Deutscher Biergarten brummt
Schnitzel und Weißbier in Kabul

Inmitten der vom Krieg zerstörten Stadt haben zwei ehemalige Bundeswehrsoldaten einen deutschen Biergarten mit Restaurant aufgemacht. Im "Deutschen Hof Kabul" wird Ausländern deutsches Bier zum Schweineschnitzel serviert.

HB/dpa KABUL. Fünf Meter hohe Steinmauern mit Eisenspitzen umgeben das Gelände, Wachmänner mit Maschinenpistolen sichern den Eingang. In der "Straße Nummer 3" in der afghanischen Hauptstadt Kabul residiert nicht etwa ein Ministerium - inmitten der vom Krieg zerstörten Stadt haben zwei ehemalige Bundeswehrsoldaten einen deutschen Biergarten mit Restaurant aufgemacht. Während der Muezzin die muslimischen Afghanen zum Gebet ruft, wird Ausländern im "Deutschen Hof Kabul" deutsches Bier zum Schweineschnitzel serviert - von einheimischen Lehrlingen, die dort ausgebildet werden.

Unter dem Bild der Wartburg verheißt die Speisekarte "Thüringer Gastlichkeit" - ein exotisches Versprechen in Afghanistan, wo auch nach mehr als 20 Jahren Krieg und Bürgerkrieg noch kein wirklicher Frieden herrscht. Zu essen gibt es neben den obligatorischen Rostbratwürsten Kasslerkotelett mit Sauerkraut und Kartoffelpüree oder Gulasch mit Klößen; dazu wird Pils vom Fass oder Weißbier aus der Flasche gereicht. Während die Menschen draußen bei 35 Grad im Schatten schwitzen, singt im klimatisierten Restaurant eine Thüringer Volksmusikerin auf CD über das "Wandern durch den Winterwald".

Gunter Völker kommt aus Tabarz im Thüringer Wald, der 39-Jährige ist Geschäftsführer des "Deutschen Hofs". Nach langen Einsätzen auf dem Balkan waren er und der Braunschweiger Koch Boris Wojahn am Ende ihrer Frist als Zeitsoldaten angelangt. In Deutschland aber fiel ihnen nach der Zeit in den Krisengebieten die Decke auf den Kopf. "Da habe ich mir gedacht, dann musst Du eben nach Kabul gehen", sagt Völker. Kaum verwunderlich, dass die Idee im persönlichen Umkreis wenig Beifall fand. "Meine Freunde haben mich für verrückt erklärt", räumt der 25-jährige Wojahn ein. Abhalten konnte die beiden das nicht: Am 1. Mai feierten sie die Eröffnung des "Deutschen Hofs".

Angst hätten sie in der Krisenregion nicht, Respekt vor der Gegend schon, sagt Völker. Natürlich würde ihnen Deutschland manchmal fehlen - "aber man macht es sich eben ein bisschen zu Hause". An die eine Wand des Restaurants hat Völker ein großes Bild von Tabarz gehängt. "Wenn ich Thüringen vermisse, dann setze ich mich vor das Bild, schaue mir meine Heimat an und bin glücklich", sagt er.

Der Erfolg macht das Heimweh wett, das Geschäft brummt. "Es läuft besser als in Deutschland", sagt Wojahn. Und lächelnd fügt er hinzu: "Die Konkurrenz ist ja auch nicht so stark." Deutsche, Amerikaner, Engländer, Australier und Japaner treffen sich zum deftigen Mittagessen aus Wojahns Küche. Abends genehmigen sich die bei den Vereinten Nationen, bei Botschaften oder Hilfsorganisationen beschäftigten Ausländer ein oder auch mehrere Feierabendbiere im Biergarten. Bald soll eine Kellerkneipe hinzukommen - "so richtig mit deutschem Stammtisch und Karten kloppen", sagt Völker.

Afghanen ist Alkoholkonsum gesetzlich verboten, sie dürfen nur in Begleitung von Ausländern in den "Deutschen Hof". "Wir halten uns an die Gesetze und Sitten des Landes", sagt Völker - auch deswegen habe er keine Probleme mit der muslimischen Nachbarschaft. "Und wir wollen etwas für das Land tun", betont er.

Die ersten neun Azubis des "Deutschen Hofs" seien vor wenigen Tagen fertig geworden. Noch vor der Prüfung hätten alle einen festen Job in der Tasche gehabt, sagt Völker stolz. Mit Blick auf ausländische Organisationen in Kabul sagt der Ex-Soldat: "Arbeit schaffen bringt mehr Frieden, als zu labern und mit großen Autos herumzufahren."

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