Deutscher Fußball-Bund
Kommentar: Abpfiff für „MV“!

Ottmar Hitzfeld will nicht Bundestrainer werden. Der DFB bekommt damit die Quittung für die Unfähigkeit seines Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder, die nicht ohne Konsequenzen bleiben darf.

Ottmar Hitzfeld hat es wirklich getan. Er hat dem DFB einen Korb gegeben. Die Frage nach einem Nachfolger für Rudi Völler auf der Trainerbank der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bleibt weiter unebeantwortet. Fußball-Deutschland ist geschockt - und muss doch Verständnis für den 55-Jährigen aufbringen. Denn das, was sich bis zu Hitzfelds Nein abgespielt hat, war zu großen Teilen peinlich und beschämend.

Nicht nur, dass der angesehene Fachmann ins Visier der Boulevardpresse geriet und diese ihn bedrängte. Auch seine Frau rückte ungewollt ins grelle Rampenlicht der Öffentlichkeit. Und die Hitzfelds wussten vermutlich, dass dieser Zirkus nur ein Vorgeschmack darauf sein würde, was ihnen im Vorfeld der WM 2006 in heimischen Gefilden blühen dürfte.

Viel schlimmer als das war aber das unwürdige Schauspiel, dass der DFB und dabei allen voran sein Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder bot. "MV" machte die Trainersuche zur "Chefsache", der 71-Jährige pokerte und schacherte, um seinen Intimus Christoph Daum vorbei an allen Verbandsgremien, vorbei an der Bundesliga-Lobby und auch vorbei an der öffentlichen Meinung auf dem Top-Job zu installieren. Erst als dann die Kritik an seiner Gutsherrenart zu laut und der Druck auf ihn zu groß wurde, lenkte der ehemalige Kultusminister von Baden-Württemberg ein und verkündete wenig glaubhaft, allein mit Hitzfeld gesprochen zu haben. Ein Vorgehen, das auch dem Ex-Bayern-Coach nicht entgangen sein und das seine Entscheidung wesentlich mit beeinflusst haben dürfte. Dass Hitzfeld dennoch in der auch für ihn schweren Stunde - das Bundestrainer-Amt war erklärtermaßen sein Traum - den DFB-Präsidenten in Schutz nimmt, zeigt lediglich, dass der 55-Jährige ein Gentlemen vom Scheitel bis zur Sohle ist und die Sache im Sinne des deutschen Fußball nicht noch weiter verkomplizieren will.

Der DFB aber muss nun die Rechnung seines Präsidenten bezahlen und könnte eine bittere Quittung erhalten: Denn nun wird es ganz schwer, eine Führungspersönlichkeit mit großem Fußballsachverstand zu finden, die auch noch von einer breiten Mehrheit des deutschen Fußballs akzeptiert und getragen wird. Damit das gelingen kann, muss nun - um mit Rudi Völlers Worten zu sprechen - ein Mann ran, der unbefleckt ist und der Kredit hat. Und so bleibt dem für seinen übergroßen Machtanspruch berühmt berüchtigten DFB-Chef nichts anderes übrig, als es seinem gescheiterten Teamchef gleich zu tun: Treten Sie zurück, Herr Mayer-Vorfelder!

PS: Ansonsten werden Sie vermutlich eh auf dem DFB-Kongress Ende Oktober abgewählt.

Marc Renner  Quelle: Frank Beer für Handelsblatt
Marc Renner
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