Deutscher Multimedia Kongress
Vom Bürokraten zum E-Man

"Sie gehören zur Gruppe der Intuitiven". Das bescheinigte der Mathematik-Professor und Hobby-Psychologe Gunter Dueck den applaudierenden Jung-Managern, die sich in Stuttgart auf dem Deutschen Multimedia Kongress versammelt hatten. Sie nutzten die rechte, kreative, Hirnhälfte mehr als die linke, dächten assoziativ und gefühlsorientiert, lobte der Referent.

Mehr als zwei Drittel der Informatiker und Ingenieure und ein Großteil der Vertreter der New Economy sind nach seinen empirischen Erhebungen "Intuitive". Damit gehörten sie zu einer exklusiven Minderheit der Bevölkerung, die nach Duecks Auffassung in deutschen Führungsetagen viel zu schwach vertreten ist. Stattdessen dominierten dort bürokratische Zahlenhengste, die Kreativität im Keim ersticken."Alles, was den Rahmen einer Powerpoint-Präsentation sprengt, kann den Arbeitsbetrieb nur stören", beschreibt Dueck ihren Management-Stil. Problemstellungen müssten der Reihe nach abgearbeitet werden. Das treibe Kreative, also zum Beispiel Programmierer, Texter und Designer, in den Wahnsinn.

Mit dem Niedergang der New Economy hätten die bürokratischen Planer das Heft erneut vollständig in ihre Hand genommen. "Team, Team, Team - das heißt heute wieder 'Gehorcht mir!'", kritisiert Dueck aktuelle Führungskonzepte. Allein der Veranstaltungsplan des diesjährigen Kongresses spreche Bände: "Geschäftsprozesse auf dem Prüfstand", "Inhalte zum Verkaufen", "Rendite inklusive".

Auch in Berufszweigen der Old Economy, die bisher von solchen Kontrollsystemen weitgehend verschont blieben, konzentriere man sich zu sehr auf die Motivation von außen: Professoren würden nach Leistung bezahlt, Krankenpfleger in einen Kosten- und Zeitplan gepresst. "Sinnsuchenden Menschen untergräbt man damit die Grundlage ihres Berufs. Intuitive Menschen brauchen andere Belohnungssysteme. Dass es ein Pfleger auch als Belohnung empfindet, wenn ihm der Patient dankbar in die Augen schaut, wird nicht berücksichtigt."

Um dies zu ändern, müsste die ganze Gesellschaft radikal umgekrempelt werden - so die Meinung des Referenten. "Wir müssen schon unser Erziehungssystem umbauen. Eigentlich dürften Kreative und 'normale' Menschen selbst in der Grundschule nicht in derselben Klasse sitzen." Denn dort würden heute nur die so genannten Braven belohnt, die lustorientierten Intuitiven aber als faul abgestraft. Die Wirtschaft sollte die typischen Vertreter der New Economy gemäß ihrer Begabung arbeiten lassen.

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