Deutscher Markt hält sich gut – IT-Projekte rücken in den Hintergrund
Strategieberater wachsen auch in der Krise

Die schwache Konjunktur geht auch an den Managementberatern nicht spurlos vorbei. Doch im Gegensatz zu den IT-Consultants werden die meisten Strategieberater wie McKinsey, Boston Consulting oder Roland Berger das laufende Jahr mit einem Umsatzplus abschließen.

Während IT- und Personalberater über kräftige Umsatzeinbußen durch die Konjunkturflaute klagen, wachsen die klassischen Managementberater in Deutschland weiter - wenn auch langsamer als in den vergangenen Boomjahren.

"Die Strategieberater sind zum Teil sehr gut ausgelastet", sagt der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Unternehmensberater (BDU), Rémy Redley. Die Sparte wird wohl dafür sorgen, dass der Gesamtmarkt auch 2001 im Plus bleibt. Der BDU rechnet derzeit mit einem Wachstum von 3 bis 5 %, deutlich weniger als noch zu Jahresbeginn. Zum Vergleich: Im Vorjahr war der Umsatz noch um 11,8 % auf 23,8 Mrd. DM geklettert.

Im Gegensatz zu den IT-Beratern, die ihren Kunden bei der Suche nach der passenden Software oder IT-Infrastruktur - bis hin zur praktischen Umsetzung (Implementierung) - helfen, konzentrieren sich die klassischen Managementberatungen vor allem auf die Formulierung der übergeordneten Unternehmensstrategie. Branchenprimus McKinsey & Company wird seinen Umsatz nach jüngsten Angaben im laufenden Jahr um 20 % auf den neuen Rekordwert von 1,16 Mrd. DM steigern. Roland Berger Strategy Consultants legt um 18 % zu und überspringt die Marke von 1 Mrd. DM. Auch die Boston Consulting Group (BCG) rechnet mit Zuwächsen.

Skepsis gegenüber New Economy hat sich ausgezahlt

"Es hat sich ausgezahlt, dass wir uns vom Hype in der New Economy nicht mitreißen ließen", sagt Karl Wilhelm Vogel, Global Managing Partner bei Roland Berger. Restrukturierungsfragen seien verstärkt in den Blickpunkt geraten. Auch die Integration nach Fusionen spiele eine wichtige Rolle.

Martin Koehler, Partner bei Boston, ergänzt, Einbrüche hätten vor allem diejenigen Berater gehabt, die das E-Business auf reine IT-Implementierung reduziert hätten: "Jetzt sind IT-Fragen zweitrangig, Effizienz- und Strategiefragen stehen im Vordergrund." Der Auftragsmix habe sich bereits seit Februar oder März dieses Jahres geändert.

Die meisten Unternehmen zehren aber von einem guten ersten Halbjahr. "In der ersten Jahreshälfte waren wir dick im Plus, in der Sommerpause verlief das Geschäft flauer und im Herbst hat es sich nur leicht erholt", erklärt Koehler. Auch McKinseys Deutschland-Chef Jürgen Kluge spricht von einem "sensationellen Start". Doch im Jahresverlauf hat sich auch beim Marktführer das Geschäft eingetrübt - im Gleichklang mit den Kunden, wie Kluge betont.

Die ersten Impulse für eine Abschwächung seien im Mai/Juni von der Telekommunikationsbranche ausgegangen, sagt BDU-Präsident Redley. Die Krise in der New Economy habe sich in der zweiten Jahreshälfte erst voll ausgewirkt, die Schwächephase bei den Banken sei dann hinzugekommen. Der 11. September hat schließlich für zusätzliche Verunsicherung gesorgt.

Im IT-Bereich wurden zahlreiche Aufträge storniert oder Projekte verschoben. Zwar seien auch den Managementberatern Aufträge weggebrochen, doch die können nach Redleys Worten leichter Ersatz schaffen. Während IT-Projekte meist mit hohen Etats und einer Hundertschaft an Beratern verbunden seien, fielen Strategieprojekte deutlich kleiner aus.

Der Auftragsrückgang fällt in Deutschland, dem zweitgrößten Beratungsmarkt der Welt, ohnehin weitaus geringer aus als in den USA. Dort mussten viele Beratungshäuser zu drastischen Sparmaßnahmen greifen und die Belegschaft verkleinern. In Deutschland ist Redley dagegen "von Entlassungen nichts bekannt". Die deutschen Berater profitierten in Krisenzeiten von der Schwerfälligkeit der deutschen Industrie. "US-Firmen können ihre Kapazitäten schneller anpassen", erläutert er. So rasch wie US-Unternehmen in Krisenzeiten die Produktion herunterführen, so rasch würden sie auch die Nachfrage nach Beratungsleistungen einschränken.

McKinsey will in Deutschland seinen Stamm von derzeit 1 100 Beratern im kommenden Jahr sogar noch leicht ausbauen. Obwohl das Unternehmen Überkapazitäten im Markt einräumt, will es nächstes Jahr 200 neue Berater einstellen. Gleichzeitig sollen rund 15 % der Berater McKinsey gemäß der üblichen "up or out"-Regel verlassen - wer nicht befördert wird, soll gehen. Die Fluktuation war nach Abflauen des New-Economy-Booms auf 10 % gesunken, soll aber bald wieder auf 20 % steigen.

Für 2002 rechnet McKinsey zwar mit weiterem Wachstum. Die Steigerungsrate dieses Jahres dürfte dabei jedoch außer Reichweite sein. "Das nächste Jahr wird nicht einfacher werden", meint auch BCG-Partner Koehler. Roland Berger plant dagegen auch für 2002 mit zweistelligem Wachstum.

Konjunkturbelebung spätestens Ende 2002 erwartet

BDU-Präsident Redley erwartet, dass die Konjunktur spätestens im vierten Quartal 2002 wieder anspringt. Die Berater dürften das schon früher merken. "Schließlich sollen die Beratungsprojekte ja für den Aufschwung sorgen", erklärt er. Es gebe genügend Herausforderungen für die Unternehmen - wie beispielsweise der gemeinsame Euro-Markt. "Da dürfte für die Berater einiges abfallen", schätzt Redley.

Es gebe aber auch viele Unternehmen, die in der Krise kontern, sagt BCG-Partner Koehler. Sie würden gerade jetzt, wo Marktanteile und-strukturen in Bewegung sind, in ihre Kernfähigkeiten investieren, auf Expansionskurs gehen und sogar Mitarbeiter einstellen: "Gute Strategien leben von der Überraschung und sind nicht nur in guten Zeiten gefragt."

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