Archiv
Deutscher Einzelhandel erwartet schlechtes Jahr

Der deutsche Einzelhandel wird nach Einschätzung des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE) sein erwartetes schwaches erstes Quartal im übrigen Jahresverlauf nicht mehr ausgleichen können.

Reuters FRANKFURT. "Im restlichen Jahr kann es nur besser werden, aber wir werden 2002 rote Zahlen schreiben. Den Umsatzrückgang im ersten Quartal können wir nicht mehr ausgleichen", sagte HDE-Sprecher Hubertus Pellengahr am Montag. Die Einzelhandelsumsätze seien im Auftaktvierteljahr nominal um drei bis vier Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen. Mehrere zehntausend Arbeitsplätze seien in Gefahr. Analysten erwarten trotz der Schwäche des Einzelhandels keinen Rückgang des privaten Verbrauchs, da die Nachfrage nach Dienstleistungen wächst.

Am Freitag wird das Statistische Bundesamt Daten zu den Einzelhandelsumsätzen im Februar vorlegen. Analysten rechnen im Schnitt mit einem Rückgang um 0,4 Prozent zum Vormonat preisbereinigt nach plus 1,4 Prozent im Januar. Zum Vorjahr prognostizierten sie ein Minus von 0,3 nach minus 1,8 Prozent im Vormonat.

HDE: Schwacher Jahresanfang auch wegen Euro

Pellengahr führte als Ursachen für den schwachen Jahresstart unter anderem die Unsicherheit über die Euro-Umstellung auf sowie Sorgen über die Konjunktur. In den Bereichen Textilien, Möbel und Unterhaltungselektronik sei der Umsatz zum Vorjahr um rund ein Fünftel eingebrochen, bestätigte der Sprecher eine Meldung der "Bild"-Zeitung. Setze sich diese Entwicklung fort, müssten in diesem Jahr 15 000 Geschäfte mit 50 000 Mitarbeitern aufgeben. Trotz traditionell stabiler Lebensmittelumsätze hätten beispielsweise Supermärkte im ersten Quartal weniger umgesetzt, während die so genannten Discounter profitiert hätten.

"Die Verunsicherung durch den Euro ist mitverantwortlich für die Krise im Einzelhandel", sagte Pellengahr. Diese nehme nun zwar ab, aber die Verbraucher blieben zurückhaltend, weil sie noch nicht an eine konjunkturelle Erholung glaubten. "Um die Konsumenten wieder zum Kaufen anzureizen, brauchen wir eine feste Zusage der Politik, dass Steuern und Abgaben nicht erhöht werden." Pellengahr bekräftigte auch die Forderung des HDE nach einer dreimonatigen Senkung der Mehrwertsteuer. "Das würde das Vertrauen der Verbraucher wieder stärken."

Mitte März hatte der HDE vorgeschlagen, die Mehrwertsteuer von derzeit 16 Prozent für drei Monate auf 13 Prozent zu senken. HDE-Präsident Hermann Franzen hatte damals einen "Konsumstau" und einen "Streik der Verbraucher" im ersten Vierteljahr beklagt. Franzen hatte einen weiteren Rückgang der Beschäftigung um mindestens 15 000 Stellen und eine drastische Zunahme der Konkurse in der Branche angekündigt.

Analysten: Privater Verbrauch wird 2002 zunehmen

Der private Verbrauch wird in diesem Jahr Analysten zufolge aber trotz der Schwäche des Einzelhandels wachsen. Stefan Mütze von der Helaba erwartet im Jahresdurchschnitt einen Rückgang der Umsätze im Einzelhandel von 0,5 bis 1,0 Prozent. Dagegen werde der Konsum rund 0,75 Prozent zunehmen. In ähnlichem Umfang werde das Bruttoinlandsprodukt (BIP), die gesamte Wirtschaftsleistung, wachsen. "Der private Verbrauch hat sich in den vergangenen Jahren immer stärker vom Einzelhandel abgekoppelt. Beim Konsum haben die Dienstleistungen an Gewicht gewonnen", erklärte Mütze.

Als negativ für den Einzelhandel stufte Mütze die Erwartung einer weiter steigenden Arbeitslosigkeit ein. Das BIP-Wachstum von rund 0,75 Prozent werde deutlich unter der Beschäftigungsschwelle von zwei Prozent liegen, über der erst mit einem Abbau der Arbeitslosigkeit zu rechnen sei. "Die Arbeitslosigkeit wird weiter steigen und das wird den Einzelhandel belasten."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%