Deutscher Markt im Umbruch
Ruhrgas wird Investitionsoffensive starten

Nach dem Ende der langen Zitterpartie will sich die Essener Ruhrgas AG rasch im härter werdenden europäischen Wettbewerb positionieren: "Mit einem Großaktionär Eon rückt Ruhrgas international in eine neue Dimension vor", sagte Vorstandschef Burckhard Bergmann.

DÜSSELDORF. "Die Ruhrgas wird im Rahmen des Eon-Konzerns ihr gaswirtschaftliches Potenzial schneller weiter gehend und flexibler nutzen und damit ihre internationale Entwicklung kraftvoll voran treiben". Eon hatte allein im Rahmen der Ministererlaubnis Investitionen in Höhe von 6 bis 8 Mrd. Euro zusagen müssen.

Mit der kapitalkräftigen Eon als Alleineigentümer kann die Ferngasgesellschaft nach Einschätzung von Branchenexperten vor allem im Upstream-Bereich (Exploration und Produktion) nun große Projekte tätigen. Mit der alten Eigentümerstruktur von Montan- und Ölaktionären, die sich zuletzt lähmten, habe die Ruhrgas nicht nachhaltig expandieren können und sei gegenüber der Konkurrenz in eine gefährliche Schieflage geraten, sagte Karlheinz Bozem, Energieexperte der Unternehmensberatung Booz Allen & Hamilton. Nur als vertikal integriertes Unternehmen mit Wertschöpfungen vom Upstream-Sektor bis zum Downstream-Bereich, der Verteilung und dem Absatz von Erdgas, hätten die Essener eine Chance, ihre Marktanteile zu verteidigen.

Der Essener Energieprofessor Dieter Schmitt sagte, die Ruhrgas könne jetzt sowohl in Russland als auch in Norwegen verstärkt aktiv werden. Allein in Russland belaufe sich der Investitionsbedarf für den Aufschluss neuer Projekte auf mindestens 150 Mrd. Euro, schätzt die Internationale Energieagentur in Paris. In Norwegen steigen gleichfalls die Aufwendungen in einem oberen zweistelligen Bereich, wenn die Projekte nahe und in der Arktis in Angriff genommen werden sollten.

Ruhrgas-Chef Burckhard Bergmann hat in den letzten Monaten kein Geheimnis daraus gemacht, dass er forcierte Engagements in Russland und Norwegen für unerlässlich hält, um den stark wachsenden Gasbedarf in Europa bewältigen zu können. Auch sind schon bald Vorbereitungen zu treffen, damit die Ruhrgas auch am Flüssiggashandel (Liquified National Gas, LNG) partizipieren kann. Durch den LNG-Handel wachsen die Gasmärkte weltweit zusammen. Eon und Ruhrgas müssten nun prüfen, ob die bestehende Option auf den LNG-Terminal in Wilhelmshaven in Kooperation mit anderen Partnern - beispielsweise BP - nicht rasch konkretisiert werden sollte, heißt es in Branchenkreisen.

Die Essener waren zuletzt bei einer Reihe von Upstream- wie Downstream-Projekten in der Nordsee und Spanien nicht zum Zuge gekommen. Beim Kampf um solche Assets in der Größenordnung von 1 Mrd. Euro sei man nun gerüstet, äußerte sich ein Berater aus dem Ruhrgas-nahen Umfeld

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Nach der Fusion wird auch der deutsche Gasmarkt neu aufgerollt. Die frei werdenden Beteiligungen von Ruhrgas und Eon auf der einen Seite - an der Leipziger VNG, der Münchener Bayerngas und der Oldenburger EWE - und die Pläne der frei werdenden Alteigentümer der Ruhrgas - wie BP, Shell, Exxon/Esso - wälzen den Markt um. Ruhrgas wird seine Transportnetze diskriminierungsfrei öffnen müssen. Bozem rechnet damit, dass insbesondere Gaz de France und BP eine aggressive Markteroberungspolitik starten werden. Schmitt erwartet, dass Shell möglicherweise mit RWE Gas Kooperationen ausloten wird.

Quelle: Handelsblatt

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