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Deutschem Wald geht es so schlecht wie nie

Der deutsche Wald ist so krank wie nie zuvor. Nur noch gut ein Viertel aller Bäume ist gesund. Knapp ein Drittel der Hölzer verlören deutlich Blätter und Nadeln, sagte Bundesagrarministerin Renate Künast (Grüne) in Berlin bei der Vorlage des Waldzustandsbericht 2004.

dpa BERLIN. Der deutsche Wald ist so krank wie nie zuvor. Nur noch gut ein Viertel aller Bäume ist gesund. Knapp ein Drittel der Hölzer verlören deutlich Blätter und Nadeln, sagte Bundesagrarministerin Renate Künast (Grüne) in Berlin bei der Vorlage des Waldzustandsbericht 2004.

Damit sind sogar die Anfang der 1990er Jahre erreichten Negativrekorde bei den Waldschäden gebrochen. Schuld daran sind vor allem die Hitze und Trockenheit im Sommer 2003 sowie die hohe Schadstoffbelastung der Böden.

"Das Ergebnis ist alarmierend", sagte Künast. Besonders Buchen, Eichen und Fichten haben dem Bericht zufolge Blätter und Nadeln in bisher nicht da gewesenem Ausmaß verloren. Eine Gefahr bleibt der Borkenkäfer, der sich massenhaft vermehrt hat.

Der Anteil gesunder Bäume sank im Vergleich zum Vorjahr um drei Punkte auf 28 Prozent. Die Zahl der Bäume mit starken Kronenschäden stieg um acht Punkte auf den Höchststand von 31 Prozent. Besonders stark haben sich die Baumkronen in Bayern und Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein und Berlin gelichtet. "Trockenstress" und hohe Ozonwerte haben Künast zufolge den Wald angegriffen, der ohnehin geschwächt sei durch die jahrzehntelange Schadstoffbelastung aus Luft und aus Boden.

Das größte Problem ist die Buche. Der Anteil der Kronenschäden sprang um 25 Punkte auf 55 Prozent. Bei der Fichte stiegen die deutlichen Schäden um acht Punkte auf 35 Prozent, bei der Eiche um sechs Punkte auf 45 Prozent. Nur die Kiefer hält sich relativ stabil. Mit 17 Prozent (plus vier Punkte) ist sie weiterhin die Baumart mit den wenigsten Kronenschäden. Insgesamt sind die Schäden bei allen Baumarten im Jahr 2004 auf 22,8 Prozent gestiegen (2003: 19,9 Prozent).

Künast rief die Verbraucher zu einem Beitrag für den Schutz der Wälder auf. Sie sollten bei Autos und im Haushalt mehr Energie sparen. Künast appellierte an die Konsumenten, mehr heimisches Holz anstatt Tropenhölzer zu verbrauchen. Die Holzvorräte seien mit 320 Kubikmeter pro Hektar zu hoch. Die Wälder aber müssten verjüngt werden. Nach Angaben des Holzabsatzfonds (Bonn) verfügt Deutschland mit 3,4 Mrd. Kubikmetern über die größten Holzvorräte in Europa.

Trotz der Schäden wächst die Waldfläche laut Künast schneller als je zuvor. "Das heißt aber nicht, dass der Wald gesünder ist." Die Bundesregierung will den Holzverbrauch in den nächsten zehn Jahren um 20 Prozent steigern. Eine Prognose zur Entwicklung des Waldes wagte Künast nicht. "Der Boden hat ein jahrzehntelanges Gedächtnis."

Die Umweltorganisationen Greenpeace, Bund und Nabu forderten eine Wende in der Verkehrspolitik, konsequenteren Klimaschutz und eine verstärkte Ökolandwirtschaft. Robin Wood verlangte eine Ausdehnung der Maut für Lastwagen auch auf Landstraßen sowie eine drastische Erhöhung der Gebühr. Der Deutsche Naturschutzring forderte die Einführung einer kohlendioxidbezogenen Kraftfahrzeugsteuer und eine Kerosinsteuer für den Flugverkehr. Die Union warf der Bundesregierung vor, den Waldbesitzern die Pflege und Bewirtschaftung des Waldes durch immer neue Auflagen zu erschweren.

Parallel zu Künast legte Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) am Mittwoch im Kabinett den Wald- Fortschrittsbericht vor. Die Waldvernichtung vor allem in den Tropen gefährdet demnach die Existenzgrundlage mehr als 1,5 Milliarden Menschen. Pro Jahr stellt Deutschland rund 125 Mill. Euro für internationale Waldschutzprogramme bereit.

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