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Deutschen Banken droht Verlust an internationaler Bedeutung

Den deutschen Banken droht wegen der wie fest zementiert scheinenden Drei-Säulen-Struktur und der schwachen Rentabilität privater Institute ein weiterer Verlust an internationaler Bedeutung. "Die deutschen Banken drohen in Europa und der Welt in eine Nebenrolle abzurutschen", sagte der Deutschland-Chef der US-Investmentbank Lehman Brothers, Karl Dannebaum, auf der an diesem Donnerstag endenden Branchentagung 'Banken im Umbruch' in Frankfurt. Der Abstand zur internationalen Konkurrenz wachse.

dpa-afx FRANKFURT. Den deutschen Banken droht wegen der wie fest zementiert scheinenden Drei-Säulen-Struktur und der schwachen Rentabilität privater Institute ein weiterer Verlust an internationaler Bedeutung. "Die deutschen Banken drohen in Europa und der Welt in eine Nebenrolle abzurutschen", sagte der Deutschland-Chef der US-Investmentbank Lehman Brothers, Karl Dannebaum, auf der an diesem Donnerstag endenden Branchentagung 'Banken im Umbruch' in Frankfurt. Der Abstand zur internationalen Konkurrenz wachse.

Breuer Fordert Aggressive Schritte

Rolf-E. Breuer, Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bank und Präsident des Bundesverbands deutscher Banken (BdB) sieht die deutschen Banken trotz einer besseren Lage als vor einem Jahr "noch lange nicht im sicheren Bereich" und forderte "aggressive Schritte" bei der Konsolidierung. "Um die Zukunftsfähigkeit der deutschen Banken sieht es besorgniserregend aus", sagte Breuer. Die Banken hätten zwar schon viele ihrer Hausaufgaben erledigt, doch die Reformen gehen seiner Einschätzung nach viel zu langsam voran. Der auf Bank- und Börsenwesen spezialisierte Professor Wolfgang Gehrke rechnet in den kommenden Jahren kaum mit grundlegenden Veränderungen: "Ich bin enttäuscht über die fehlende Bereitschaft und den Willen zur Veränderung."

Die Veränderungen werden sich nach Einschätzung von Experten allenfalls wie in den vergangenen drei Jahren im kleinen Rahmen abspielen - wie der Kauf der norisbank durch die DZ Bank oder Schmidt Bank durch die Commerzbank. Mit der 25 Mrd. teuren Übernahme der Dresdner Bank durch die Allianz im Sommer 2001 liegt die letzte große Transaktion rund drei Jahr zurück. Für durchgreifende Veränderungen im Bankensystem fehlt es den Beteiligten offenbar an Willen und Entschlossenheit. Doch eine Reform des Systems wäre nach Einschätzung von Experten notwendig, damit die Geschäftsbanken den Anschluss an die internationale Konkurrenz nicht verlieren.

Deutsche Bank Will Wieder Unter TOP zehn DER Teuersten Banken

Bereits jetzt hinkt die Deutsche Bank , die in punkto Rentabilität als einzige börsennotierte deutsche Bank die internationale Konkurrenz noch nicht vollkommen aus dem Blick verloren hat, bei der Marktkapitalisierung deutlich hinterher. Von der Nummer zwei und drei, der HVB und der Commerzbank ganz zu schweigen. Die von Breuer vor kurzem in einem Interview befürchtete Auftritt eines ausländischen Eroberers dürfte wegen der schwachen Rendite sowie der mit einer Restrukturierung des Filialgeschäfts verbundenen hohen Kosten kaum auftreten.

Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann will den Marktwert der Bank mit einem Bekenntnis zur Rentabilität und dem lange verschmähten Privatkundengeschäft ändern und wieder unter die Top zehn der teuersten Banken zurückkehren. Er will dies aus eigener Kraft schaffen und sieht nach der geplatzten Übernahme der Postbank kaum Spielraum für Übernahmen oder Fusionen, an deren grundsätzlichen Zwang er in Europa allerdings glaubt. Für die größte deutsche Bank kommt dies allerdings nur in Frage, wenn es "im Sinne des Aktionärs ist und das für die Refinanzierung notwendige Rating nicht gefährdet". Dies gelte auch für eine Fusion unter Gleichen - wie dem viel diskutierten Zusammengehen mit der in etwa gleich großen Schweizer Credit Suisse .

Gegen einen Schulterschluss mit einem europäischen Konkurrenten sprechen allerdings noch die stark unterschiedlichen Rahmenbedingungen wie die Steuergesetze in Europa. "Ein einheitlicher Finanzmarkt ist die wichtigste Voraussetzung, um bei einer möglichen Fusion Ertragssynergien zu heben", sagte Ackermann. Eine allein kostengetriebene Fusion sei in Europa kaum attraktiv. So will er wie seine Kollegen von der HVB und der Commerzbank erst einmal den eigenen Stall in Ordnung bringen, bevor Akquisitionen oder Fusionen wieder oben auf der Agenda stehen. Ackermann kündigte personelle Konsequenzen - von oben nach unten - an, falls das Renditeziel im kommenden Jahr nicht erreicht wird.

Sparkassen Sehen Keine Grund FÜR Neue Strukturen

Beim Kampf um die deutschen Privatkunden trifft die Deutsche Bank allerdings weiter auf die heftige Konkurrenz durch Sparkassen und Genossenschaftsbanken, neben den Privatbanken die anderen beiden Säulen des deutschen Banksystems, sowie der anderen Geschäftsbanken, die den Privatkunden ebenfalls wieder als Ertragsquelle entdeckt haben. Daran und an der Struktur der Sparkassen soll sich nach deren Willen auch nichts ändern. "Den Einstieg von Privatbanken bei Sparkassen schließe ich aus", sagte Karl-Joachim Dreyer, Vorstandssprecher der Hamburger Sparkasse.

Der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands, Dietrich Hoppenstedt, sieht die Schuld für die niedrige Marktkapitalisierung der deutschen Geschäftsbanken bei diesen selbst: "Die ständigen Fusionsgerüchte erschöpfen alle Beteiligten und Beobachter. Sie rufen Spekulanten auf den Plan und schrecken langfristig orientierte Anleger ab." Er sieht die Sparkassen in ihrer Strategie bestätigt und keinen Grund für einen Aufbruch der Strukturen. Die Zusammenarbeit mit den Landesbanken soll dagegen forciert werden.

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