Deutsche Wirtschaft traut Koalition und Opposition immer weniger zu
Ansehen der Bundesregierung fällt auf tiefsten Stand seit Jahren

Nicht nur in der eigenen Partei nimmt das Ansehen von Gerhard Schröder allem Anschein nach mehr und mehr Schaden. Auch die Führungskräfte der deutschen Wirtschaft haben eine klare - und denkbar schlechte - Meinung über die Leistung ihres Bundeskanzlers, wie der Handelsblatt Business-Monitor zeigt.

DÜSSELDORF. Denn auch im Dezember setzte das Ansehen von Regierung und SPD-Spitzenpolitikern seine Talfahrt fort. Neun von zehn der regelmäßig für das Handelsblatt befragten Top-Manager bewerten die Arbeit des Kabinetts inzwischen als schlecht oder sehr schlecht.

Schlechte Noten für Schröder

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Gleiches gilt für die persönliche Leistung von Schröder und Finanzminister Hans Eichel. Bei beiden sank die Durchschnittsnote gegenüber dem Vormonat von 4,1 auf 4,4. Viel schlechter kann sie nicht ausfallen, denn die Skala des Monitors reicht nur von 1 (sehr gut) bis 5 (sehr schlecht). Die negativsten Zahlen seit Beginn der Befragungen vor dreieinhalb Jahren sind die aktuellen Werte ohnehin.

Jeweils 54 % benoten das Auftreten von Eichel und Schröder sogar mit der schlechtesten Bewertung "5", 35 bzw. 36 % mit einer "4". Der rasante Vertrauensverlust von Kanzler und Regierung wird auch daran deutlich, dass im Dezember nur noch ein Zehntel der Befragten die Noten "2" oder "3" verteilen. Im November waren es noch doppelt, im Oktober 2002 viermal so viele.

Im Vergleich dazu stuft die deutsche Wirtschaftselite den "Superminister" für Wirtschaft und Arbeit, Wolfgang Clement (SPD), um einiges freundlicher ein: Er erhält eine Bewertung von 3,6 - nach 3,4 im November. Die Meinungen über seinen Start im neuen Amt sind geteilt, doch immerhin 45 % finden, Clement mache seine Sache sehr gut, gut oder befriedigend.

Wie auch der Kanzler erfährt der Minister die größte Unterstützung weiterhin in Ostdeutschland. Dagegen gehen die befragten Manager der Region "Mitte" mit den Spitzenkräften der Sozialdemokraten im bundesweiten Vergleich am härtesten ins Gericht. Selbst im unionsdominierten Süden kommen diese Politiker auf deutlich bessere Werte.

Auffallend ist, dass die Opposition die für sie eigentlich günstige Lage nicht nutzen kann, um sich in den Unternehmen stärker zu profilieren. Die Leistungsbewertung der Union liegt mit einer Note von 3,3 unterhalb des Mittelmaßes. Auch im Vergleich zum Vormonat können sich CDU und CSU nicht verbessern: 36 % der Befragten bewerten die Arbeit der Union als schlecht oder sehr schlecht. Und obwohl die CDU-Chefin Angela Merkel unter den im Rahmen des Business-Monitors bewerteten Spitzenpolitikern noch am besten abschneidet, sinkt ihr Ansehen seit Oktober 2002 kontinuierlich. Im Dezember erhält sie eine Note von 2,9, nachdem sie im November noch auf 2,8 und im Oktober sogar auf 2,7 gekommen war.

Der Zorn der Führungskräfte entlädt sich auch über den Liberalen: Wie im Vormonat erhält die FDP - Opposition eine Durchschnittsnote von 4,2. Zusammen 83 % der Manager meinen, die nahezu ausschließlich mit der Bewältigung der Finanzaffäre präsente FDP leiste schlechte oder sehr schlechte Arbeit. Auch die Mühen des Parteichefs Guido Westerwelle, die Affäre zu beenden, stoßen bei den Managern auf kritische Resonanz: Seine Note verharrt bei 4,0 - mit Westerwelle sind 72 % der Führungskräfte unzufrieden.

Quelle: Handelsblatt

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