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Deutscher EADS-Chef Hertrich gibt Posten auf

Im Machtkampf um die Unternehmensführung des größten deutsch-französischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS hat der deutsche Co-Chef Rainer Hertrich seinen Rücktritt erklärt. Hertrich stehe für eine zweite Amtsperiode nicht zur Verfügung, sagte der deutsche EADS-Sprecher am Samstag.

dpa-afx MÜNCHEN/PARIS. Im Machtkampf um die Unternehmensführung des größten deutsch-französischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS hat der deutsche Co-Chef Rainer Hertrich seinen Rücktritt erklärt. Hertrich stehe für eine zweite Amtsperiode nicht zur Verfügung, sagte der deutsche EADS-Sprecher am Samstag. Er bestätigte damit einen Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel". In Frankreich wird seit Wochen über einen Machtkampf an der Spitze von EADS spekuliert.

Hertrich habe seine Entscheidung bereits im Frühsommer dieses Jahres getroffen, erläuterte der EADS-Sprecher. Beim deutschen EADS - Anteilseigner Daimler-Chrysler hieß es dagegen, in den Gremien sei die Entscheidung noch nicht gefallen. Hertrichs Vertrag läuft im kommenden Jahr aus und hätte verlängert werden müssen.

Zur Begründung für das Ausscheiden Hertrichs verwies der EADS - Sprecher auf die erfolgreiche Zeit, die Hertrich und sein französischer Co-Chef Philippe Camus miteinander für das Unternehmen hätten gestalten können. Dies könne "nicht ohne weiteres verlängert oder gar wiederholt werden", sagte der EADS-Sprecher. "Es ist an der Zeit, dass jemand anders auf deutscher Seite die Position übernimmt."

Mit dem angeblichen Machtkampf an der EADS-Spitze auf französischer Seite habe die Entscheidung nichts zu tun, erläuterte der Sprecher. Sie sei zu einem Zeitpunkt gefallen, "als die Wogen in Frankreich noch nicht hoch schlugen". Zu Spekulationen, wonach sich der Daimler-Chrysler-Vorstand bereits auf den bisherigen Chef des EADS-Rüstungsgeschäfts, Thomas Enders, als Nachfolger verständigt habe, wollte sich der EADS-Sprecher nicht äußern. Er verwies auf die Gremien, die dies zu entscheiden hätten.

Der "Spiegel" nennt dagegen Meinungsverschiedenheiten mit dem designierten neuen Vertreter der Franzosen in dem Unternehmen, Noel Forgeard, als Grund für den Rückzug Hertrichs. In Frankreich wird seit Wochen über einen Machtkampf zwischen Forgeard und Camus berichtet. Staatspräsident Jacques Chirac, dessen enger Vertrauter Forgeard ist, übt demnach massiven Druck auf Großaktionär Arnaud Lagardere (15 Prozent der Anteile) aus, heißt es.

Forgeard strebt angeblich an, die deutsch-französische Doppelspitze, einen der Garanten des nationalen Gleichgewichts in dem europäischen Konzern zu kippen, um letztlich allein das Sagen zu haben. Dagegen leiste Jürgen Schrempp als Chef des deutschen EADS - Anteilseigners Daimler-Chrysler (30 Prozent) vehementen Widerstand.

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