz, einem der größten institutionellen Investoren der Welt, hieß es am Dienstag, zu Einzelengagements würden keine Angaben gemacht. Ein Sprecher der Münchener Rück-Tochter, der Düsseldorfer Erstversicherer Ergo, sagte indes, man sei bei Freddie Mac nicht involviert. Desgleichen äußerte sich ein Sprecher des Versicherungskonzerns AMB.

Freddie Mac hatte am Montag sein gesamtes Spitzenmanagement wegen mangelnder Kooperation bei der Prüfung der Bilanzen 2000 bis 2002 entlassen. Das "Wall Street Journal" berichtete, die US-Börsenaufsicht SEC werde prüfen, ob Freddie Mac gegen Börsengesetze verstoßen habe. Dabei gehe es im Besonderen um die Frage, ob der zweitgrößte US-Baufinanzierer Einnahmen verschoben hat, um künftige Ergebnisse zu glätten. Zudem solle geprüft werden, ob der Präsident und der Finanzchef des Unternehmens falsche Finanzberichte zertifiziert haben. Dem Institut drohen striktere Offenlegungspflichten.

Der Konzern und sein größeres Schwesterunternehmen Fannie Mae haben den staatlichen Auftrag, die Finanzierung von Immobilien zu erleichtern. Freddie Mac, Fannie Mae und das dritte Schwesterinstitut Ginnie Mae verwalten Hypothekenkredite über rund 3,3 Billionen Dollar und kontrollieren damit etwa 40 Prozent dieses Marktes in den USA. Freddie Mac und Fannie Mae kaufen Hypotheken, bündeln sie in handelbare Wertpapiere und verkaufen sie an internationale Investoren.

Auch in die Euro-Zone hat Freddie Mac Anleihen platziert. Erst Ende Januar hatte die Hypothekenagentur am Euro-Kapitalmarkt beispielsweise eine Anleihe im Volumen von vier Milliarden Euro aufgenommen. Ein Jahr zuvor hatte das Unternehmen bereits fünf Milliarden Euro für eine fünfjährige Laufzeit aufgenommen.

Unter Experten wächst jetzt die Sorge, dass der US-Immobilienmarkt einbricht oder zumindest an Dynamik verliert. Er gilt als wichtigste Stütze der US-Konjunktur. Fannie-Mae-Vorstandschef Franklin Raines sagte der Nachrichtenagentur Bloomberg, er rechne nicht damit, dass die in den letzten Jahren stark gestiegenen Immobilienpreise einbrechen würden. "Wir sehen keine Anzeichen von einer Blase, die bald platzen wird", sagte er.

Ein Einbruch der Immobilienpreise hätte nicht nur für die US-Wirtschaft prekäre Folgen sondern auch für das gesamte Bankensystem. Der Chef-Volkswirt der Northern Trust Bank in Chicago, Paul Kasriel, weist darauf hin, dass alle von US-Banken vergebenen Kredite zu 57 % aus Hypothekendarlehen besteht. "Sollten die Immobilienpreise jetzt einbrechen, dürften viele Institute in Schwierigkeiten geraten", sagte er. Unter dem Strich bleiben ernste Zweifel, ob die drei im staatlichen Auftrag tätigen Institute den Hypothekenmarkt weiterhin anheizen können wie bisher. US-Konsumenten haben sich bisher über den gestiegenen Wert ihrer Eigenheime und immer billigere Hypothekendarlehen neue Einkommensquellen erschlossen.

Der Aktienkurs von Freddie Mac stabilisierte sich gestern, nachdem er am Vortag eingebrochen war. Fannie-Mae-Titel gaben weiter nach.

Quelle: Handelsblatt

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