Deutscher Maschinenbauer ist Marktführer beim Mehrphasen-System
Neue Pumpentechnik sorgt für wirtschaftlichere Ölförderung

Die Rohstoffindustrie sucht nach Fördertechniken um bislang wirtschaftlich uninteressante Vorkommen zu erschließen. Gute Erfolgsaussichten bietet der Einsatz von Mehrphasenpumpen, die Gemische aus Rohöl, Erdgas und Feststoffen fördern und über längere Strecken transportieren können.

KÖLN. Mehrphasenpumpen könnten die Rohstoffförderung umweltfreundlicher und wirtschaftlicher machen. Mit Investitionskosten, die rund 40 Prozent geringer sind als bei der herkömmlichen Technik, wird auch der Abbau kleiner Erdöl- und Erdgasfelder interessant, deren Erschließung sich bisher nicht lohnte. Zudem können auch große Vorkommen mit Mehrphasenpumpen länger als bisher möglich ausgebeutet werden.

Derzeit wird das Fördergemisch an der Bohrstelle meist in speziellen Anlagen aufwendig getrennt und dann in verschiedene Pipelines verteilt. Geringe Gasmengen in der Fördermasse werden meist abgefackelt - ein umweltschädliches Verfahren. Der Vorteil der Mehrphasenpumpen: "Sie sind in der Lage, die aus dem Bohrloch entweichenden Gemische anzusaugen, auf hohe Drücke zu verdichten und so durch Rohrleitungen auch über große Entfernungen zu transportieren", sagt Thorsten Vauth, Ingenieur am Institut für Verfahrenstechnik der Universität Hannover.

Das technische Prinzip der Mehrphasenpumpen ist schon seit Ende der fünfziger Jahre bekannt. Doch erst Jahrzehnte später wurde es für die Erdölförderung entdeckt. Erst 1992 sicherte sich der in Obernkirchen ansässige Maschinenbauer Bornemann ein erstes Patent, das auf der Mehrphasen-Technologie basiert.

Fördertechnik der Zukunft

Bornemann hat die Mehrphasen-Technologie ständig weiterentwickelt und ist heute Marktführer bei der speziellen Pumpentechnik. "Von schätzungsweise 350 Förderanlagen auf dieser Basis haben wir deutlich mehr als die Hälfte ausgeliefert", sagt der zuständige Marketingleiter Dietrich Müller-Link. So seien die Ölfelder in Venezuela fast ausschließlich mit Bornemann-Technik ausgerüstet, und auch auf Feldern in den USA seien die Pumpen im Einsatz.

"Für die nächsten Jahre erwarten wir einen starken Nachfrageschub nach der Mehrphasen-Technologie", sagt Müller-Link. Denn insgesamt sei der Anteil der Pumpen im Vergleich zur konventionellen Fördertechnik noch verschwindend gering: "Unsere Kunden sind, was die Fördertechnik angeht, sehr konservativ. Ein Umdenken setzt gerade erst ein."

Die Mehrphasenpumpen seien herkömmlichen Modellen auch aus ökologischer Sicht überlegen, sagt Tobias Rausch, Ingenieur am Institut für Verfahrenstechnik der Universität Hannover: "Besonders bei schwer zugänglichen Fördergebieten wie dem Meeresboden oder unter Eis bringen sie große Vorteile." Die stets vorhandenen Gasanteile bei der Förderung werden nicht wie beim Einsatz herkömmlicher Technologie verbrannt, die enthaltenen Salze nicht verklappt: Beide Bestandteile werden stattdessen mit dem Rohöl durch Rohrleitungen zu einer zentralen Weiterverarbeitungsstation gepumpt. Erst dort werden sie getrennt.

Alternative zu Bohrinseln

Derzeit arbeitet das Bornemann-Entwicklungsteam an neuen Hochleistungpumpen für die Förderung am Meeresboden. "Die Technologie könnte eine Alternative zur Bohrinsel sein", sagt Bornemann-ManagerDietrich Müller-Link.

Der Anspruch an die neuen Modelle ist hoch: Die Pumpen müssen auch über weite Strecken ein Gemisch transportieren, dass zwischen 100 Prozent Flüssigkeit und 98 Prozent Gasanteil schwankt. Außerdem darf die Leistung nicht durch Sand-, Hydrat- und Wachsablagerungen gestört werden. Die Entwicklungskosten für den neuen Pumpentyp gibt Müller-Link mit rund 8,3 Mill. Euro an. Rund 3,7 Mill. Euro davon trägt das Bundesforschungsministerium über einen Zuschuss.

Von ALEXANDER FREISBERG, Handelsblatt

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