Deutscher Forscher weist Regenerationsfähigkeit von kranken Herzen nach
Stammzellen machen den Herzmuskel wieder fit

Eine neue Entdeckung könnte das Leben von Herzkranken in Zukunft deutlich erleichtern: Entgegen der gängigen Lehrmeinung kann auch noch der erwachsene Körper Herzmuskelzellen neu bilden.

DÜSSELDORF. Dies hat jetzt Patrick Müller an der Universitäts-Herzklinik Homburg/Saar zeitgleich mit einer US-Forschergruppe nachgewiesen. Damit bieten sich möglicherweise neue Behandlungsansätze für Patienten nach einem Herzinfarkt oder für solche, die wegen einer Pumpschwäche auf ein Spenderherz warten. Für seine Forschung wurde Müller jetzt mit dem "Young Investigator Award" der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie in Oslo ausgezeichnet.

Im vergangenen Jahr hatte der Düsseldorfer Mediziner Bodo Eckehard Strauer einem 46-jährigen Patienten nach einem schweren Herzinfarkt Knochenmarkstammzellen aus dem Beckenkamm über eine Versorgungsarterie in das Infarktgebiet gespritzt. Nach zehn Wochen hatte sich die Herzfunktion des Kranken deutlich gebessert. Es schien bewiesen, dass körpereigene Stammzellen Herzmuskelzellen bilden können.

Doch die Beweiskraft der Düsseldorfer Behandlung war heftig umstritten. Man konnte lediglich vermuten, dass sich die Knochenmarkstammzellen verwandelt und zum Aufbau neuen Herzgewebes beigetragen hatten. Zum Nachweis hätte man Gewebeproben entnehmen müssen - was aber unterlassen wurde, um den Patienten zu schonen.

Ein Jahr später gelang Müller der Beweis

Ein Jahr nach dem Vorpreschen des Düsseldorfer Mediziners hat Patrick Müller den Beweis erbracht. Dazu hatte Müller bei männlichen Patienten, denen ein weibliches Spenderherz eingepflanzt worden war, Gewebeproben aus dem Herzmuskel entnommen. Eigentlich hätten es nur weibliche Zellen mit einem X-Chromosom sein dürfen, die unter dem Mikroskop zu sehen waren. Müller aber fand in den Proben auch männliche Herzmuskelzellen mit einem Y-Chromosom, die eindeutig von den Patienten selbst stammten. "Diese Muskelzellen wurden also entweder von eingewanderten Stammzellen des Knochenmarks oder von anderen Zellen der Patienten gebildet."

Für den Kardiologie-Assistenzarzt steht damit fest: "Der Körper ist in der Lage, selbst Herzmuskelzellen durch Umwandlung von Stammzellen zu bilden." Im Falle der untersuchten Gewebe waren es nur zwei bis vier Promille solcher neuen Zellen. Bei den Untersuchungen habe es sich allerdings um gesunde Herzen gehandelt. Müller vermutet, dass die Zahl neugebildeter Zellen bei kranken Herzen höher liegt.

Müllers Entdeckung hat weitreichende praktische Auswirkungen. "Man könnte beispielsweise Stammzellen aus dem Knochenmark in krankes Herzgewebe injizieren, wie es die Düsseldorfer Kollegen gemacht haben", sagt er. Eine andere Möglichkeit wäre, Stammzellen im Körper zu vermehren und sie nach ihrer Entnahme über die Blutbahn zu injizieren. Im Tierversuch sei ein solches Verfahren bereits geglückt. Und die dritte Alternative beruht auf der Annahme, dass an der Einwanderung von Stammzellen in das Herzgewebe Immunprozesse gekoppelt sind. Verstünde man diese, könnte man sie nutzen, um Stammzellen an den Herd einer Herzerkrankung zu locken, damit sie dort Zellersatz bilden.

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