Deutsche Wirtschaft im Tal der Tränen
HWWA erwartet Stagnation

Das Hamburgische Welt-Wirtschafts-Archiv (HWWA) erwartet im laufenden Jahr nur noch eine Stagnation der deutschen Wirtschaft. In den ersten beiden Quartalen dürfte das Land sogar in einer leichten Rezession stecken.

Reuters BERLIN. Auch für 2004 reduzierte das HWWA seine Wachstumsprognose und geht nur noch von einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 1,5 % aus, wie das Institut am Dienstag in Hamburg mitteilte. In ihrem gemeinsamen Frühjahrsgutachten waren die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute noch von einem BIP-Zuwachs von 0,5 % in diesem und von 1,8 % im kommenden Jahr ausgegangen. Als Gründe für die anhaltende Stockung der wirtschaftlichen Entwicklung nannten die HWWA-Forscher eine Häufung von Schocks wie den Irak-Krieg.

Rezessionskriterium wohl erfüllt

Nach dem Rückgang des BIP im ersten Quartal um 0,2 % zum Vorquartal und einem voraussichtlichen Schrumpfen der Wirtschaftsleistung im zweiten Vierteljahr erfülle Deutschland in der ersten Jahreshälfte 2003 erneut formal das Kriterium für eine Rezession, erklärte das HWWA. Neben dem Irak-Krieg zählte das Institut zu den Ursachen auch den Kursverfall an den internationalen Aktienmärkten, die anhaltenden Folgen der Anschläge vom September 2001, den zweitweiligen Anstieg des Ölpreises sowie die kräftige Euro-Aufwertung zum US-Dollar.

Die Arbeitslosigkeit werde im laufenden Jahr im Durchschnitt voraussichtlich bei 4,45 Mill. liegen und 2004 auf 4,52 Mill. steigen, erwarten die Ökonomen. Die Chancen für eine allmähliche Belebung der Konjunktur in der zweiten Hälfte diesen Jahres seien aber nach wie vor gegeben. "Hoffnung macht das Nachlassen der geopolitischen Spannungen sowie die Stabilisierung der Aktienkurse." Überdies sei zu erwarten, dass die Konjunktur in den USA dank massiver Ankurbelungsbemühungen durch die Geld- und Finanzpolitik spürbar anziehe und damit auch die Weltkonjunktur insgesamt an Fahrt gewinnen werde.

Deflation angeblich noch kein Problem

Ein Risiko für die Belebung der deutschen Wirtschaft im Gefolge der USA machten die Forscher in der Entwicklung des Euro-Kurses aus. Bei der HWWA-Prognose ist unterstellt, dass das Euro-Dollar-Kursverhältnis etwa auf dem gegenwärtigen Niveau verharrt. Am Dienstagmittag notierte der Euro bei Kursen knapp über 1,18 Dollar. "Die kräftige Aufwertung (des Euro) in den letzten Monaten, die auch im Zusammenhang mit dem deutlichen Anstieg der Leistungsbilanz- und Haushaltsdefizite in den USA steht, bringt bereits spürbare Belastung", warnten die Forscher.

Das HWWA warnte zudem davor, dass sich Schwächetendenzen in der deutschen Wirtschaft verfestigen und eine Deflation hinzu kommen könnte. "Insbesondere Deutschland gilt zunehmend als Kandidat für japanische Verhältnisse", schrieben die Experten. Japan kämpft seit Jahren mit einem hartnäckigen Verfall des Preisniveaus. Die HWWA-Forscher merkten jedoch an, für das Unterschreiten der "Schwelle zur Deflation", die bei einem Anstieg der Verbraucherpreise um ein Prozent liege, seien vor allem außenwirtschaftliche Gründe verantwortlich, so der sinkende Ölpreis und die zurückgehenden Importpreise in Folge der Euro-Aufwertung. Auch gebe es keine Anzeichen für eine nachhaltige, alle Branchen erfassende Gewinnkompression.

Die HWWA-Forscher zogen daher den Schluss, dass für Deutschland und mehr noch den Euro-Raum insgesamt keine unmittelbare Deflationsgefahr bestehe. "Je länger die Stagnation andauert, desto größer werden aber auch die Deflationsrisiken." Insofern sei nachzuvollziehen, dass die Europäische Zentralbank versuche, Deflationsgefahren schon frühzeitig mit einer expansiven Geldpolitik zu begegnen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%