Deutschem Ferienflieger geht im Frühjahr 2002 das Geld aus – Sanierung zeigt erste Erfolge
LTU braucht weitere Finanzhilfe

Dem Düsseldorfer Ferienflieger steht eine harte Auseinandersetzung mit dem Großaktionär Swissair Group bevor. Denn ohne eine weitere Finanzhilfe aus Zürich geht der LTU im nächsten Frühjahr das Geld aus. Zwar hat Swissair vertraglich vereinbart, LTU-Verluste bis 2005 zu übernehmen. Doch die Schweizer stecken selbst in der Klemme.

DÜSSELDORF. Der angeschlagene Düsseldorfer Ferienflieger LTU kommt aus eigener Kraft nicht mehr aus den roten Zahlen - auch wenn der Sommer erste Sanierungserfolge zeigt. "Die liquiden Mittel reichen bis Frühjahr 2002. Danach muss uns in irgendeiner Form Kapital zugeführt werden," sagte LTU-Chef Sten Daugaard dem Handelsblatt. Angesichts unverändert hoher Kerosinpreise und des starken Dollars erwarte er in den nächsten Monaten keine Entspannung für die europäische Luftfahrtbranche.

Jahrelanges Missmanagement und massive Überkapazitäten im Wettbewerb haben den Düsseldorfer Ferienflieger an den Rand der Pleite gebracht. Im vergangenen Jahr flog die LTU bei einem Umsatz von 2,23 Mrd. Euro einen Verlust von 224 Mill. Euro ein. Jetzt soll es trotz der weltweiten Konjunkturflaute aufwärts gehen. "Unsere Kapazitätsanpassungen schlagen auf die Wirtschaftlichkeit durch. Wir sind auf dem Weg, die Verluste des Vorjahrs zu halbieren", sagte Daugaard, der schwarze Zahlen allerdings erst im Jahr 2004 sieht.

Hinter der Frage, wer die rettende Finanzspritze überweist, steht deshalb ein dickes Fragezeichen. Anteile an LTU halten die Swissair Group (49,9 %), der deutsche Mischkonzern Rewe (40 %) sowie die Kölner CKA Unternehmensverwaltung und Beteiligungsgesellschaft (10,1 %). Unter seinem früheren Vorstandschef Phillippe Bruggisser hatte der damals noch unter SAirGroup firmierende Swissair-Konzern zwar vertraglich zugesichert, die Verluste des Charterfliegers bis 2005 zu übernehmen.

Frühere Zusagen werden nicht beachtet

Doch in der LTU-Zentrale schaut man seit Wochen skeptisch Richtung Zürich, weil die nach einer gescheiterten Europa-Expansion finanziell ebenfalls ausgeblutete Swissair unter ihrem neuen Chef Mario Corti eine harte Ausstiegspolitik fährt, die auf Zusagen früherer Manager keine Rücksicht nimmt. Bei der belgischen Sabena hat sich das Unternehmen kürzlich mit einer weiteren Finanzspritze von der Verpflichtung freigekauft, 85 % des maroden Staatsunternehmens übernehmen zu müssen. Auch der Ausstieg aus den französischen Beteiligungen Air Littoral sowie AOM/Air Libert´e sei "erfolgreich abgeschlossen", betonte ein Swissair-Sprecher. "Es ist klar, dass sie auch bei LTU lieber heute als morgen aussteigen wollen", sagt der Chef einer europäischen Fluggesellschaft. Und selbst LTU-Geschäftsführer Daugaard bestätigt, sein Unternehmen passe "nicht mehr in die neue Swissair-Strategie". Corti hatte kürzlich ein Sanierungspapier vorgelegt, nach dem sich der Konzern künftig wieder auf sein Kerngeschäft mit den Marken Swissair und Crossair konzentrieren will.

Unternehmenskreise bestätigten am Wochenende laufende Gespräche zwischen Swissair und dem zweiten LTU-Großaktionär Rewe. Doch die Touristiksparte des deutschen Mischkonzerns sieht keinen Handlungsbedarf: "Swissair steht gegenüber LTU in der Verantwortung", betonte ein Rewe-Sprecher gegenüber dem Handelsblatt. Das Swissair-Management gibt zu Fragen bezüglich der LTU derzeit keine Stellungnahme ab. Man sei "sehr zuversichtlich", dass die LTU wieder in die schwarzen Zahlen komme, sagte ein Swissair-Sprecher nur. Hinsichtlich weiterer Finanzhilfen verweist der Konzern wiederholt auf die klare Aussage des Swissair-Lenkers Corti: "Wir werden keine weiteren Zahlungen mehr in operative Verluste leisten." 350 Mill. sfr (450 Mill. DM) hat die Swissair bereits nach Düsseldorf überwiesen, um die LTU-Sanierung voran zu bringen - nicht genug allerdings, um die Wende herbeizuführen.

Der neue LTU-Chef versucht Überzeugungsarbeit zu leisten. "Wir liegen 20 % besser als im Sanierungsplan vorgesehen. Nur der höhere Kerosinpreis sowie der gestiegene Dollar machen uns einen Strich durch die Rechnung," sagte Daugaard. Er sieht zurzeit dennoch "sehr gute Chancen zu überleben". Selbst wenn Swissair den Ausstieg vorantreiben sollte, gibt ein Branchenanalyst LTU noch Chancen: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass die großen Reiseveranstalter LTU Pleite gehen lassen. Sie sind bei einigen Langstrecken auf den Carrier angewiesen." Außer LTU bedient in Deutschland einzig die Thomas-Cook-Tochter Condor flächendeckend Fernstrecken zu wichtigen Urlaubszielen etwa in Asien.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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