Deutscher Experte stuft Erfolgschancen für Schadenersatzklage als gering ein
Hintergrund: Mobilfunk und Gesundheit schon lange Streitthema

Nach aktuellen Studien geht von Handys und Mobilfunk-Anlagen laut Einschätzung deutscher Experten keine gesundheitsgefährdende Strahlenbelastung aus.

Reuters DÜSSELDORF. "Wir suchen ein Phantom, doch bisher gibt es keine wissenschaftlichen Beweise, die belegen, mobiles Telefonieren macht krank", sagte Gerd Friedrich, Geschäftsführer der Bonner Forschungsgemeinschaft Funk am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters. Die Erfolgsaussichten möglicher Schadenersatzklagen in den USA wegen Gesundheitsgefahren durch Mobilfunktelefone stufte er als gering ein. Auch gegen neue Geräte für die neue Mobilfunkgeneration UMTS gebe es bislang keine wissenschaftlichen Bedenken, sagte Friedrich.

Seit nunmehr acht Jahren werde in Deutschland der so genannte Handy-Smog sehr intensiv erforscht, sagte Friedrich. Die Forschungsgemeinschaft, in der Behörden, Rundfunkanstalten, Netzbetreiber, Hersteller, Verbände und Universitäten zusammenarbeiten, investiere pro Jahr rund zwei Mill. DM in wissenschaftliche Untersuchungen. Inzwischen gebe es eine Fülle von Studien, die klären sollten, ob die Benutzung von Handys Krankheiten wie Gehirnturmore auslösen könne. Es gebe zwar in Deutschland immer mehr Menschen, die angeblich durch Mobilfunk-Strahlung krank geworden seien, aber der Nachweis einer Gesundheitsgefährdung sei noch nicht geführt.



Es besteht weiterer Forschungsbedarf

Skeptisch beurteilte Friedrich neuere Studien aus den USA. Eine Studie der US-Gesundheitsbehörde FDA, wonach Tiere biologische Schäden nach Bestrahlungen mit hohen und niedrigen Frequenzen zeigten, sei bisher noch nicht wiederholt worden und bedürfe der Bestätigung. Auch eine Expertise mit 891 Mobilfunknutzern, die jüngst im "Journal of the American Medical Association" veröffentlicht wurde, zeige, dass weiterer Forschungsbedarf bestehe. Die Ergebnisse könnten erst nach einer eingehenden Untersuchung der Methodik beurteilt werden. "Wir kennen zur Zeit keinen bestätigten Wirkungsmechanismus, und das ist die Tragik an der Handy-Smog-Forschung", sagte Friedrich.

Die Studien versuchen nach Friedrichs Worten zu erfassen, welche Energie ein Mensch beim Telefonieren mit dem Handy aufnimmt. Diese Energie werde im Körper in Wärme umgewandelt. "Ob es auch nicht-thermische Effekte gibt, wird weiter erforscht." Dass es eine biologische Reaktion auf Funkwellen gebe, sei klar. Die Wissenschaft habe zurzeit aber keine festen Anhaltspunkte dafür, wo und wie diese Reaktionen im Körper abliefen. Die Untersuchung möglicher gesundheitlicher Folgen sei ein langwieriger Prozeß. Ein internationaler Kongress im Dezember habe gezeigt, dass die Strahlungsbelastung durch die neuen UMTS-Geräte wahrscheinlich niedriger sei als bei herkömmlichen Handys. Am Donnerstag hatte die britische "Times" berichtet, der prominente US-Anwalt Peter Angelos wolle in bis zu zehn Fällen Klage gegen Handy-Hersteller, Mobilfunknetzbetreiber und Telefongesellschaften im Zusammenhang mit Gehirntumoren einreichen. Dem Bericht zufolge richteten sich mögliche Klagen in Milliardenhöhe gegen Verizon Wireless, ein Gemeinschaftsunternehmen des britischen Mobilfunkkonzerns Vodafone und des US-Telekom-Konzerns Verizon Communications. In der "Financial Times" (Freitagausgabe) dementierte der Sohn des US-Anwalts, sein Vater habe bereits einen Plan zur Einreichung von Klagen gegen Mobilfunkunternehmen ausgearbeitet. Angelos habe bislang lediglich sein Augenmerk auf mögliche Gesundheitsrisiken durch den Gebrauch von Handys gelenkt, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Aussagen von Louis Angelos. Peter Angelos war durch Sammelklagen gegen die US-Tabakindustrie bekannt geworden.

Die Erfolgsaussichten möglicher Klagen stufte Friedrich als gering ein. Er erinnerte an einen 1995 abgeschlossenen Prozeß zwischen einem Rentner aus Florida und dem Handy-Hersteller Motorola. Die Klage sei von den Gerichten wegen Mangels an Beweisen abgewiesen worden. "Auch andere Verfahren sind im Sande verlaufen", sagte Friedrich.

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