Deutscher Handelskonzern setzt auf Lebensmittel-Discount
Tengelmann expandiert in Spanien

Der Discounter Plus soll als europäische Marke ausgebaut werden. Dieses Ziel verfolgt Tengelmann seit einigen Jahren - mehr oder weniger erfolgreich. In Spanien kommt die Expansion voran.

MADRID. Jürgen Hotz, Geschäftsführer der Tengelmann-Gruppe in Spanien, hat wenig Grund zur Klage: "Spanien ist ein Land mit Wachstumspotenzial", bestätigt der Lebensmittel-Manager vor Journalisten in Madrid. Anders als in den Niederlanden oder in Italien, von wo sich das Mülheimer Unternehmen zurückgezogen hat, kommt in Spanien die Expansion seines Discounters Plus voran.

Spanien und Portugal zählen auf Grund steigenden Wohlstandes der Bevölkerung zu den sich langfristig lohnenden Märkten für die deutsche Lebensmittelbranche. Lidl und Tengelmann sind bereits seit sieben Jahren auf dem spanischen Markt vertreten, Aldi bereitet seinen Auftritt in Spanien vor.

Ihren Umsatz auf der iberischen Halbinsel steigert die Tengelmann-Gruppe seitdem Jahr für Jahr um 50 %. Betrugen die Erlöse im Geschäftsjahr 1999/2000 (30.4.) lediglich 531 Mill. DM, plant Tengelmann Spanien im laufenden Jahr einen Umsatz zwischen 1,3 und 1,5 Mrd. DM. Im kommenden Jahr sollen erstmals schwarze Zahlen erwirtschaftet werden. Das wäre Balsam für die in den vergangenen Jahren strapazierte Konzernbilanz, auch wenn Spanien innerhalb der Gruppe nur ein kleines Licht ist. Zum Vergleich: Tengelmann setzt pro Jahr rund 50 Mrd. DM um.

In Spanien gibt es mittlerweile 190 Plus-Läden - quer über das Land verteilt. Nur auf die spanischen Inseln zieht es Plus nicht, auch nicht auf Mallorca, die Lieblingsinsel vieler Deutscher. Das Potential sei nicht vorhanden, erklärt Hotz: "Wir müssten 15 bis 20 Läden haben, damit sich das Geschäft dort lohnt". Auf dem spanischen Festland liegt Hotz zufolge die kritische Menge bei 250 bis 300 Läden. Diese Zahl will Tengelmann innerhalb der kommenden 18 Monate erreichen. Auch darüber hinaus bleiben die Pläne ehrgeizig: In fünf bis sechs Jahren soll es 500 Plus-Läden in Spanien geben. Dabei sind Übernahmen nicht ausgeschlossen. "Wir führen Gespräche", sagt Hotz. Bislang sei allerdings "nichts Geeignetes dabei". Als richtig aus der Sicht von Hotz hat sich die Übernahme der 29 Penny-Läden 1999 von der Rewe-Gruppe erwiesen. Das habe das Wachstum nochmals beschleunigt. Die bisherigen Verluste würden von der Zentrale in Deutschland getragen: "Wir wussten vorher, dass Spanien teuer wird." Einzelheiten dazu will Hotz nicht geben. Zu den bislang getätigten Gesamtinvestitionen sagt er, sie gingen in die "Hunderte von Millionen D-Mark". Die Geschäfte haben jeweils rund 750 Produkte im Programm, die sogenannten "Basics". Diese Beschränkung erlaubt Tengelmann günstige Preise, weil damit Personal- und Logistikkosten minimiert würden. Nach Angaben des spanischen Verbraucherschutzbundes OCU bieten deutsche Anbieter das beste Preis-Leistungsverhältnis im Land.

Auch Portugal hat Tengelmann weiter im Visier. Dort wartet allerdings noch mehr Arbeit als in Spanien: Bislang hat Tengelmann erst 18 Geschäfte eröffnet, die kritische Masse liegt bei 100 Läden. Als Problem erweist sich die Bürokratie: Dort, sagt Hotz, sei es inzwischen "ein Kampf, Lizenzen für neue Geschäfte zu bekommen."

Silke Kersting
Silke Kersting
Handelsblatt / Korrespondentin
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