Deutsche Wirtschaft verpatzt Auftragschancen
Olymia 2008 : Zu spät vermarktet

Der deutschen Wirtschaft droht bei der Auftragsvergabe für die Olympischen Spiele 2008 eine Pleite.
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PEKING. Bereits bei seinem ersten Besuch bei Pekings Bürgermeister Liu Qi musste Heinrich v. Pierer die Notbremse ziehen. Geistesgegenwärtig ließ der Siemens-Chef und Vorsitzende des Asien-Pazifik-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft (APA) ein Papier seiner Delegation wieder unauffällig in der Aktentasche verschwinden. Während des Gesprächs mit Liu hatte Chinakenner v. Pierer bemerkt, dass die deutsche Offerte für die Beteiligung der Wirtschaft an den Vorbereitungen für die Olympischen Spiele 2008 in Peking nicht zu den chinesischen Bedürfnissen passt.

Das war Anfang November vergangenen Jahres. Seitdem werkeln die Deutschen an einer neuen Präsentation. Immerhin hat die Offensive seit Anfang April schon mal einen Namen: "Task Force Beijing 2008".

Weil dem Leiter der Truppe, Matthias Kleinert, bei DaimlerChrysler verantwortlicher Leiter des Bereichs Politik und Außenbeziehungen, jedoch immer mehr die Zeit wegläuft, versucht gleichzeitig ein knappes Dutzend deutscher Unternehmer, im Alleingang einen Termin beim Bürgermeister zu bekommen. Vergeblich. Die Chinesen erwarten, dass sich die deutschen Unternehmen, wie die anderer Länder auch, erst einmal national koordinieren, ehe sie bei ihnen vorstellig werden.

Die Briten haben sich schon vor einem halben Jahr präsentiert. Auch die Franzosen waren schon in Peking. Am 1. Juli wollen nun endlich auch die deutschen Firmen gemeinsam mit Bundeswirtschaftsminister Werner Müller bei der Pekinger Stadtverwaltung um Aufträge werben. Der Termin steht seit Mitte April. Dennoch dauerte es vier Wochen, bis die Einladungen an die Unternehmen rausgingen. Diese hatten so nur sechs Wochen Zeit, sich vorzubereiten.

Insgesamt 20 Unternehmen wollen sich an der Präsentation des "gesamten olympia-relevanten Know-hows der deutschen Wirtschaft" (so das Einladungsschreiben) beteiligen, darunter der Tontechnikspezialist Sennheiser, die Bayer AG, die saarländische DSD Dillinger Stahlbau, der Spediteur Schenker sowie die Bauunternehmen Bilfinger & Berger und Philipp Holzmann.

Wen die Deutschen im Pekinger Sheraton Hotel tatsächlich antreffen werden, ist noch völlig unklar. Ob der Bürgermeister, der laut APA-Plan von "14.57-15.05 Uhr" sprechen soll, kommt, ist keineswegs sicher. Das Gleiche gilt für Zeng Peiyan, Chef der mächtigen Zentralen Planungskommission. Grund: Die offiziellen Einladungen an das Olympia-Vorbereitungsteam und die Pekinger Stadtverwaltung gingen erst Mitte Juni raus - gut zwei Wochen vor dem Termin.

Dabei hat Peking viel vor für 2008. Für die Chinesen sind die Spiele eine Frage des nationalen Prestiges. Seit der Staatsgründung im Jahre 1949 gab es kein Ereignis, das den Nationalstolz der Chinesen ähnlich entzündet hätte. Mit insgesamt 20 Milliarden US-Dollar soll die Zwölf-Millionen-Einwohner-Stadt Peking modernisiert werden: Das U-Bahn-Netz soll ausgebaut und viel Geld für Umweltschutz ausgegeben werden.

Andere Länder, allen voran die Amerikaner, haben denn auch schon viel früher als die Deutschen die olympische Bonanza gewittert. Längst beschäftigt sich ein Vertreter der US-Botschaft in Peking ausschließlich damit, amerikanische Unternehmen dafür ins Geschäft zu bringen. Der Mann ist ein Experte: Zuvor war er in Athen in derselben Funktion stationiert, wo 2004 die Olympischen Spiele stattfinden. Der Großkonzern General Motors etwa hat schon im Jahr 2000 einen exklusiven Sponsorenvertrag für die Automobilbranche unterzeichnet. Volkswagen, obwohl Marktführer in China, hat das Nachsehen.

Bei den Deutschen ist derweil noch nicht einmal klar, wer die Nachbereitung der Juli-Veranstaltung in Peking übernehmen und die deutschen Unternehmen auch öffentlich präsentieren soll. Die Leistungsschau "Schaufenster Deutschland" zum 30-jährigen Bestehen der diplomatischen Beziehungen zur Volksrepublik Ende September wäre ein geeigneter Termin dafür gewesen. Doch da der Olympiateil zu spät vermarktet wurde, fehlen der für die Leistungsschau zuständigen Deutschen Außenhandelskammer in Peking dafür nun die Sponsoren. Die olympischen Themenzelte stehen denn auch auf der Streichliste.

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