Deutscher Aktienmarkt schließt schwächer
Post und Telekom im Dax-Fokus

Unter dem Druck deutlicher Kursverluste bei den Versicherern und der Deutschen Post sowie vor dem Hintergrund weiter nachgebender US-Börsen haben die deutschen Aktienwerte am Mittwoch deutlich schwächer geschlossen.

Reuters FRANKFURT/M. Die Münchener Rück habe mit einer Erhöhung der Rückstellungen bei ihrer defizitären US-Tochter American Re um zwei Milliarden Dollar die Anleger verunsichert, sagten Händler. Die "Aktie Gelb" fiel zeitweise auf ein historisches Tief, nachdem die zuständige Regulierungsbehörde Vorgaben für Portosenkungen machte.

Zusätzlich belasteten nach Einschätzung von Händlern erneute Sorgen um die Bilanzierungspraxis von US-Unternehmen wieder einmal auf den deutschen Markt. Zuvor hatte der angeschlagene US-Telekomkonzern Qwest mitgeteilt, die Staatsanwaltschaft habe strafrechtliche Ermittlungen gegen das Unternehmen aufgenommen. Der Gegenstand der Untersuchungen blieb zunächst unklar. Die Qwest-Aktie brach in den USA um bis zu 41 Prozent ein.

Der Deutsche Aktienindex schloss 4,1 Prozent tiefer bei 4190,22 Zählern, während der Auswahlindex des Neuen Marktes Nemax-50 um 3,4 Prozent auf 546,58 Punkte fiel. Der Nebenwerte-Index MDax lag unterdessen 1,9 Prozent im Minus bei 3819,28 Stellen. Der Dow Jones EuroStoxx50 der größten europäischen Aktien gab um 3,6 Prozent auf 2925,91 Zähler nach.

Post droht Milliarden-Verlust

Die Post-Aktie schloss 8,4 Prozent im Minus bei 12,10 Euro, nachdem sie zuvor mit 11,91 Euro ein Allzeittief markiert hatte. Auf Druck der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP) soll die Post im kommenden Jahr unter anderem das Briefporto senken. Analysten zeigten sich von der Entscheidung nicht überrascht, während Händler sagten, es sei unklar, ob es bei dem von der Post angegebenen Einnahmeausfall von 1,5 Milliarden Euro bis 2007 bleibe. Dies verunsichere die Anleger.

Versicherer unter Druck

Der Branchenindex für den Versicherungssektor im Dax fiel um 6,3 Prozent. Dabei gaben die Aktien der Münchener Rück um 5,4 Prozent auf 230 Euro nach. Ein Händler sagte, offenbar erwarte das Unternehmen mit den höheren Rückstellungen noch einiges an Forderungen. Analysten zeigten sich von der Höhe der Vorsorge überrascht. Die Titel der Allianz wurden derweil von den Verlusten der Münchener Rück unter Druck gesetzt. Knapp 40 der insgesamt rund 180 Verlust-Punkte des Dax gingen auf diese beiden Werte zurück.

Die Papiere von Schering büßten 7,2 Prozent auf 57,63 Euro ein. Eine Studie hatte auf Nebenwirkungen bei einem Hormonersatzpräparat eines US-Konkurrenten hingewiesen. Schering zufolge sind die eigenen Produkte jedoch ungefährlich. Unabhängig davon litt der Titel unter mehreren Herabstufungen.

Anhaltende Spekulationen um Sommers Rücktritt

Die T-Aktie profitierte Händlern zufolge zunächst von der Hoffnung vieler Anleger auf eine baldige Ablösung Sommers, obwohl dieser nach Angaben aus Unternehmenskreisen bislang keinen Anlass für einen Rücktritt sieht.

Am Abend drehten die Telekom-Titel dann jedoch parallel zum nachgebenden Gesamtmarkt ins Minus und schlossen 1,5 Prozent schwächer bei 11,15 Euro. Zuvor war aus mit der Situation vertrauten Kreisen bekannt geworden, der Aufsichtsrat sei in der Frage eines möglichen Führungswechsels uneins. Die beiden Lager stünden sich nach heftigen Auseinandersetzungen unversöhnlich gegenüber. Der Aufsichtsrat wird am kommenden Dienstag zu einer außerordentlichen Sitzung zusammenkommen und soll dabei nach Angaben des Aufsichtsratschefs Hans-Dietrich Winkhaus auch über die Führungsfrage beraten.

Aktien von Babcock Borsig gefestigt

Im MDax stiegen die Aktien von Babcock Borsig um knapp ein Viertel auf 1,18 Euro. Zuvor hatte es erste Übernahmeangebote für Teile des insolventen Maschinenbauers und Spekulationen um eine mögliche Rückabwicklung des umstrittenen Verkaufs der Kieler Werft HDW gegeben.

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